Fußball

Kuschelkurs weicht Bayern-Frust Ancelotti greift beim Rekordmeister durch

a0f9b706a5f1d7882e70a3850d22ca35.jpg

Die Außenwirkung der Maßnahme Ancelottis scheint gut kalkuliert.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Der Fußball-Rekordmeister aus München erlebt die erste Mini-Krise. Nach öffentlicher Schelte von Karl-Heinz Rumenigge greift Carlo Ancelotti vor dem Heimspiel in der Champions League durch: Der italienische Kuschelkurs könnte damit vorerst beendet sein.

Der Kuschelkurs von Carlo Ancelotti gerät ins Schlingern. Nach drei sieglosen Spielen und harscher Kritik von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will der Trainer nun offenbar Geschlossenheit demonstrieren und nebenbei dafür sorgen, dass die Spieler in der Nacht vor der Champions-League-Partie gegen Eindhoven ausreichend Schlaf bekommen.

Erstmals vor einem Heimspiel in der Ära Ancelotti müssen die Spieler am Vorabend ins Teamhotel "Dolce" einziehen, das berichtet sport1.de. Damit reagiert der Trainer des Rekordmeisters auf zuletzt schwache Leistungen. Neben der Niederlage gegen Atletico Madrid in der Champions League hatten die Münchner auch in der Liga bestenfalls durchwachsene Leistungen gezeigt und zweimal in Folge nur unentschieden gespielt.

"Meine Spieler sind professionell"

Erst zu Saisonbeginn hatte der Italiener die feste Regel von Pep Guardiola, bei dem die gemeinsame Nacht im Hotel Pflicht war, aufgeweicht. Ancelotti hatte den freien Abend für die Stars noch im September verteidigt: "Ich glaube, meine Spieler sind professionell. Es ist besser, wenn sie abends bei ihren Familien sind. Ich will auch, dass die Spieler  nicht zu viel Playstation spielen."

Es scheint in der Tat, dass bei den Bayern zur Zeit die Einstellung nicht hundertprozentig passt: Mit den neuen Freiheiten unter Ancelotti kommt scheinbar nicht jeder Spieler klar. Bisher machte der Italiener deutlich weniger Vorgaben als sein detailversessener Vorgänger Pep Guardiola - doch dass er auch anders kann, scheint Ancelotti nun zu demonstrieren.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung versammelte Ancelotti beim gestrigen Geheimtraining seine Spieler und verpasste ihnen eine dreiminütige Ansprache. Damit scheint auch die Kritik von Karl-Heinz Rummenigge erhört worden zu sein. Der Bayern-Vorstand hatte die Mannschaft nach dem 2:2 gegen Frankfurt öffentlich kritisiert und in die Pflicht genommen. "So wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war das nicht Bayern München. So kann man nicht spielen. Wir müssen froh sein, dass wir einen Punkt geholt haben", hatte Rummenigge geschimpft.

Kritik von Lahm

Kontrollverlust, fehlende Einstellung und Angst vor Verantwortung: Das sind auch die wichtigsten Kritikpunkte, die Kapitän Philipp Lahm nach dem Remis in Frankfurt beklagte: "Wir müssen uns die Frage stellen, warum wir das, was uns in den letzten Jahren stark gemacht hat, gerade jetzt nicht mehr hinbekommen. Wenn man denkt, dass es statt mit 100 Prozent mit weniger geht, läuft man Gefahr, nicht die Kontrolle über das Spiel zu haben".

Viel Zeit zum Umdenken bleibt den Bayern allerdings nicht: Schon am Mittwochabend (im n-tv.de Liveticker) geht es vor heimischem Publikum gegen den PSV Eindhoven. Neben dem Einzug in die K.O.-Runde steht eine Rekordmarke der Münchner auf dem Spiel: In der Königsklasse gewannen die Bayern ihre letzten 13 Heimspiele.

Quelle: ntv.de