Fußball

Borussia vor Coup mit Alonso Auf dem (Um)weg zum FC Bayern

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Karl-Heinz Rummenigge feierte 2017 mit Xabi Alonso die 27. Meisterschaft der Bayern.

(Foto: imago/Sven Simon)

Diskutiert wurde über Ralf Rangnick und Florian Kohfeldt. Am Ende wird es wohl ein neuer Trainer bei Borussia Mönchengladbach, an den niemand gedacht hat. Der aber einen extrem klangvollen Namen hat - und womöglich bereits Größeres im Sinn.

Wenn es darum geht, wer in den nächsten Jahren den FC Bayern trainieren könnte, dann geht keine Diskussion an RB Leipzigs Julian Nagelsmann vorbei. Nicht mal im Verein selbst. Der 33-Jährige galt nämlich schon nach dem unumstößlichen Rückzug des "Heiligen Jupp" (Heynckes) im Sommer 2018 als Kandidat für die Nachfolge, wurde dann aber vorübergehend wieder von der Liste gestrichen. Man war sich in München nicht ganz sicher, ob der junge Coach der TSG Hoffenheim schon reif für den spektakulären Kader des Rekordmeisters sei. Nun sind diese Zweifel über den Umweg Leipzig offenbar hart widerlegt, zuletzt soll Sportvorstand Hasan Salihamidzic ja mal die Verfügbarkeit von Nagelsmann abgefragt haben - zum Ärger von Trainer Hansi Flick.

An der Säbener Straße ereigneten sich hernach öffentlich präsente Szenen einer gestörten Ehe. Es waren Szenen, die wilde Abgangs-Szenarien des Titelsammlers Flick aufzeigten. Und mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) soll ein neuer Flirt bereits die rote Rose in der Hand gehalten haben. Nun haben sie in München alles dafür getan, wieder Ruhe in die Beziehung zu bekommen. Dem DFB wurde die Rose höflich aus der Hand genommen und Flick, der die kleinen Feuer wieder und wieder gelegt hatte, entschuldigte sich öffentlich bei Salihamidzic.

Zumindest vorerst scheint das Thema Trennung aus der Welt geschafft. Rein aus sportlicher Sicht ist das für den FC Bayern auch eine prima Nachricht. Denn, abgesehen von der Pokal-Blamage gegen Holstein Kiel, es läuft in München sportlich weiter ganz hervorragend. Und am 3. April kann die Meisterschaft vorentschieden werden, wenn es gegen RB, wenn es gegen Nagelsmann geht.

"Mannschaft spielt wie Xabi gespielt hat"

Spiele zwischen dem Rekordchampion und Mannschaften von Nagelsmann haben bereits seit Jahren den Charakter eines Vorstellungsgesprächs. Jeder personelle und taktische Kniff wird da besonders beäugt. In der kommenden Saison bekommt der 33-Jährige offenbar einen sehr mächtigen Konkurrenten als Bewerber für eine mögliche Anstellung beim FC Bayern. Denn Borussia Mönchengladbach steht laut "Bild"-Zeitung unmittelbar vor einem Coup mit dem ehemaligen Weltstar Xabi Alonso. In spanischen Medien wird die Personalie dagegen noch sehr vorsichtig behandelt. Xabi Alonso soll demnach Marco Rose ersetzen, der im Sommer zu anderen Borussia, der aus Dortmund, weiterzieht. Der Spanier ist Weltmeister und Europameister (sogar zweimal), er hat die Champions League gewonnen (ebenfalls zweimal) und reichlich nationale Titel in Spanien, England und Deutschland gefeiert. Mit, und jetzt Obacht, natürlich dem FC Bayern.

Dort faszinierte er den Klub nicht nur mit dem damals dominantesten Spiel der Geschichte der Fußball-Bundesliga - gegen den 1. FC Köln berührte er im September 2014 den Ball phänomenale 206 (!) Mal (Julian Weigl vom BVB löste ihn 2016 mit 216 Kontakten als Rekordhalter ab) - sondern auch mit seinen strategischen Fähigkeiten, mit seiner Gelassenheit, seiner Ruhe, seiner Übersicht. Wie ein Dirigent orchestrierte Alonso seine Mitspieler. Bei Real Madrid, seiner Station vor dem FC Bayern, nannten sie ihn "Professor", weil er das Spiel wie ein Gelehrter leitete. Er galt als Schöpfer des schönen Spiels.

