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Die Lehren des 18. Spieltags Bayern ist frustriert, Aubameyang provoziert

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Dominanz ist irgendwie auch nichts, was die Bayern-Bosse glücklich macht.

(Foto: imago/Sven Simon)

Schon wieder hadert der FC Bayern: Im Oktober noch mit sich, nun mit der Liga-Konkurrenz. Doch der Frust hält den Klub nicht vom "Gerne weiter so" ab. Der HSV will jetzt alles besser machen. So wie der Effzeh.

1. Der FC Bayern sehnt sich nach Emotionen

So is' irgendwie auch scheiße. "Wenn ein Klub zu weit von den Tabellenplätzen zwei, drei, vier entfernt ist, leidet die Emotion." Und auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Der hat das nämlich gesagt. 13 Punkte Vorsprung haben die Münchener nun, dominieren die Fußball-Bundesliga wie einst 2012/13, als sie mit 25 Punkten Vorsprung vor dem BVB Deutscher Meister wurden, das Triple gewannen - mit Dominanz-Trainer Jupp Heynckes. Den hatten sie daraufhin in die Rente geschickt und schließlich vier Jahre und drei Monate später, am 9. Oktober 2017, zurückgeholt, als das Erfolgsmonopol intern tüchtig beschädigt worden war. Nun ist alles wieder prächtig, aber halt langweilig. Daran konnten zum Rückenrundenauftakt auch die vor der Winterpause heißgelaufenen Leverkusener (1:3) nichts ändern, sie konnten die Münchner nur ab und an mal ein bisschen anschwitzen.

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Nun ist es aber nicht so, dass der Leidensdruck bei Rummenigge und Co so stark ist, dass sie erneut daran arbeiten, ihre Dominanz abzurüsten. Ganz im Gegenteil: Lieber Langeweile als Stress-Watsch'n. Und so wollen sie ihren Coach nicht zum zweiten Mal in den Ruhestand schicken, den er nun allerdings anders als damals herbeisehnt. "Bei uns gibt es die große Charmeoffensive von Uli Hoeneß - und wenn ich ehrlich bin, unterstütze ich die total", sagte Vorstandschef Rummenigge in der Sendung "Wontorra - der Fußball-Talk" bei Sky. "Wir wären schlecht beraten, wenn wir diesen Mann ohne Weiteres kampflos aufgeben würden und das werden wir auch nicht tun. Man muss den Jupp halt, ohne ihn zu drängen, mit der notwendigen Eleganz begleiten." Damit ...

2. Der FC Bayern sehnt sich nach englischen Verhältnissen

... allerdings würde sich der Klub sportlich selbst widersprechen. Denn eigentlich hat Rummenigge doch Mitleid mit den Fans im Land, die nun wirklich keine Lust mehr auf die bayrischen Akkord-Sololäufe Richtung Meisterschaft haben - in dieser Saison ist es dann die sechste in Serie (ein Rekord natürlich). "Grundsätzlich würden sich alle freuen, wenn wir ein bisschen mehr englische Verhältnisse hätten. Das ist ein Prozess, der mir in ganz Europa ein bisschen Sorge macht", verriet er und erklärte aus komfortabler Gönnerposition: "Mir wäre auch lieber, dass die  Klubs wie Borussia Dortmund sich ein Stück näher an uns reiben würden, aber man muss auch sagen, das ist nicht ganz einfach."

