Fußball

Aberwitziger Bundesliga-KollapsUm Gottes Willen, VfL Wolfsburg

04.04.2026, 17:32 Uhr
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Dieter Hecking trieb seinen VfL Wolfsburg immer wieder an - vergeblich. (Foto: IMAGO/Team 2)

Der stark abstiegsgefährdete VfL Wolfsburg spielt eine spektakuläre erste Halbzeit in Leverkusen, führt 3:1 und geht am Ende noch unter. Die TSG Hoffenheim lässt wichtige Punkte im Kampf um die Champions League liegen.

Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg 6:3 (2:3)

Als aus einer bitteren Niederlage sogar eine Demütigung wurde, verschränkte Dieter Hecking die Arme und stand fortan regungslos am Spielfeldrand. Nach dem Abpfiff des 3:6 (3:2) bei Bayer Leverkusen nahm der Trainer des VfL Wolfsburg schließlich seine Jacke und verschwand in der Kabine. 3:1 hatte der VfL geführt, der Gegner war schwerstens angeschlagen, die Bayer-Fans verhöhnten ihre Spieler - und doch schafften es die Wolfsburger nicht, auch nur einen Punkt für den Kampf gegen den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte mitzunehmen.

Stattdessen erlebte Hecking einen Totalzusammenbruch seines Teams, dem immer weniger Hoffnung auf den Klassenerhalt bleibt. Schon vor den Spielen der unmittelbaren Konkurrenz am Sonntag fehlen fünf Punkte zum 15. Tabellenplatz. Hecking hat mit einem Punkt aus drei Spielen noch keine Wende angestoßen, Schuld gab der VfL aber Martin Petersen: "Ich habe normal ein ruhiges Gemüt, aber heute wäre ich sehr gerne zum Schiedsrichter reingegangen", sagte Sportdirektor Pirmin Schwegler. Dennoch: "Die Jungs packen das!"

Bayer enttäuschte vor der Pause und lag nach Wolfsburger Treffern von Jonas Wind (16.), Joakim Maehle (31.) und Kapitän Christian Eriksen (38., Foulelfmeter nach Videobeweis) hinten. Dank Alejandro Grimaldo (30., Foulelfmeter/44.) durfte Leverkusen weiter hoffen. Patrik Schick (53., Foulelfmeter), Edmond Tapsoba (68.), Ibrahim Maza (73.) und Malik Tillman (90.+6) sorgten für den Sieg und nahmen Druck von Trainer Kasper Hjulmand.

Wolfsburg, das vor der Länderspielpause das Kellerduell mit Bremen (0:1) verloren hatte, überstand die ersten Angriffsversuche des Favoriten. Dazu schlugen sie eiskalt zu. Wind schlich sich am schwachen Loic Badé vorbei und traf zur Führung. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch .Nachdem Mohammed Amoura (23.) die Riesenchance zum 2:0 ausgelassen hatte, rückte Schiedsrichter Martin Petersen in den Fokus. Der Referee sprach Bayer nach einem gewöhnlichen Körpereinsatz von Maehle gegen Maza zunächst einen äußerst schmeichelhaften Strafstoß zu. Hecking tobte an der Seitenlinie, Grimaldo verwandelte aber sicher.

Dann sorgte Maehle im Gegenzug mit einem sehenswerten Dropkick für die Antwort, ehe Petersen ein Foulspiel von Edmond Tapsoba gegen Amoura vorerst weiterlaufen ließ. Erst nach Ansicht der Bilder entschied er erneut auf Strafstoß. Eriksen bescherte Wolfsburg eine scheinbar komfortable Führung, doch Grimaldo verkürzte und beruhigte damit die Fans, die den harmlosen Leverkusenern höhnisch applaudiert hatten.

Die Debatte um Hjulmand hatte vor der Partie Fahrt aufgenommen. Um den nächsten Dämpfer nach dem Remis in Heidenheim (3:3) zu verhindern, brachte der Däne Schick als zweite Spitze. Das zahlte sich aus. Nach einem plumpen Foul von Seal Kumbedi gegen Nathan Tella nutzte der Tscheche umgehend die Chance vom Punkt. Bayer erhöhte deutlich die Schlagzahl, nicht zuletzt, weil beim VfL die Kräfte nachließen. Als Tapsoba der vierte Bayer-Treffer gelang, war die Gegenwehr der Wolfsburger gebrochen. Maza erhöhte nach einer Eckballvariante. Torhüter Kamil Grabara verhinderte eine noch höhere Niederlage.

