Fußball-EM

Eriksen, Eigentore und mehr Die sechs größten Aufreger dieser EM

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Die dänische Nationalmannschaft umringt den kollabierten Eriksen.

(Foto: Pool via REUTERS)

Die DFB-Elf scheidet kämpferisch aber völlig überfordert im Achtelfinale aus der Fußball-Europameisterschaft aus. Joachim Löws Trainer-Ära ist damit beendet. Aufregend sind die Auftritte der Nationalmannschaft (das 4:2 gegen Portugal ausgeklammert) wahrlich nicht. Doch abseits des deutschen Teams bietet diese EM jede Menge aufsehenerregendes - und einmal steht Löws Elf dann doch im Aufreger-Mittelpunkt.

Eriksen kollabiert, Dänemark muss spielen

Bereits am zweiten Tag der Europameisterschaft hält die Welt den Atem an: Christian Eriksen kollabiert auf dem Spielfeld in der Partie gegen Finnland, erleidet wohl einen Herzstillstand. Ein Drama, dessen glimpflicher Ausgang lange nicht feststeht. Dänemarks Kapitän Simon Kjaer bringt den Mittelfeld-Star von Inter Mailand sofort in die stabile Seitenlage - und rettet ihm damit womöglich das Leben. Seine Mannschaft bildet eine Wand um Eriksen, während die TV-Kameras voll draufhalten, als der Spieler behandelt wird.

Anschließend gibt die UEFA bei der EM zum ersten, aber nicht zum letzten Mal ein wahrlich schlechtes Bild ab. Sie will unter keinen Umständen einen Spielabbruch und setzt die dänische Mannschaft unter Druck, eine Entscheidung zu treffen. Stürmer Martin Braithwaite beklagt sich anschließend, die unmittelbare Fortsetzung der Partie sei "die am wenigsten schlechte Option" gewesen. Aber: "Es gab eine Menge Spieler, die nicht bereit waren zu spielen." Auch Torhüter Kaspar Schmeichel kritisiert nach der Partie: "Wir Spieler wurden in eine Position gebracht, die ich nicht für fair halte."

Eriksen wird anschließend im Krankenhaus behandelt, sein Zustand bessert sich fortlaufend. Dänemark schreibt derweil ein kleines Märchen ähnlich der EM 1992 (Finalsieg gegen Deutschland) und rettet sich noch grandios in die K.o.-Runde, marschiert bis ins Halbfinale - nur um dort dramatisch und unglücklich an England zu scheitern.

Zweifelhafter England-Elfmeter

Womit wir beim nächsten Punkt wären. England. Als einer (zumindest auf der Insel) der Turnier-Favoriten gehandelt, krampfen sich die Three Lions durch die Vorrunde. Dann aber folgt der verdiente Befreiungsschlag der jungen Truppe gegen Deutschland. Endlich zeigen die vielen englischen Juwelen ihr Können.

Ein Platz im Finale ist verdient - wäre da nicht dieser Elfmeter-Pfiff in der 104. Minute des Halbfinals gegen Dänemark. Schiedsrichter Danny Makkelie ignoriert zunächst einen zweiten Ball auf dem Feld in der Nähe des Spielgeschehens und zeigt nach einer minimalen Berührung Joakim Maehles an Raheem Sterlings Oberschenkel auf den Punkt. Viele Beobachter, Experten und Medienschaffende (diesmal auch auf der Insel) halten den Pfiff für viel zu hart.

Dänemarks Trainer Kasper Hjulmand sagt nach der Partie: "Es war ein Elfmeter, den es nicht hätte geben sollen", so habe er es in der "internationalen Presse gelesen". Nun, den Aufreger-Elfer verschießt Harry Kane zwar, der Nachschuss aber sitzt. Und England steht im ersten großen Finale seit 1966.

Arnautovic wie er leibt und lebt

Dort stand Österreich noch nie. Marco Arnautovic hat es Zeit seines Schaffens auch nur im Lautsprechen zu den Allergrößten des Fußballs geschafft. Bei der EM liefert er im ersten ÖFB-Spiel mal wieder Beweismaterial. Im Spiel gegen Nordmazedonien bricht der 32-Jährige nach seinem Tor in der 89. Minute zum 3:1-Endstand seinen kurzen Jubellauf ab, dreht sich um zu den Spielern von Nordmazedonien und pöbelt sie auf aggressive Art und Weise an. Erst der herbeieilende Kapitän David Alaba kann ihn auf deutliche Art und Weise wieder herunterkochen, versucht ihm sogar den Mund zuzuhalten.

