Fußball

"Uns sind die Hände gebunden" Abramowitsch macht Tuchel handlungsunfähig

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Thomas Tuchel kann noch nicht für die neue Saison planen.

(Foto: picture alliance / empics)

Chelsea-Trainer Thomas Tuchel muss dabei zusehen, wie der FC Liverpool und Manchester City den Fußball national und international dominieren. Auch bei den Planungen für die kommende Saison sind ihm aufgrund der Sanktionen gegen Roman Abramowitsch die Hände gebunden. Der Verkauf der Blues zieht sich.

Thomas Tuchel macht sich Sorgen um Chelsea. Der Trainer des Londoner Traditionsvereins bangt um die Wettbewerbsfähigkeit des Klubs, der wegen der Sanktionen gegen den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch an der Planung für die kommende Spielzeit gehindert wird und der den Exodus der Abwehrreihe hilflos mitansehen muss. Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger wird den Klub ablösefrei verlassen, wohl in Richtung Real Madrid. Der Däne Andreas Christensen steht kurz vor einem Wechsel zum FC Barcelona, ebenfalls ohne Transferentschädigung.

Keine gute Situation für Tuchel und Chelsea, die aufgrund der Sanktionen ebenfalls keine Verträge verlängern und keine Spieler verpflichten dürfen. Es könnte besser laufen für die "Blues", die vor der heutigen Partie gegen Manchester United in der Premier League weit hinter die beiden Überteams Manchester City und Liverpool zurückgefallen sind. Auch international könnte sich einer dieser beiden Klubs die Champions-League-Krone aufsetzen. Chelsea bleibt nur die Rolle des Zuschauers. Nur der Titel im FA-Cup kann noch geholt werden. Dort geht es gegen Jürgen Klopps hungrige Titeljäger und somit gegen das momentan wohl formstärkste Fußball-Team der Welt.

Tuchels Versprechen

Zu allem Überfluss aber ist Chelsea quasi mit Inkrafttreten der Sanktionen gegen Abramowitsch und den daraus resultierenden chaotischen Zuständen die aktuelle Saison entglitten. "In einer normalen Saison gäbe es auch Unsicherheiten, aber natürlich hätten wir einige Spieler kontaktiert und herausgefunden, wie ihre Situation ist", klagte Tuchel auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen United: "Aber jetzt sind uns natürlich die Hände gebunden. Wir können intern immer noch Gespräche führen, aber wir können nicht handeln. Die Situation ist nicht ideal."

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Abramowitsch feierte gerne mit Tuchel.

(Foto: imago images/Shutterstock)

Anders als Klubs wie Manchester City, die an Dortmunds Erling Haaland baggern, oder auch Lokalrivale Arsenal, dessen Planungen für die kommende Spielzeit laut dem Technischen Direktor Edu bereits weit vorangeschritten sind, kann Tuchel nur davon träumen, wie die Zukunft aussehen könnte, gestalten kann er sie nicht. Wie der Rest der Klubs, der sich plötzlich in einer vollkommen neuen Situation befindet. "Wir haben keine stabile Situation und damit wäre es schon schwierig", sagte Tuchel: "Jeder macht das zum ersten Mal. Wir versuchen, engagiert und leidenschaftlich zu bleiben. Das ist eine wichtige Botschaft. Sobald wir handeln können, werden wir versuchen zu handeln und die Dinge zu ändern."

Der Übernahmekampf

Wann das aber der Fall sein wird, ist weiterhin unklar. In den vergangenen Tagen hielten die drei verbliebenen Bietergruppen ihre Präsentationen bei Chelsea, wo nun entschieden werden muss, wer die neuen Eigentümer an der Stamford Bridge sein sollen. Bei den Finalisten handelt es sich um ein durchaus glamouröses Bewerber-Trio aus den USA, die gemeinsam mit Vertretern des US-Finanzdienstleisters Raine in die englische Hauptstadt gereist waren. Raine überwacht den Verkauf des Traditionsvereins, der mit knapp drei Milliarden Euro eine Rekordsumme für einen Sportverein einbringen könnte. Inwiefern Abramowitsch in Zukunft davon profitieren wird, ist bislang nicht bekannt. Aktuell will die britische Regierung vor allen Dingen sicherstellen, dass dies durch den Verkauf jetzt nicht der Fall sein wird. Sein Vermögen bleibt weiter eingefroren, seine Rolle im Krieg gegen die Ukraine weiterhin ungeklärt.

Angeführt wird die Liste von einer Gruppe um den Teil-Eigentümer der L.A. Dodgers, Todd Boehly, die sich jedoch gegen ein Konsortium rund um FC-Augsburg-Finanzier David Blitzer durchsetzen muss. Blitzer und sein Partner Josh Harris kontrollieren bereits den NBA-Klub Philadelphia 76ers. Sie konnten in dieser Woche mit zwei Stars aufwarten. Formel-1-Legende Lewis Hamilton und Tennis-Ikone Serena Williams sicherten dem Gebot ihre eher symbolische finanzielle Unterstützung zu. Die letzte Gruppe formiert sich um den Miteigentümer der Boston Celtics, Steve Pagliuca, der mit Lerry Tenenbaum eine weitere einflussreiche Person aus dem nordamerikanischen Sport gewinnen konnte. Tenenbaum gehören mit Maple Leaf Sports & Entertainment gleich drei Profiklubs in Kanada: die Toronto Raptors in der NBA, die Toronto Maple Leafs in der NHL und der Fußballklub Toronto FC.

Eine Liebeserklärung

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Sobald der Favorit feststeht, geht der Prozess weiter. Erst muss die Premier League zustimmen, dann geht es hoch zum britischen Ministerium für Kultur, Medien und Sport, welches den Verkauf final abnicken und sicherstellen muss, dass der Oligarch aktuell nicht persönlich davon profitiert. All das kann sich noch einige Wochen hinziehen. Wochen, in denen Chelsea-Trainer Tuchel seinen Kader weiter im Kopf planen kann, aber in denen ihm und seinem Klub die Hände durch die Sanktionen gegen den Noch-Eigentümer Roman Abramowitsch gebunden sein werden.

"Am Ende werden wir reinhauen und versuchen, alles aus der Mannschaft rauszuquetschen, was wir haben", sagte Tuchel: "Am Ende ist das mein Job, egal wie und wann die Situation aufgelöst wird." Und der Welttrainer hatte auch gleich ein Versprechen im Gepäck: "Ich kenne mich, ich werde mich erneut in die Mannschaft, die ich habe, verlieben und versuchen, sie ans Limit zu bringen." Das Limit aber wird in Zukunft womöglich signifikant nach unten gesetzt.

Quelle: ntv.de

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