Fußball-EM

Come on, England Drei weinende Löwen

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(Foto: imago/BPI)

50 Jahre Schmerz. 50 Jahre Hoffnung. 50 Jahre Enttäuschung. Um ehrlich zu sein - auch zwölf Jahre Langeweile. Denn seit sich die englische Fußballnationalmannschaft im Systemfußball versucht, hat sie ihr Herz verloren. Das könnte sich nun ändern.

1966 ist lange her. Nach Meinung englischer Fußballfans viel zu lange. Und mittlerweile ist auch beim treuesten Anhänger vom Team England kein Glanz mehr in den Augen zu erkennen, ob des vor 50 Jahren errungenen WM-Titels. Bei zu vielen Turnieren mussten die Kicker von der Regeninsel vorzeitig die Koffer packen. Meist gestaltete sich das Ausscheiden dramatisch, ja tragisch. Mit viel Herz. Und häufig auch viel Pech, was Spieler und Fans nicht selten an die Grenze ihrer Leidensfähigkeit brachte. Doch wie ungerecht der Fußballgott auch war, es war immer leicht, die englische Mannschaft für ihre Leidenschaft und ihres sportlichen Verhaltens zu lieben.

Dabei lag es selten an der Qualität des Kaders, dass bei viel zu vielen Europa- und Weltmeisterschaften spätestens im Halbfinale Schluss war. Oft kam das Aus erst durch Elfmeterschießen. Nachdem zuvor ein grandioser Kampf abgeliefert wurde. Englischer Fußball fühlte sich lange Zeit so an wie die Popmusik des Landes. Kraftvoll und melodiös in der Strophe und mitreißend und hymnisch im Refrain. Aber eben auch ein wenig melancholisch. Man muss Brite sein, um so komponieren und texten zu können. Oder auch derart Fußball zu spielen.

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Unbelievable - wieder gilt es eine tragische Niederlage zu verkraften. Gazza und Co im Jahr 1990.

Doch mit Beginn des neuen Jahrtausends änderte sich der Stil der Mannschaft. Statt Herz und Leidenschaft wollte England nun mit kühlem Kopf und Systemfußball punkten. Hochbezahlte ausländische Trainer nährten mit ausgetüftelter Taktik die Titelträume der "Three Lions". Sie brachten anhaltende Erfolglosigkeit. Und Langeweile. Seltsam blutleer muteten die Auftritte der gleichermaßen stolzen und ambitionierten Fußballnation an. Die einzige Ausnahme war das Turnier in Portugal 2004.

Besonders enttäuschend war dieser englische Technokraten-Fußball vor dem Hintergrund, dass dem Land in dieser Zeit eine Vielzahl an Ausnahmespielern zu Verfügung stand. Doch die in ihren Vereinen glänzenden Stars, zeigten sich im Nationaldress allzu oft nur als Mitläufer. Mit einem ordentlichen Schuss Hochmut, der sich nicht zuletzt aus dem einstigen Glanz des verlorenen Empires nährte und ihren aufgedonnerten Wags ("Wifes and Girlfriends") im Gepäck, spielten sie sich pomadig ins Turnieraus. Das Donnerwetter im Mutterland des Fußballs war jedes Mal gewaltig. Schließlich nannten die "Three Lions" doch die wohl rasanteste Liga und die leidenschaftlichsten Fans Europas ihr Eigen. Dass in Großbritannien ein geifernder Boulevard-Journalismus die fällige Tracht Prügel verabreichte, machte es für die gefallenen Helden nicht leichter.

Nun, 2016, hat sich der Rauch gelegt. Aber auch keine Fanfaren ertönen, und kein Trommelwirbel erschallt, wenn England bei der Europameisterschaft in Frankreich zum Wettstreit antritt. Die Erwartungen sind gedämpft. Und das, obwohl das Team eine sehr überzeugende Qualifikation gespielt hat. Und endlich wieder über Leidenschaft und Spielfreude verfügt. Neue, hungrige Spieler machten den Wandel möglich. Und selbst wenn es wohl nicht zum ganz großen Wurf reichen wird. Die Fußballwelt kann sich endlich wieder auf ein lebendiges, kämpferisches England freuen. Mit drei Löwen auf der Brust. Und einem pochenden Herzen darunter.   

Come on, England.

Quelle: ntv.de

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