Hamburger SV - FC Augsburg 1:1 (0:1)

Der Hamburger SV hat in einer wegweisenden Saisonphase eine große Chance ungenutzt gelassen, in Unterzahl aber Schlimmeres verhindert. Im Duell zweier abstiegsbedrohter Teams kam der lange überlegene Aufsteiger nicht über ein 1:1 (0:1) gegen den FC Augsburg hinaus. Arthur Chaves (23.) traf für die Gäste aus Augsburg, Ransford Königsdörffer (60.) glich für den HSV aus, ehe Miro Muheim wegen einer Notbremse die Rote Karte sah (64.). Die Hamburger verfügen durch den Punktgewinn zwar weiterhin über einen ordentlichen Vorsprung auf die Abstiegsränge, stehen aber vor komplizierten Wochen. In den abschließenden sechs Saisonspielen warten nur zwei Heimspiele und insgesamt fünf Duelle mit Europacup-Anwärtern.

HSV-Trainer Merlin Polzin überraschte mit seiner Startaufstellung, in der sich der zuletzt suspendierte Aufstiegsheld Robert Glatzel wiederfand - zum erst vierten Mal in der laufenden Saison. Ähnlich wie seinen Kollegen ging dem Mittelstürmer in der Anfangsphase aber die Torgefahr ab. Der FCA begnügte sich mit wenigen Offensivaktionen, von denen eine in der Führung mündete. Verteidiger Chaves stocherte den Ball nach einer guten Flanke von Marius Wolf über die Linie.

Die Partie wurde im Anschluss hitziger, FCA-Stürmer Michael Gregoritsch bewarb sich aber für den Fair-Play-Preis. Nach einem Zweikampf zwischen dem Österreicher und Fabio Vieira hatte Deniz Aytekin zunächst auf Freistoß für Augsburg in einer Top-Position entschieden - auf Nachfrage des Schiedsrichters gestand Gregoritsch jedoch ein eigenes Foulspiel ein (45.). Dass das 1:0 bis zur Pause Bestand hatte, hatte indes viel mit Finn Dahmen zu tun. Der Gäste-Torhüter entschärfte erst einen Freistoß von Muheim (37.), dann parierte er stark gegen Philip Otele (39.). Glatzel ließ eine weitere gute Chance ungenutzt, er verzog aus 13 Metern knapp (44.).

Nach dem Seitenwechsel ging es ähnlich weiter. Hamburg rannte an, belohnte sich aber nicht. Diesmal schoss Königsdörffer knapp vorbei (49.), nach einer Ablage von Glatzel machte er es dann kurz darauf besser. Der Volkspark entfaltete nach dem Ausgleich seine gesamte Wucht, Vuskovic traf per Kopf nur den Pfosten (63.) - im Gegenzug foulte Muheim Anton Kade nach einem eigenen Fehler und musste vom Feld. Danach verteidigten die Hamburger leidenschaftlich und hatten bei Gregoritschs Pfostentreffer Glück (74.). Aber auch der HSV hatte in der Schlussphase Chancen zum Sieg.

TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 1:2 (1:1)

Phillip Tietz warf den Fans sein Trikot zu, dann holte er stolz seine Tochter auf den Rasen. Die Momente der Glückseligkeit wollte der Matchwinner mit seinen Liebsten teilen. Bei der TSG Hoffenheim war der Frust nach dem 1:2 (1:1) gegen den FSV Mainz 05 dagegen spürbar, im Rennen um die Königsklasse scheint im Saisonendspurt die Luft auszugehen. Von den letzten sechs Partien gewannen die Kraichgauer lediglich eine - so wird es im Kampf um Rang vier schwierig.

"Wir müssen ruhig bleiben und dürfen nicht den Kopf verlieren", sagte Torhüter Oliver Baumann bei Sky: "Wir müssen uns grad die Punkte hart erarbeiten. Wir haben grad nicht den Lauf, müssen es schnell wieder kippen." Tietz (13., 79.) erwischte die TSG mit einem Doppelpack kalt, der zwischenzeitliche Ausgleich von Fisnik Asllani (23.) war zu wenig. 

