Fußball

Viele Fragen noch offen, aber... Auslosung macht Flicks Ziel für WM deutlich

Das Quartier steht noch nicht fest, auch der dritte Vorrundengegner ist noch offen. Trotzdem ist Bundestrainer Hansi Flick schon sicher, was bei der Weltmeisterschaft im November auf die deutschen Fußballer ist. Es geht um mehr als nur Wiedergutmachung.

Mit dem Kracherlos Spanien im Gepäck kletterte Hansi Flick bestens gelaunt in den Flieger. Noch am Abend der Auslosung hob der Bundestrainer aus der drückenden Hitze Dohas wieder ab in Richtung der kalten, teils verschneiten Heimat - und startete dennoch hoch über den Wolken in die heiße Phase auf der Jagd nach dem fünften Stern. Womöglich schmiedete er dort auch weiter seinen Masterplan für die Wüsten-WM.

"Es ist an uns, uns auf dieses super Turnier top vorzubereiten", betonte Flick. DFB-Direktor Oliver Bierhoff kündigte mit Blick auf die Planungen an: "Ab Montag erhöhen wir das Tempo." Schließlich wird von nun an gegrübelt, analysiert und diskutiert - über die Gegner in Gruppe E, die Auswahl des Quartiers in Katar und den Umgang mit dem Dauerthema Menschenrechte.

"Wir sind froh zu wissen, wie es anfängt und wie es weitergehen kann", sagte Flick - denn zumindest der grobe Fahrplan steht. Offen bleibt jedoch bis Mitte Juni, ob Costa Rica oder Neuseeland der dritte Gruppengegner neben Spanien und Japan wird. Doch unabhängig davon erwartet der Bundestrainer "eine Gruppe, in der man von Anfang an da sein muss". Das Ziel ist der Titel, wenn auch Flick das in der ihm eigenen öffentlichen Bescheidenheit formuliert: "Wir wollen so weit wie möglich kommen."

In der eng getakteten Vorbereitung bekommen Flick und Co. immerhin etwas mehr Eingewöhnungszeit vor dem Auftakt gegen Japan am 23. November. Neun gemeinsame Tage stehen zur Verfügung, um sich einzustimmen - auf die WM-Mission und ganz besonders auf das Kracherduell am 1. Advent mit den Spaniern, die der DFB-Auswahl zuletzt eine heftige 0:6-Klatsche verpasst hatten.

Alleine im Hotel "wäre eine gute Sache"

Nur ein Testspiel ist im Vorfeld bereits in Katar wohl möglich, umso mehr dürften die Härtetests in der Nations League gegen Italien und England an Bedeutung gewinnen. Es zählten nur Siege in dieser WM-Gruppe, betonte Kapitän Manuel Neuer: "Deshalb ist der Sommer für uns wichtig, gegen große Mannschaften in Europa zu spielen."

Wo sich das Team in Katar einschwören wird, ist noch nicht sicher. Doch die Entscheidung steht kurz bevor, und vieles spricht dafür, dass sich das luxuriöse Zulal Wellness Resort im Norden Katars gegen ein Stadthotel mitten in Doha durchsetzt. "Es ist ruhig, da kannst du das Fenster aufmachen, bist alleine in diesem Hotel. Das wäre eine gute Sache", sagte Flick.

Und Bierhoff träumt längst davon, dass dort erneut der Geist des Campo Bahias beschworen werden könnte, der die Nationalmannschaft 2014 in Brasilien zum Titel getragen hatte. Jedes Turnier habe zwar seine eigenen Geschichten, sagte der 53-Jährige, doch "die Kriterien werden auch da draußen erfüllt".

DFB sucht Umgang mit Menschenrechtslage

Einziges Manko: Die Reisewege sind vergleichsweise lang, die abgelegene Region liegt etwa 100 Kilometer nördlich der katarischen Hauptstadt. Doch auch das soll die deutsche Mannschaft auf dem Weg zur Wiedergutmachung für die Schmach vor vier Jahren beim Vorrunden-Aus in Russland nicht stören.

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Präsent ist und bleibt natürlich auch die schwierige Menschenrechtslage in Katar. Von Amnesty International und Human Rights Watch gab es zuletzt Vorträge für das Nationalteam. Ein "erster Schritt", wie Bierhoff betonte. Im Juni wolle man "ein bisschen mehr Kommunikation haben, mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen sprechen, um ein Bild zu bekommen, wie dieses Land funktioniert".

In den Blickpunkt rückt dabei auch der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der am Samstag noch mit Bierhoff in Doha weilte. Schließlich muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Wie genau das aussehen kann, hatte ihm Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness beim FIFA-Kongress mit ihrer bemerkenswerten Rede und der deutlichen Kritik an Katar jedenfalls schon gezeigt.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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