3. RB Leipzig verweigert sich

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Warum das nicht so einfach ist, das erklären weder der Kalle noch Oliver Mintzlaff. Ist aber auch egal. Man gibt sich einfach geschlagen. "Wir sehen uns nicht als Bayern-Jäger", sagt der Vorstandschef von RB Leipzig bei Sky. "Es wäre ja nicht nur vermessen, sondern auch überheblich und völlig unrealistisch, wenn wir uns im zweiten Bundesliga-Jahr unserer Vereinsgeschichte als Bayern-Jäger sehen. Das sind wir nicht, das wollen wir auch gar nicht sein." Trotz 3:1-Sieg gegen Bayern-Jäger Schalke, trotz sicherem Verbleib (bis Sommer) von Spielmacher und Abräumer Naby Keita (das hat Sportdirektor Ralf Rangnick festgesetzt). In Leipzig beschäftigen sie sich viel lieber damit, dass sie nach vier Ligaspielen ohne Sieg plötzlich wieder gut Fußballspielen, dass sie die Unberechenbarkeit in der Winterpause wieder in ihre Klub-DNA geschrieben haben. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass RB nicht (sic!?) tiefer steht und uns nicht so hoch anläuft. Das ist untypisch für Leipzig", sagte Schalkes Trainer und Taktikgenie Domenico Tedesco. Sein Pendant Ralph Hasenhüttl nahm die erfolgreiche Überforderung des Gegners gelassen hin. "Der erste Sieg nach so einer Durststrecke ist immer der Schwerste, er fühlt sich aber auch nicht so schlecht an."

4. Fährmann-Fluch schlägt Hocken-Trick – und lähmt die Liga

Schlecht ist die Elfmeterbilanz von Ralf Fährmann wahrlich nicht. Gegen RB Leipzig entschärfte Schalkes Stammkeeper bereits seinen sechsten Strafstoß im S04-Trikot, nur Norbert Nigbur war mit zwölf Elfmeterparaden minimal erfolgreicher. Gegen Leipzigs Jean-Kevin Augustin bediente sich Fußball-Psychologe Fährmann ("Ich beschäftige mich gerne mit Psychologie und habe kürzlich eine neue Studie über Elfmeter gelesen") diesmal eines Novums: des Hocken-Tricks, wie es der "Kicker" nannte. Erst machte er sich ganz klein auf der Torlinie, dann schnellte er wie ein königsblauer Knallfrosch nach vorn, machte sich riesig - und entschärfte Augustins schwachen Elfer. Dumm ist nur, dass den Elfer-Paraden von "Teufelsralle" ein Fluch innewohnt. Am Ende stand in Leipzig ein 1:3 und damit die erste Schalker Pleite nach 13 Pflichtspielen. Von den sechs Ligaspielen, in denen Fährmann einen Elfer gegen Schalke entschärfen konnte, verlor S04 damit fünf. Auch der Hocken-Trick konnte den Fährmann-Fluch nicht brechen.

Hansi Flick

Hansi Flick sieht die Liga kritisch.

(Foto: Deniz Calagan/dpa)

Das ist ärgerlich für Schalke, aber noch ärgerlicher für die Liga. Durch die S04-Pleite rückte Leipzig auf Rang zwei, der Bayern-Vorsprung auf den Rest wuchs auf dreizehn Punkte. Die Langeweile in der Liga wird immer gähnender (siehe oben), hinter den Münchnern bleibt die Liga gelähmt. Rang zwei und Rang zehn trennen nur fünf Punkte. Was nach Spannung klingt, ist tatsächlich ein Beweis für destruktive Stagnation. Fußball spielt nur der FC Bayern, der Rest zelebriert Alibikicks mit Dreierketten, "die in Wahrheit Fünferketten sind", wie Hoffenheims Hansi Flick zurecht beklagt. Statt an der Spitze wird die Bundesliga im Mittelmaß immer breiter (siehe oben)  - trotz Psychologie und Hocken-Tricks.