Medien berichten, er soll gerufen haben: "Ich f***e deine Shiptar-Mutter." Auf Serbisch wird "Shiptar" als eine abwertende rassistische Beleidigung für Albaner gebraucht. Arnautovic' mutmaßliche Beleidigungen richteten sich wohl speziell gegen Ezgjan Alioski, der für Leeds United spielt und eine albanische Herkunft hat. Der Österreicher wird anschließend für ein Spiel gesperrt, seine Mannschaft scheitert im Achtelfinale an Italien.

Regenbogen, Herzen und rechte Ultras

Für unschöne Pöbeleien sorgt auch die queerfeindliche, rassistische und nationalistische "Carpathian Brigade". Die ungarische Ultragruppierung soll Affenlaute im Frankreich-Spiel gegen Kylian Mbappé gerichtet haben, die UEFA ermittelt. In der Partie gegen Deutschland stehen die Anhänger dicht gedrängt und jegliche Corona-Regeln missachtend in der Kurve. Mit seinem goldenen Tor zum 2:2-Endstand kurz vor Schluss verlängert Leon Goretzka nicht nur die Ära Jogi Löw um ein Spiel. Er jubelt vor der "Brigade", indem er ein Herz mit seinen Händen formt. Die Herz-Brigade gegen die Brigade der Diskriminierung. Die Botschaft der Liebe gegen den Hass und die Wut.

Rund um dieses Spiel geht es ansonsten nur um das Thema Regenbogen. Das Zeichen für Vielfalt und eine tolerante, weltoffene und diverse Gesellschaft. Und gegen Queerfeindlichkeit. Die UEFA verbietet der Stadt München, dass die Allianz Arena in Regenbogenfarben erleuchtet wird. Stattdessen knipsen etliche andere Orte, Stadien und Institutionen die Regenbogenlichter an und hissen entsprechende Flaggen. Auch vor dem und im Stadion in München werden viele Fahnen verteilt. Während der Nationalhymne Ungarns schafft es ein Flitzer mit einer Regenbogenflagge aufs Feld und präsentiert sie direkt vor der ungarischen Nationalmannschaft.

Oh man, UEFA ...

Die UEFA weist alle Schuld von sich. Doch volle Stadien, dicht gedrängte und grölende Fans und durch Europa fliegende Mannschaften und Zuschauer sind für den Kampf gegen Corona Gift. Laut wissenschaftlichen Erhebungen lassen sich rund 2000 Neuinfektionen in Schottland auf das "Battle of Britain" zwischen England und der schottischen Nationalmannschaft im Londoner Wembley zurückführen.

Die Pandemie lässt die auf Europa verteilten Spielorte schon vor dem Turnier absurd erscheinen. Der Druck der UEFA auf die Veranstaltungsorte, mindestens 14.500 Fans zuzulassen, ist die erste von vielen gesundheitsgefährdenden Regelungen. Für Aufregung sorgen vor allem die Partien im Variantengebiet London vor 45.000 (Achtelfinale gegen Deutschland) respektive 60.000 Fans (ab dem Halbfinale). "Es haben sich sicherlich Hunderte infiziert und diese infizieren jetzt wiederum Tausende", kritisiert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nach dem Achtelfinalspiel. "Die UEFA ist für den Tod von vielen Menschen verantwortlich."

Eigentor-Wahnsinn

Der Slapstick-Wahnsinn nimmt direkt im ersten Gruppenspiel seinen Lauf. Türkeis Merih Demiral bringt Italien in Front, weil er ins eigene Netz trifft. Zehn weitere Eigentore folgen im Turnierverlauf. Bei allen vorherigen Europameisterschaften zusammen waren bisher nur neun gefallen. Zum Vergleich: An allen 34 Spieltagen der Bundesliga-Saison 2020/21 trafen alle 18 Bundesligisten insgesamt 27 Mal ins eigene Tor.

Besonders in Erinnerung wird den deutschen Fans der Fauxpas von Mats Hummels gegen Frankreich bleiben: Sein missglückter Klärungsversuch vorbei an Manuel Neuer über die Torlinie besorgt den 1:0-Entstand. Die Slowakei und Portugal schaffen es sogar, in einem Spiel doppelt ins eigene Netz zu treffen. Auch das letzte Tor aus dem Spiel heraus vor dem Finale fällt, weil Simon Kjaer gegen England den Ball in sein eigenes Tor grätscht. Harry Kane trifft anschließend im Nachschuss an den oben erwähnten Elfmeter zum 2:1-Endstand für die Three Lions.

Quelle: ntv.de

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