Fußball

Was passiert mit Müller? Ancelottis Baustellen beim FC Bayern

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Am 18. August startet Carlo Ancelotti mit seinen Bayern in die neue Saison. Zum Auftakt wartet Bayer Leverkusen.

(Foto: dpa)

Trainer Carlo Ancelotti steht in seinem zweiten Jahr beim FC Bayern noch mehr unter Druck als eh schon. Auf den Italiener warten so einige Herausforderungen und Probleme. Ist der Kader stark genug? Jetzt ist er gefragt, mehr Titel als in der letzten Saison sollen her.

Carlo Ancelotti weiß, was in dieser Saison beim FC Bayern von ihm erwartet wird: mehr als "nur" ein Titel, also mehr als in seinem ersten Jahr, als der deutschen Meisterschaft das Aus im Viertelfinale der Champions League und die Halbfinalniederlage gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal gegenüberstanden. Doch diesen Druck kennt der 58 Jahre alte Trainer von seinen Stationen bei Juventus Turin, beim AC Mailand, beim FC Chelsea, vor allem aber bei Real Madrid zur Genüge. Wie der Kader der Münchner beim erneuten Angriff auf Europas Fußball-Thron aussehen wird, ist noch offen. So oder so: Auf den Italiener warten in seinem zweiten Jahr beim Bundesligisten erneut viele Hürden. Einige Personalien bergen durchaus Zündstoff.

Wer ersetzt Lahm und Alonso?

Auf dem Spielfeld sind Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger für Philipp Lahm und Rekord-Transfer Corentin Tolisso, der für 41,5 Millionen Euro aus Lyon kam, vor der Abwehr für Xabi Alonso eingeplant. Wie sich der Abschied des Spaniers auf die Balance im Mittelfeld des FC Bayern auswirkt, bleibt abzuwarten. Was auch sonst? Tolisso pflegt einen anderen Spielstil. Aber auch Allzweckwaffe Javier Martínez kann im defensiven Mittelfeld die Fäden ziehen. Auf Kimmich wartet eine ebenso schwere wie auch undankbare Aufgabe auf der von ihm wenig geliebten Position: Er muss aus dem großen Schatten von Lahm heraustreten.

Wie verändert sich die Hierarchie?

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Mini-Weltmeister: Joshua Kimmich.

(Foto: imago/Ulmer)

Lahm und Alonso standen ganz oben. Jetzt müssen Spieler wie Thomas Müller, Mats Hummels, Manuel Neuer, Jérôme Boateng und Arjen Robben noch mehr Verantwortung übernehmen.

Wer wird neuer Kapitän?

Das würden "Mannschaft und Klub entscheiden - nicht ich", sagte Ancelotti zuletzt. Kandidaten sind DFB-Kapitän Neuer, Müller und Hummels. Auch Boateng könnte eine Alternative sein. Gegen Müller spricht allerdings, dass er in der vergangenen Saison nicht mehr unumstrittener Stammspieler war - und dies auch in dieser Saison so sein könnte.

Was passiert mit Müller?

Der Weltmeister war in der vergangenen Saison in wichtigen Spielen oft nur Ersatz. Er wolle wieder "eine größere Rolle spielen", sagte er. Doch die Konkurrenz ist groß, egal auf welcher Position. Klar ist für Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge deshalb: "Er wird eine stärkere Saison hinlegen müssen." Gerade auch mit Blick auf die WM 2018 in Russland mit dem DFB-Team. Aus dem Kader der U21-Europameister und dem Perspektivteam, das den Confed Cup gewonnen hat, rücken verheißungsvolle Spieler dicht an Müller heran. Da braucht der schlaksige Stürmer Spielzeit bei Bayern, um sich zu empfehlen.

Wer könnte für Unruhe sorgen?

Müller? Ist nicht der Typ dafür. Dafür Franck Ribéry. Der Franzose war in der vergangenen Saison nicht glücklich über einige Auswechslungen oder Pausen. Da sich der 34-Jährige nach wie vor nicht als Auslaufmodell sieht, droht Ärger. Zumal Kingsley Coman mehr Einsatzzeiten bekommen soll. Gleiches gilt für Weltmeister Boateng, der etwa im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund hinter Hummels und Martínez nur noch die Nummer drei in der Innenverteidigung war. Ein Zustand, den Boateng nicht akzeptiert und intern schon zur Sprache gebracht hat. Seit Wochen wird er immer wieder einmal als Abgang gehandelt. Chelsea soll zwar Interesse haben, doch Boateng ist langfristig an der Rekordmeister gebunden und einer der Pfeiler im Team. Auch Torjäger Robert Lewandowski klagte zuletzt öffentlich über mangelnde Unterstützung im Saisonfinale. Dies ist bei einigen Kollegen angeblich gar nicht gut angekommen.

Schafft es Ancelotti, den Konkurrenzkampf zu moderieren?

Dies dürfte die größte Herausforderung für den Italiener sein. Wenn alle fit sind, finden sich einige Stars sogar auf der Tribüne wieder. Viel wird davon abhängen, wie Ancelotti diese Situationen bewältigt. Aber im Grunde kennt er das ja - von seinen Stationen bei Juventus Turin, beim AC Mailand, beim FC Chelsea, vor allem aber bei Real Madrid.

Ist der Kader stark genug?

Ancelotti sieht das im Moment noch gelassen: "Wenn es Möglichkeiten gibt, ist der Verein bereit. Wenn nicht, ist der Kader auch stark." Mit Tolisso, Niklas Süle, Sebastian Rudy und Serge Gnabry haben die Münchner vier Spieler verpflichtet, der große Kracher fehlt, ist laut Präsident Uli Hoeneß aber auch nicht zwingend notwendig. Ein Umbruch "light" mit vielen deutschen Nationalspielern oder jungen Kickern soll eingeleitet werden. Trotzdem: Sollte sich die Chance auf eine "Granate" wie Alexis Sánchez vom FC Arsenal doch noch ergeben, werden die Bayern zuschlagen. Offen ist auch noch, was mit Renato Sanches passiert. Der 19 Jahre alte Portugiese enttäuschte bislang, Hoeneß plädierte kürzlich aber dafür, ihm noch ein Jahr eine Chance zu geben. Douglas Costa will eigentlich weg. Es findet sich bisher aber kein Abnehmer, der rund 40 Millionen bezahlen will. Inter Mailand scheint aber noch in Frage zu kommen.

Quelle: ntv.de, Thomas Niklaus, sid