5. Aubameyang widerlegt den BVB-Chef

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Bombenanschlag, zwei Trainerentlassungen, Sperrung der Südtribüne, skurrile Hinrunde - ein absolutes Chaosjahr 2017 hat BVB hinter sich. Der große Wunsch für 2018: Ruhe, einfach nur Ruhe. Auch deshalb hatte Hans-Joachim Watzke der Welt in der "Welt" gleich mal etwas klarzustellen: "Wir dürfen bei allen Ecken und Kanten - von mir aus auch Extravaganzen - eines nicht vergessen: dass Pierre-Emerick Aubameyang ein totaler Profi ist. Mir gefällt nicht, wie er derzeit vom deutschen Boulevard dargestellt wird." Der BVB-Boss hat viele Menschen mit seinen Worten erreicht, Aubameyang zählt nicht dazu. Der nämlich flog vor der Nullnummer gegen den VfL Wolfsburg kurzfristig aus dem Kader, weil er einer "wichtigen, angekündigten Sitzung" am Samstag ferngeblieben war. "Wir waren der Einschätzung, dass es ihm nicht so wichtig war, dass er nicht so fokussiert war. Für uns war es eine klare Geschichte", erklärte BVB-Coach Peter Stöger. "Er hat kurz angedeutet, dass er es vergessen hat. Aber wir wissen alle, dass das nicht der Fall ist." Deshalb habe der Klub die Konsequenzen gezogen. Kurios: Aubameyang "war dennoch überrascht".

Nun werden sie in Dortmund (außer Watzke) wohl nicht überrascht sein über die erneute Nachlässigkeit ihres Torjägers. Schon eher über die deutlich erhöhte Schlagzahl der kleinen Störfeuer, die seine Torquote zu übertreffen droht: Mitte November war Aubameyang suspendiert worden, weil er einen unerlaubten Videodreh auf dem Trainingsplatz ansetzte. Im Trainingslager im spanischen Marbella hatte er Teile seiner Familie ins Teamhotel geholt und nun halt der Sitzungsboykott seine Gedächtnisschwierigkeiten. Was das nun bedeutet? Vermutlich das: "Auba" hat keinen Bock mehr. Und damit gehen Spieler in Dortmund ja erfahrungsgemäß sehr professionell um.  BVB-Sportdirektor Michael Zorc sprach deshalb Klartext. Bislang sei Aubameyang stets professionell gewesen, "aber was jetzt abgeht, ist nicht zu tolerieren. Ich erkenne ihn nicht wieder". Ruhe 2018? Träum' weiter, BVB.

6. Der HSV will besser werden - wie der Effzeh

Beim Hamburger SV ist es nach dem 0:1 in Augsburg nun so (Es spricht Abwehrspieler Mergim Mavraj): "Es geht jetzt darum, nicht alles Schwarz zu malen." Beim Hamburger SV ist es aber auch so (Es spricht Vorstandschef Heribert Bruchhagen): "Wir müssen alle besser werden, jeder auf seiner Position, vom Vorstandsvorsitzenden bis zum Zeugwart."

Das klingt weitaus schwieriger, als es eigentlich ist. Denn wer Nichtleistungen in Serie produziert (wie der HSV), der verbessert sich bereits mit Wenigleistungen sehr schnell. Zu was das führt? Vermutlich nicht zum Klassenziel, dem Ligaverbleib. Das Problem der Hamburger: Ein Fußballspiel findet in zwei Hälften statt. Während sie es in einer (der eigenen) ganz solide spielen (mit 26 Gegentoren haben sie genauso viele wie der Tabellenzweite RB Leipzig), verweigern sie sich der anderen mittlerweile nahezu komplett. "Es gibt unzählig viele Situationen, wo wir im Umschaltspiel die falsche Entscheidung treffen. Wir wählen nicht die mutige Variante. Das ist unser identifiziertes Problem", sagt Trainer Markus Gisdol. Und die Lösung? Keine, außer dem erst 18-jährigen Jan-Fiete Arp.

Da ist der Effzeh aus Köln bereits ein bisschen weiter. Denn nach noch katastrophalerer Hinrunde als der HSV haben sie bereits vor dem Liga-Nickerchen mit dem Bessermachen begonnen. Haben den Trainer gefeuert (der jetzt den BVB wiederbelebt) und Simon Terodde verpflichtet. Einen Stürmer. Einen Mann für (oder besser gegen) die Kölner Torallergie. Die hat er bereits in seinem ersten Spiel kuriert per Last-Minute-Therapie. Wie nachhaltig erfolgreich die wirklich ist, wird sich am nächsten Spieltag zeigen - am kommenden Samstag ab 18.30 Uhr beim Bessermacher-Gipfel beim Hamburger SV.

Quelle: n-tv.de

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