Das Team von Urs Fischer wies im Abstiegskampf einmal mehr seine starke Form nach, blieb im sechsten Ligaspiel in Serie ungeschlagen. Das Ziel Klassenerhalt rückt mit nun 33 Punkten immer näher. "Wir haben in den letzten Wochen gute Schritte gemacht und müssen genauso weitermachen", sagte Paul Nebel: "Wir haben es rein rechnerisch noch nicht geschafft." Am Donnerstag (21 Uhr/RTL+ und im Liveticker bei ntv.de) geht es erstmal im Viertelfinal-Hinspiel in der Conference League gegen Racing Straßburg.

Trotz der jüngsten Erfolgsserie mahnte Fischer sein Team zur Demut. "Wir waren mal Letzter, jetzt sind wir Elfter", sagte der Coach vor der Partie mit Blick auf die Tabelle, "aber abgerechnet wird nach 34 Spieltagen. Geschafft ist noch gar nichts." Es zähle "jeder Punkt". Seine Mannschaft war vor 30.150 Zuschauern für den Champions-League-Aspiranten der erwartet eklige Gegner, agierte ohne den weiter verletzten Nadiem Amiri bissig in den Zweikämpfen und stand defensiv sehr kompakt.

Erst recht mit der frühen Führung im Rücken, beim ersten guten Angriff nickte Tietz eine Flanke von Philipp Mwene perfekt ins Eck. Die Hoffenheimer wirkten schockiert, hatten in dieser Phase Probleme im Kombinationsspiel. Aus dem Nichts traf dann allerdings Asllani traumhaft aus 18 Metern in den Winkel. Fortan entwickelte sich ein munteres Spiel mit guten Torchancen auf beiden Seiten und leichten Vorteilen für die TSG.

Für die Ilzer-Elf vergaben Alexander Prass (28.) und Albian Hajdari (31.), auf der Gegenseite parierte Oliver Baumann stark gegen Jae-sung Lee (25.) und Paul Nebel (43.). In Durchgang zwei erwischten erneut die Mainzer den besseren Start, Stefan Posch vergab freistehend aus drei Metern (49.). Insgesamt wurden die Torraumszenen nun allerdings deutlich seltener, ein Großteil der Partie spielte sich im Mittelfeld ab. Ilzer versuchte nach einer Stunde mit der Einwechslung von Andrej Kramaric einen Impuls zu setzen, doch offensiv war bis auf einen Pfostentreffer von Wouter Burger (81.) kaum ein Durchkommen. Stattdessen staubte Tietz auf der Gegenseite nach seinem eigenen Schuss erfolgreich ab.

Werder Bremen - RB Leipzig 1:2 (0:1)

Die nächsten Big Points: Ein brutal effizientes RB Leipzig hat einen weiteren Schritt Richtung Champions League gemacht. Die Mannschaft von Trainer Ole Werner zeigte Killerinstinkt und gewann am Samstag das Duell bei Werners Ex-Klub Werder Bremen mit 2:1 (1:0). Jubiläumstorschütze Antonio Nusa (15.) und Romulo (52.) ließen die mitgereisten RB-Fans jubeln. Werder kam über den späten Anschlusstreffer von Salim Musah (90.+4), der sein erstes Bundesliga-Tor erzielte, nicht hinaus. Leipzig bleibt damit auch nach der Länderspielpause auf Kurs, von den letzten acht Bundesliga-Partien verlor RB nur eine. Das Team festigte Rang vier in der Tabelle. Werder geht hingegen mit einem Rückschlag in die nächsten schweren Wochen im Kampf gegen den Abstieg.

"Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn du das erste Mal wieder an alter Wirkungsstätte spielst", sagte Werner, der Werder 2022 zurück in die Bundesliga geführt hatte und danach drei Mal den Klassenerhalt schaffte, vor der Partie: "Wer pfeift, der pfeift. Wer sich freut, der freut sich." Die meisten Anhänger nahmen seine Rückkehr norddeutsch gelassen auf. Wer allerdings gehofft hatte, Werner würde Geschenke mitbringen, der sah sich früh getäuscht. Werder spielte bei herrlichem Fußball-Wetter zwar gut mit, aber Leipzig nutzte gleich die erste Chance eiskalt aus - den schnellen Konter schloss Nusa in seinem 50. Bundesliga-Spiel schnörkellos von der Strafraumgrenze ab.