Und diese Art des Fußballs, die er so geprägt hat, die gibt er nun als Trainer der Reserve von Real Sociedad an junge Spieler weiter. Real Sociedad, das ist sein Jugendklub, der Verein, für den er auch die ersten Spiele als Profi absolvierte, ehe er 2004 zum FC Liverpool wechselte und dort zum Genie reifte. "Die Mannschaft von Real Sociedad spielt einen sehr ballbesitzlastigen Fußball", erklärt ntv.de-Taktikexperte Constantin Eckner. "Die wollen die volle Kontrolle des Balls und auch der gegnerischen Offensive. Man könnte sagen, die Mannschaft spielt wie Xabi gespielt hat." Die Zeitung "Daily Mail" beschreibt die Spielweise derweil mit "einem gewissen Flair". Es geht dabei um viele Kurzpässe und um gepflegte Kombinationen. Ein erfolgreicher Ansatz. Mit seinem Team ist er Tabellenführer in der Gruppe 2 der dritten spanischen Liga.

Der "Heilige Jupp" hat's vorgemacht

Joshua Kimmich, der mittlerweile der Chef im zentralen Mittelfeld der Münchner ist und für eine ganz andere Art des Fußballs, galliger im Zweikampf und emotionaler in der Führung, steht, schwärmte einst gegenüber "France Football" von Xabi Alonso: "Die Pässe mit dieser chirurgischen Präzision haben mich beeindruckt. Seine Lektüre des Spiels war erstaunlich. Er ist wahrscheinlich der stärkste Spieler, mit dem ich je gespielt habe. Er wusste immer, was passieren würde, bevor er überhaupt den Ball bekam. Er war das Gehirn des Teams." Gerade in der bayrischen Ära unter Starcoach Josep Guardiola. Der bekannte derweil bereits im Jahr 2017: Xabi Alonso, sein spielender Genius auf dem Feld, werde "auf jeden Fall" Karriere als Trainer machen. Schon als Spieler dachte er analytisch wie ein Coach und beobachtete genau, was sich in Sachen Spielgestaltung und Taktik tat. Gelernt hat der "Professor" so auch unter anderen Ikonen wie José Mourinho, Vicente del Bosque und Carlo Ancelotti. Mit seinem Dominanz-Ansatz trifft er voll ins bayrische mia san mia.

In München haben sie den roten Teppich für den 39-Jährigen derweil längst zum (späteren) Ausrollen bereitgelegt. "Er hat diese Empathie, die du brauchst. Speziell bei der heutigen Spielergeneration, um mit ihnen so einen roten Faden zu spinnen", schwärmte Karl-Heinz Rummenigge im Herbst des vergangenen Jahres im "Bild"-Podcast "Phrasenmäher" und bekannte dann auch in aller deutlichen Zurückhaltung: "Ich glaube, dass er mal ein Trainer sein wird, der für den FC Bayern irgendwann in der Zukunft möglicherweise von Interesse sein kann." Durchaus spannend: Laut Rummenigge wollte Nagelsmann den Spanier einst als Assistent verpflichten. "Ich hatte Kenntnis davon, dass Xabi eine Anfrage von Leipzig hatte."

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Bereits zu seinem Abschied im Sommer 2017 hatte Rummenigge nur schwärmendste Worte gefunden. Es geht "einer unserer besten Transfers der vergangenen Jahre, ein wahrer Glücksgriff, ein begnadeter Stratege, ein hochintelligenter Mann und einer der unkompliziertesten Spieler, die ich je erlebt habe Es war die helle Freude, diesen Gentleman bei uns in München zu haben." Zwei Jahre später präzisierte er: "Wir haben Interesse, mit solchen Leuten bei Bayern München in Verbindung zu bleiben, wenn sie einen Karriereweg einschlagen, der den Fußball betrifft."

Nun duellieren sich Alonso und Nagelsmann womöglich ab der kommenden Saison um eine (fern)künftige Anstellung in der Post-Flick-Zeit (laut Vertrag endet sie, Stand jetzt, im Sommer 2023) beim FC Bayern. Aber wohl nur ein (Um)weg führt nach München. Und sollte es tatsächlich der über Mönchengladbach sein, er wäre zuvor bereits einmal prominent gegangen worden: vom "Heiligen Jupp" 1987.

Quelle: ntv.de

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