Fußball-EM

Oranje mit perfekter EM-Vorrunde Österreich bucht erstmals Achtelfinal-Ticket

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Die Österreicher stehen im EM-Achtelfinale.

(Foto: picture alliance/dpa/Pool AFP/AP)

David Alaba bereitet vor, Christoph Baumgartner vollendet: Österreich rettet in seinem letzten Gruppenspiel bei der Fußball-EM gegen die Ukraine einen knappen Vorsprung über die Zeit. Für die kämpferischen Nordmazedonier endet das Turnier derweil gegen deutlich überlegene Niederländer.

Mit einem Sieg in ihrem "Finale" hat Österreichs Bundesliga-Auswahl Fußball-Geschichte geschrieben. Das Team um Kapitän David Alaba zog durch ein 1:0 (1:0) im letzten Vorrundenspiel gegen die Ukraine erstmals bei einer Europameisterschaft in die K.-o.-Runde ein. Als Tabellenzweiter der Gruppe C trifft die Mannschaft des deutschen Trainers Franco Foda im Achtelfinale am Samstag (21 Uhr) in Wembley auf den viermaligen Weltmeister Italien.

Der Hoffenheimer Christoph Baumgartner (21.) erzielte in Bukarest das Siegtor für die Österreicher, die erstmals seit der WM 1982 die Vorrunde bei einem großen Turnier überstanden. Der langjährige Bayern-Star Alaba, einer von neun Bundesligaspielern in der Startelf, hatte zuvor von einem "Finale" gesprochen: "Wir wollen gewinnen, um Geschichte zu schreiben." Die Ukraine ist dagegen als Dritter mit drei Punkten auf Schützenhilfe angewiesen, um ebenfalls die K.-o.-Runde zu erreichen.

Alaba begann erstmals bei diesem Turnier auf der linken Seite. In den ersten beiden Gruppenspielen gegen Nordmazedonien (3:1) und gegen die Niederlande (0:2) hatte Foda den künftigen Profi von Real Madrid überraschend in die Innenverteidigung beordert, seine offensiven Akzente fehlten so.

Alaba leitet die Führung ein

Auch diesmal war der 28-Jährige in der Defensive gefragt - als Gegenspieler des Ex-Dortmunders Andrej Jarmolenko, der schon zweimal für die Ukraine getroffen hatte. Doch Alaba, sonst in der Nationalmannschaft vorwiegend im Mittelfeld eingesetzt, kurbelte mit an. Österreich begann offensiv, weil für Platz zwei ein Sieg nötig war. Für mehr Durchschlagskraft im Angriff sollte Marko Arnautovic sorgen, der nach einer Sperre wegen Beleidigung eines Gegenspielers zurückgekehrt war.

Alaba leitete mit seinem fünften Eckball die Führung ein, Baumgartner stand goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. Der Lohn für eine starke Anfangsphase, in der die Österreicher eindeutig das Spiel bestimmten. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis die Ukraine durch Mykola Schaparenko erstmals aufs Tor schoss. Keeper Daniel Bachmann klärte aber (29.). Auf der Gegenseite hatte der Leipziger Konrad Laimer das 2:0 auf dem Fuß, seinen Schlenzer parierte aber Georgij Buschtschan (37.). Noch größer war die Chance, die sich Arnautovic kurz vor der Pause bot: Doch der Ex-Bremer vergab nach einer Hereingabe des Schalkers Alessandro Schöpf kläglich (42.).

Die ukrainischen Fans, die die überwiegende Mehrzahl unter den 13.000 Zuschauern im Nationalstadion ausmachten, waren inzwischen deutlich leiser geworden. Auch im zweiten Durchgang ließen die Österreicher nicht nach. Immer wenn Alaba einen Freistoß oder Eckball ausführte, gab es Gefahr vor dem ukrainischen Tor. Allerdings verstärkte das Team von Trainer Andrej Schewtschenko nach der Pause seine Angriffsbemühungen. Alaba und Co. verteidigten aber geschickt und setzten auch immer wieder offensive Akzente. Die Verzweiflung bei Schewtschenko und seinem Team wurde immer größer.

Niederlande mit weißer Weste

Deutlich reibungsloser lief es derweil bei der Niederlande. Das Oranje-Team hat auch ihr drittes EM-Vorrundenspiel im "Wohnzimmer" Amsterdam souverän gewonnen und mausert sich mehr und mehr zum Titelkandidaten. Beim deutlichen 3:0 (1:0) gegen den punktlosen EM-Neuling Nordmazedonien lieferte die Elftal offensiv erneut eine überzeugende Vorstellung ab.

Der künftige Barcelona-Profi Memphis Depay (24.) und Georginio Wijnaldum (52./58.) trafen für das Team von Bondscoach Frank de Boer, das wie schon 2000 und 2008 eine perfekte EM-Vorrunde ohne Punktverlust spielte. Der Gruppensieg war Oranje schon vor Anstoß nicht mehr zu nehmen gewesen, im Achtelfinale geht es nun am Sonntag in Budapest gegen einen Gruppendritten - der theoretisch auch Deutschland heißen könnte.

"Wir nehmen das Spiel todernst", hatte de Boer vor Spielbeginn gesagt. Die Partie um die goldene Ananas - oder um "den Bart des Kaisers", so die niederländische Redewendung - lief dann auch von Beginn an in eine Richtung: Die Hausherren dominierten im untypischen und in den Niederlanden weiter umstrittenen 5-3-2 das Geschehen, die laufstarken Gäste lauerten auf Konter.

Pandev verließ Platz unter Tränen

Mehr Spielfreude strahlte das Oranje-Team aus, bis zum Strafraum kombinierte die Elftal teils nach Belieben - und blieb dann doch ideenlos. Gefährlicher war da zunächst der EM-Neuling mit seinen Nadelstichen. Ein Treffer von Ivan Trickovski fand wegen Abseits keine Anerkennung (9.), später traf Aleksandar Trajkovski den Pfosten (22.).

Kurz darauf ging aber der Favorit in Führung. Nordmazedoniens Star Goran Pandev verlor in seinem 122. und gleichzeitig letzten Länderspiel in einem harten Zweikampf den Ball, und nach einer schnellen Kombination traf Depay aus elf Metern mit links ins Tor. Schon gegen die Ukraine (3:2) hatte der zuletzt für Lyon stürmende Depay das wichtige 1:0 erzielt.

Kurz nach der Pause markierte auch Wijnaldum sein zweites EM-Tor - wieder nach einem Ballverlust von Pandev. Wenig später staubte der künftige PSG-Profi Wijnaldum gar zum 3:0 ab, damit war die Begegnung entschieden. Die Fans in der Arena ließen nun die Welle kreisen und feierten wenig später Wolfsburgs Torjäger Wout Weghorst, der Sekunden nach seiner Einwechslung die Latte traf (67.). Emotional wurde es, als Pandev mit Tränen in den Augen durch ein Spalier seiner Mitspieler vom Feld ging.

Quelle: ntv.de, ses/sid

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