Fußball

Chelsea-Deal nach KriegsbeginnAbramowitsch will trotz Sanktionen über eingefrorene Milliarden verfügen

10.03.2026, 11:58 Uhr
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Noch immer steinreich: Roman Abramowitsch. (Foto: UEFA via Getty Images)

Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges verhängt Großbritannien gegen den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch Sanktionen und friert seine Vermögenswerte ein. Davon betroffen ist auch der Erlös aus dem Verkauf des Fußballklubs FC Chelsea. Nun scheint der Streit darum weiter zu eskalieren.

Der russische Oligarch Roman Abramowitsch hat einem Medienbericht zufolge seinen Streit mit der britischen Regierung über die 2,5 Milliarden Pfund Erlös (rund 2,89 Milliarden Euro) aus dem Verkauf des FC Chelsea verschärft. Ungeachtet der internationalen Sanktionen gegen sein Vermögen beharrt er laut einem Bericht des "Guardian" darauf, dass er über das Geld frei verfügen kann. Abramowitsch Anwälte erklärten demnach in einem Brief, das Geld befinde sich nach wie vor "vollständig im Besitz" von Fordstam Ltd., dem Vehikel, über das der Milliardär den Fußballklub finanzierte und Gelder aus umstrittenen Ölgeschäften durch ein Geflecht von Offshore-Firmen schleuste.

Als Reaktion auf Moskaus umfassenden Einmarsch in die Ukraine hatten Großbritannien und die EU im Jahr 2022 Sanktionen gegen Abramowitsch verhängt und seine Vermögenswerte eingefroren. Begründet wurde dies mit seinen Verbindungen zum Regime von Wladimir Putin. Dieser Schritt führte schließlich zu einem überstürzten Verkauf des Premier-League-Klubs an ein Konsortium unter der Führung des US-amerikanischen Geschäftsmanns Todd Boehly. Seitdem sind die durch den Verkauf erzielten 2,5 Milliarden Pfund wegen eines Streits über deren Verwendung auf einem britischen Bankkonto eingefroren. 

Großbritannien will, dass die eingefrorenen Gelder ausschließlich für die Ukraine verwendet werden, im Einklang mit dem breiteren europäischen Druck, Moskau solle die Kosten für die durch seine Invasion verursachten Verwüstungen tragen. Abramowitsch hatte jedoch angedeutet, dass er mehr Flexibilität bei der Verwendung der Gelder wünscht. Als er im März 2022 seine Absicht bekannt gab, den Verein zu verkaufen, sagte er, der Erlös werde "allen Opfern des Krieges in der Ukraine zugutekommen". Der russische Oligarch ließ dadurch die Möglichkeit offen, dass Gelder auch an russische Empfänger umgeleitet werden könnten.

In dem Brief schreiben Abramowitschs Anwälte nun, er sei weiterhin fest entschlossen, das Geld für wohltätige Zwecke zu verwenden, und die Verzögerung sei auf die Beschränkungen der Regierung hinsichtlich der Verwendung der Gelder zurückzuführen.

Bereits im vergangenen Jahr warnte die britische Regierung Abramowitsch, er müsse das Geld freigeben, andernfalls könne er vor Gericht gestellt werden. Als Reaktion auf den Brief der Anwälte Abramowitschs sagte die britische Außenministerin Yvette Cooper: "Dieses Geld wurde der Ukraine vor über drei Jahren versprochen. Es ist an der Zeit, dass Roman Abramowitsch das Richtige tut, aber wenn er es nicht tut, werden wir handeln."

Ermittlungen gegen Abramowitsch 

In Deutschland ist Roman Abramowitsch zuletzt durch Razzien gegen die Deutsche Bank wieder stärker in den öffentlichen Fokus gerückt. Nach Medienberichten standen die Durchsuchungen Ende Januar wegen mutmaßlicher Verfehlungen bei der Geldwäsche-Bekämpfung im Zusammenhang mit dem russischen Milliardär und einstigen FC-Chelsea-Eigentümer.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge soll die Deutsche Bank eine oder mehrere Geldwäscheverdachtsmeldungen zu Firmen des Oligarchen verspätet an die Behörden gegeben haben. Wie der "Spiegel" bereits im Februar vergangenen Jahres berichtet hatte, nahmen deutsche Ermittler auch Abramowitsch selbst ins Visier.

Abramowitsch, der einst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in kurzer Zeit zu einem der reichsten Männer Russlands aufstieg und später auch als Eigentümer des britischen Fußball-Traditionsklubs FC Chelsea reüssierte, hat durch die internationalen Sanktionen einen großen Teil seines Vermögens verloren. Noch immer ist der 59-Jährige aber steinreich. Das US-Magazin "Forbes" beziffert sein aktuelles Vermögen auf 9,2 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden Euro). Vor den Sanktionen hatte "Forbes" sein Vermögen allerdings mit rund 14,5 Milliarden Dollar angegeben.

Quelle: ntv.de, gut/AFP

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