55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 06/07 "Ich will jeden Sex, den ich bekomme"

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Kevin Kuranyi ist irritiert.

Frauentausch in München - und auf Schalke trauern sie. Die bereits sicher geglaubte Meisterschaft verspielen die Königsblauen in einem dramatischen Finale. Ob die neuen, etwas eigenartig anmutenden Frage-Tests dabei eine Rolle gespielt haben?

Die gute Nachricht zuerst: In der Saison 2006/2007 hat tatsächlich nicht der FC Bayern die deutsche Fußballmeisterschaft gewonnen. Nachdem in den Jahren zuvor ob der Dominanz der Münchner ein wenig Langeweile in den oberen Tabellenregionen der Bundesliga aufgekommen war, entschädigt diese Spielzeit für vieles. Die Bayern spielen ihre schlechteste Runde seit zwölf Jahren. Zehn Niederlagen wiegen schwer. Am Ende landen sie - trotz des Trainerwechsels von Felix Magath zu Ottmar Hitzfeld nach zwei Spieltagen der Rückrunde - nur auf Tabellenplatz vier und qualifizieren sich damit zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht für die Champions League.

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Titel, Titel, Titel?

Dabei hatte der für eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro transferierte Neuzugang vom 1. FC Köln, Lukas Podolski, vor der Saison noch vollmundig "Titel, Titel, Titel" versprochen. Um den spielen am Ende völlig überraschend der VfB Stuttgart und der FC Schalke 04. Die Königsblauen hatte vor der Spielzeit kein Experte auf der Rechnung. Bis auf einen, Lothar Matthäus: "Für mich besteht kein Zweifel: Schalke 04 wird der hartnäckigste Konkurrent von Meister Bayern sein." Wegen der Klasse der Spieler müssten die Gelsenkirchener sogar Meister werden.

"Ganz in Weiß", hihi

Und lange Zeit sieht Schalke tatsächlich wie der kommende Titelträger aus. Doch mit der 1:2-Niederlage am 31. Spieltag beim VfL in Bochum, als die Königsblauen vielleicht etwas zu selbstbewusst unter dem Motto "Nordkurve in deiner Stadt" einen Fußmarsch mit 6.000 Anhängern vom Bahnhof zum Ruhrstadion "Ganz in Weiß" zurücklegen, beginnt die Depression auf Schalke. Zeitgleich schwebt der VfB Stuttgart auf der Wolke des Erfolgs und gewinnt die letzten acht Begegnungen der Saison allesamt.

Dabei haben sich die Schalker das Spielzeit-Finale so schön ausgemalt. Angreifer Gerald Asamoah freut sich schon seit Wochen auf die Partie am 33. Spieltag beim Revierrivalen BVB und verspricht: "Sollten wir den Titel in Dortmund holen, laufe ich wieder nach Hause zurück - mit einem riesigem Glas Bier in der Hand!" Ein Plan, den Manager Andreas Müller so oder so nicht befolgen wird: "Ich laufe auf keinen Fall mit. Lieber schlecht gefahren als gut gelaufen!" Am Ende kommt eh alles ganz anders als gehofft. Während der VfB Stuttgart zeitgleich und nach großem Kampf in Bochum mit 3:2 gewinnt, unterliegen die Schalker mit 0:2 bei Borussia Dortmund. Der VfB holt schließlich am 34. Spieltag durch einen 2:1-Sieg zu Hause gegen Energie Cottbus seine fünfte Deutsche Meisterschaft.

Augenthalers großer Auftritt

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"Die Fragen stelle ich und die Antworten gebe ich auch."

Seinen letzten großen Auftritt in Wolfsburg zelebriert der Trainer der Wölfe, Klaus Augenthaler, mit einer ebenso fulminanten wie kurzweiligen Showeinlage. Genau 42 Sekunden sitzt er bei der Pressekonferenz auf der Bühne: "Guten Tag! Meine Herren, es gibt vier Fragen und vier Antworten. Die Fragen stelle ich und die Antworten gebe ich auch. Stimmung der Mannschaft, wie ist die Stimmung der Mannschaft, Zustand der Mannschaft? Die Mannschaft hat hervorragend gearbeitet. Zur Taktik: Ein oder zwei Stürmer? Das hängt davon ab, wie die personelle Situation ist - es ist der eine oder andere verletzt. Wie ich den Gegner erwarte: Aachen wird sicherlich Druck machen, Aachen muss das Spiel gewinnen, darauf sind wir vorbereitet. Ist die Mannschaft dem Druck gewachsen? Was ich beobachtet habe in der Woche im Training: Die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet und wird die Antwort auf dem Platz geben. Danke schön!"

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Mittelfeldspieler Mehmet Scholl von Bayern München beendet seine Karriere und verabschiedet sich standesgemäß mit einem Spruch von seinen Fans: "Wir heulen heute abend alle. Wir werden was trinken, und dann heulen wir alle. Und dann tauschen wir die Frauen, und dann geht’s weiter."

Passend zu diesem Spruch eine Nachricht aus Gelsenkirchen: Der ehemalige Stuttgarter Kevin Kuranyi ist irritiert. Sein neuer Cheftrainer beim FC Schalke 04, Mirko Slomka, ist ein Fan des sogenannten REISSprofil-Tests und möchte von seinen Profis allerhand intime Dinge wissen. Vor allem die Themen Sex und Erotik sind den teilnehmenden Schalker Spielern etwas peinlich - gehen sie doch ziemlich ins Detail. Die Ergebnisse sind angeblich aber allein streng wissenschaftlich zu sehen.

Kaum zu glauben bei diesen Antwortmöglichkeiten: "Ich versuche, mehr Sex zu haben", "Ich brauche häufigen Sex", "Ich bin stolz auf meine erotischen Erfahrungen", "Ich will jeden Sex, den ich bekomme", "Ich habe ein starkes Bedürfnis nach häufigen Sex" und "Ich bin das, was man sexuell zügellos nennt". Ob Slomka aufgrund der Auswertung der Tests schon ahnte, dass seinen Schalkern im Meisterschaftsfinale die Luft ausgeht? Man weiß es nicht.

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Quelle: n-tv.de