Fußball-EM

So holpert es Richtung EM-Titel Mit De Bruyne ist mehr Belgien

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De Bruyne droht die nächste Zwangspause.

(Foto: AP)

Ohne Kevin De Bruyne muss Belgien das EM-Achtelfinale gegen Portugal über die Zeit bringen. Der Mitfavorit auf den Titel tut sich damit schwer. Immerhin trifft ein Dortmunder und wirft damit den amtierenden Europameister aus dem Turnier. Doch der neuerliche Spielmacher-Ausfall könnte dramatisch sein.

"Belgien ist nicht nur Kevin De Bruyne." Nun, an dieser Feststellung von Joao Moutinho gibt es nichts zu Rütteln. Der Portugiese und sein Team erlebten es im Achtelfinale der Fußball-Europameisterschaft ganz genau. Denn das Aus des Titelverteidigers besiegelte ein Tor von Thorgan Hazard. 0:1, Portugal verlässt die EM früh. Wegen eines sehenswerten Distanzschusses des belgischen BVB-Profis. Aus knapp 20 Metern sah er die Lücke ins Tor zwischen dem Gegner hindurch, vorbei an Torhüter Rui Patricio. Es war "das wichtigste Turnier meiner Karriere", sagte Thorgan Hazard. "Ich habe einfach mein Glück versucht, es könnte traumhafter nicht sein."

Kevin De Bruyne hatte mit diesem Treffer in der 42. Minute tatsächlich wenig zu tun. Zwar hatten er und Romelu Lukaku einen Angriff eingeleitet, doch der schien bereits verpufft, als Thomas Meunier den Ball ans linke Strafraumeck zu Thorgan Hazard weiterleiten konnte. Das Tor war dann eine herausragende Einzelleistung in einem unspektakulären Spiel. Mehr Abwehrschlacht denn Offensivspektakel. Eine ungewöhnliche Entwicklung, hatten doch viele angesichts der topbesetzten Offensiven auf beiden Seiten - Lukaku, Eden Hazard, De Bruyne sowie Cristiano Ronaldo - mehr erhofft. So aber war es am jüngeren Hazard-Bruder, den Sieg für das Viertelfinale zu besorgen.

Trotzdem überwiegt am nächsten Morgen das Reden über De Bruyne. Über den 30-jährigen Superstar von Manchester City, über den Moutinho vor dem Spiel auch gesagt hatte: "Wenn wir ihm aber Platz und Zeit geben, ist er noch gefährlicher." Nun, sie dämmten ihn sehr effektiv ein. Mehr noch: rüde. Joao Palhinha hatte Belgiens Spielmacher kurz vor der Halbzeitpause mit einem taktischen Foul umgelegt und dafür zu Recht Gelb von Schiedsrichter Felix Brych gesehen. De Bruyne am Boden, ein Bild, das sofort ungute Erinnerungen weckte.

Das Gesicht ist eh noch taub

Erst am 29. Mai hatte er übel zugerichtet am Boden gelegen. Damals noch im anderen Trikot, dem seines Klubs, im Finale der Champions League. Ein Zusammenstoß mit Antonio Rüdiger hatte fatale Folgen: Augenhöhlen- und Nasenbeinbruch. Noch immer ist eine Gesichtshälfte taub, De Bruyne verpasste das erste EM-Spiel gegen Russland. Gegen Dänemark wurde er eingewechselt und zeigte eindrücklich, wie sehr sein Team an ihm hängt. Nur mit ihm sind die "Roten Teufel" ein ernsthafter Anwärter auf den ersehnten Titel. Die Weltranglisten-Ersten, sie hängen bei aller Klasse von dem mit der meisten Klasse ab.

Die Partie gegen Portugal war beileibe nicht hochklassig, doch ohne ihn verlor Belgien noch mehr seinen Spielfluss. Auf 24, allerdings allesamt erfolglose, Torschüsse der Portugiesen, gab es nur sechs der Belgier. Dazu weniger Ballbesitz (44 zu 55 Prozent) und deutlich weniger gespielte Pässe. Es war kein Spiel, mit dem Belgien nachhaltig untermauert hat, dass sie Anwärter auf den Titel sind. Weder vor dem Foul an De Bruyne, noch nach dessen Auswechslung.

"Ein wirklich übles Foul"

Nun ist er wieder der, um den sie bangen müssen. "Kevin hat etwas am Knöchel abbekommen, das war ein wirklich übles Foul", sagte Trainer Roberto Martinez nach dem Sieg gegen Portugal. "Es gibt noch keine Diagnose", fügte er mit Verweis auf anstehende Untersuchungen an. So benommen wie De Bruyne bei seiner Auswechslung in der 48. Minute wirkte, gibt es begründete Zweifel, warum er zur Halbzeit nicht gleich in der Kabine blieb.

Vermutlich, weil eben alle Hoffnungen auf dem 30-Jährigen lasten. Mit ihm ist Belgien ein besseres Team, eines, das die herausragenden Qualitäten der Einzelnen zusammenbindet. Qualitäten wie der Schuss von Thorgan Hazard, der bei diesem Turnier seinen älteren Bruder Eden in den Schatten stellt. Der zweite übrigens, der gegen Portugal angeschlagen ausgewechselt werden musste (87.). "Es sah nicht so gut aus", sagte sein Bruder besorgt. Muskuläre Beschwerden nannte Martinez als Grund. Wie bei De Bruyne ist unklar, ob es fürs Viertelfinale reicht.

Am Freitag geht es in München gegen Italien (21 Uhr im ntv.de-Liveticker), gegen das Team, das im gesamten Turnier erst ein Gegentor kassierte. Eine schlagkräftige Offensive wäre da ganz sicher nicht von Nachteil. "Wir brauchen diese Spieler", sagte Thorgan Hazard über seinen Bruder und De Bruyne. Auch wenn er derjenige war, der sie ins Viertelfinale geschossen hat. Und er derjenige ist, der zum "Spieler des Spiels" gekürt wurde. "Belgien ist nicht nur Kevin De Bruyne." Aber mit Kevin De Bruyne ist trotzdem mehr Belgien.

Quelle: ntv.de

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