Der Treffer hätte den Gästen bei der Startelf-Rückkehrer von Yan Diomande eigentlich in die Karten spielen müssen, aber Leipzig bekam mit den bissigen Bremern durchaus Probleme. Werder hängte sich voll rein, aber offensiv blieben die Aktionen doch zu harmlos. Wie etwa bei Cameron Puertas, der aus guter Position zu weit neben das Tor schoss (34.), oder dem Versuch von Romano Schmid (37.).

Leipzig hingegen präsentierte sich vor dem Tor höchst konsequent. Kurz nach der Pause schien die Werder-Abwehr nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Amos Pieper (49.) noch unsortiert zu sein, im Gewusel kam der Ball irgendwie zu Romulo - und der Brasilianer blieb allein vor Werder-Keeper Mio Backhaus cool. Danach musste Leipzig nur noch in den Verwaltungsmodus schalten. Und so konnte Werner Nationalspieler Assan Ouédraogo nach dessen Knieverletzung noch zum Comeback verhelfen (86.).

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Heidenheim 2:2 (1:1)

Borussia Mönchengladbach hat den dritten Heimsieg in Serie und einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt verpasst. Die Mannschaft von Trainer Eugen Polanski kam nicht über ein 2:2 (1:1) gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht 1. FC Heidenheim hinaus. Am Sonntag könnte das Polster auf den Abstiegs-Relegationsplatz 16 auf drei Punkte schmelzen. Der erst 17 Jahre alte Jungstar Wael Mohya brachte die Gladbacher mit seinem ersten Heimtor in Führung (16.), Franck Honorat (74.) verhinderte immerhin die Niederlage. Kapitän Patrick Mainka (26.) und Marnon Busch (64.) hatten die Begegnung zwischenzeitlich für Heidenheim gedreht, die Gäste warten nun aber seit 15 Ligaspielen in Serie auf einen Sieg.

Polanski gönnte Toptorjäger Haris Tabakovic eine Pause. Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation mit Bosnien und Herzegowina - inklusive langer Partynacht im Anschluss - saß der Stürmer zunächst auf der Bank, dafür begann Shuto Machino in der Spitze. Die Gladbacher übernahmen die Spielkontrolle, ließen Ball und Gegner laufen - und luden die Gäste früh zu einer Großchance ein. Nach einem Fehlpass von Honorat konterte Heidenheim, den Schuss aus zentraler Position von Eren Dinkci blockte Rocco Reitz gerade rechtzeitig (7.). 

Das Heimteam versuchte es vermehrt über den linken Flügel, immer wieder stellten Jens Castrop und Mohya die gegnerische Abwehr vor Probleme. So auch nach etwas mehr als einer Viertelstunde: Castrop legte in die Mitte, Shootingstar Mohya erzielte dank kräftiger Mithilfe von Heidenheims Keeper Diant Ramaj sein zweites Saisontor. Das Schlusslicht versteckte sich keineswegs, suchte immer wieder den Weg nach vorne. Dadurch ergaben sich aber teils riesige Lücken in der Abwehr. Doch weil die Borussia diese nicht konsequent ausnutzte, blieb Heidenheim dran - und Mainka erzielte zehn Minuten nach dem Rückstand per Kopf den Ausgleich.

Die Gastgeber spielten nun mit dem Feuer, weil sie sich trotz spielerischer Überlegenheit mit leichten Fehlern in Gefahr brachten. Torwart Moritz Nicolas verhinderte mit starken Paraden gegen Mathias Honsak (44.) und Mainka (45.+2) einen Rückstand zur Pause. In Durchgang zwei plätscherte die Begegnung zunächst vor sich hin. Gladbach wollte, konnte aber nicht - und so wuchs auch die Unzufriedenheit auf den Rängen. Nach dem zweiten Heidenheimer Treffer durch Busch verschlechterte sich die Stimmung weiter. Gladbach war nun total verunsichert, Polanski reagierte und brachte Tabakovic. Kurz darauf sorgte Honorats abgefälschter Schuss für Jubel.

"Wir haben uns das ganz anders vorgestellt und wollten anders aus der Länderspielpause kommen", sagte Gladbachs südkoreanischer Nationalspieler Jens Castrop, "aber dann haben wir, so ehrlich muss man sein, dumme Fehler gemacht. Haben es vielleicht ein bisschen auf die leichte Schulter genommen." 

Quelle: ntv.de, tno/sid

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