Fußball

Das Risiko ohne Alaba & Boateng Bayerns neue Leibwächter für Manuel Neuer

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Sie verstanden sich, auch wenn's nicht so aussieht.

(Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur)

Natürlich hat es beim FC Bayern immer mal Spiele gegeben, in denen weder David Alaba noch Jérôme Boateng auf dem Feld standen. Aber es gab stets die Gewissheit: Beide sind da und das ist auch gut so. Nun endet diese Ära. Ein Risiko für den Klub.

Hansi Flick gefällt das nicht. Um das zu wissen, braucht es weder ein knackiges Zitat von ihm, noch einen "Downvote"-Button in einem sozialen Medium, durch das sich Flick offiziell ohnehin nicht hindurchswipt (Anmerk. d. Autors.: swipen heißt wischen, nicht im Flur, sondern auf dem Smartphone). Um zu wissen, wie sehr es Flick nicht gefällt, dass er in der nächsten Saison ohne David Alaba (ganz sicher) und Jérôme Boateng (fast sicher) planen muss, zeigt ein Blick in die Aufstellungen des FC Bayern: Wenn möglich, dann spielen die beiden. Und zwar immer. In der Innenverteidigung, als hochprofessionelle Chefgardisten vor Manuel Neuer.

Zur kommenden Saison wird diese Leibwache, so zuverlässig sie auch ist, in München nach zehn gemeinsamen Jahren und 24 Titeln umgebaut. Alaba macht sich vom Münchner Burghof, weil der Verein sein neues Top-Top-Salär als Chef-Wache nicht bezahlen wollte. Boateng muss derweil gehen, weil die Bosse lieber einen weiteren, jüngeren Mann im Zentrum haben wollten. Der wurde mit Dayot Upamecano bereits angeheuert und kommt im Sommer aus dem Freistaat Sachsen. Dort hatte sich der Franzose in den vergangenen Jahren bei RB Leipzig einen prächtigen Ruf verdient und damit Europas große, fußballerische Königshäuser fasziniert.

Nun geht er im Alter von 22 Jahren an den Hof nach München. Wie einst Boateng. Eine schöne Déjà-vu-Geschichte könnte da in den kommenden Jahren geschrieben werden. Ein Hüne mit einer Heldenerzählung. Beim FC Bayern dürfte ihm, anders als damals Boateng, unmittelbar die Rolle des Chefs zufallen, die er indes bereits in Leipzig innehat. Während der Weltmeister in seinen Anfangsjahren an der Säbener Straße an der Seite von Holger Badstuber - mittlerweile eine reichlich kuriose Vorstellung angesichts der so unterschiedlich verlaufenen Karrierewege -, Daniel van Buyten und Dante wachsen konnte, wird der Leipziger künftig Nationalspieler Niklas Süle und Weltmeister Lucas Hernández wachsen lassen müssen.

Der nächste potenzielle Abwehrchef

Das klingt schon irgendwie eigenartig. Und durchaus auch riskant. Denn Upamecano ist dann schon der dritte Versuch der Münchner in den vergangenen vier Jahren, einen neuen, externen Abwehrchef zu inthronisieren. Eigentlich sollte diese Rolle ja längst Süle eingenommen haben, sowohl beim FC Bayern als auch in der deutschen Nationalmannschaft. Aber auch wegen zahlreicher Verletzungen und anhaltenden Gerüchten über eine nicht immer höchst professionelle Einstellung hat der Aufstieg zum Leader im Zentrum bislang nicht geklappt.

Bei Hernández ist die Sache ähnlich. Und doch anders. Auch er ist oft verletzt oder nicht voll einsatzfähig gewesen, hat nur selten wirklich Rhythmus gehabt. Wenn er spielt, dann meist überzeugend. Vor allem zuletzt. Sein Problem: Alaba und Boateng sind bei Flick absolut unangreifbar. Und auf der linken Seite, also auf der Position, auf der er mit Frankreich in Russland den WM-Titel gewann, hat er mit Alphonso Davies einen spektakulären Konkurrenten. Nun wird das Thema Hernández und Stammkraft im Sommer neu verhandelt.

Es werden interne Verhandlungen sein, die Flick führen muss. Verhandlungen mit vielen Fragezeichen: Wer taugt wirklich zum Chef? Kommt Süle wieder in die stabile Form, die ihn einst zum Hoffnungsträger des deutschen (Abwehr)-Fußballs machte und findet Hernández endlich mal einen stabilen Rhythmus. Und welche Rolle kann das bislang fast durchgehend nicht einsatzfähige französische Top-Talent Tanguy Nianzou künftig einnehmen? Es sind indes Verhandlungen, entgegen dem ureigenen Willen von Flick. Denn eigentlich hätte er sich eine Zukunft mit Alaba (langfristig) und Boateng (kurzfristig) sehr gut vorstellen können. So hatte er in den vergangenen Monaten reichlich Lobbyarbeit für den Verbleib betrieben. Denn die beiden Chefgardisten vor Neuer, sie sind ihm eine echte Herzensangelegenheit.

Flick hat Boateng sportlich wieder wertvoll gemacht, nachdem der ja beim FC Bayern bereits die mächtigen Männer, allen voran Uli Hoeneß, gegen sich aufgebracht hatte. Und Alaba, der ist dank des Trainers vom überragenden Linksverteidiger zu einem der besten Abwehrchefs des Kontinents gereift. Gemeinsam gewannen sie im August 2020 gegen Paris Saint-Germain das erst zweite Triple der Vereinsgeschichte.

Was nun aus Alaba und Boateng wird, ist unklar. Klar ist nur, sie suchen einen neuen Hof, an dem sie Dienst tun können. Und womöglich finden sie in London gar einen gemeinsamen. Beim FC Chelsea soll sich Thomas Tuchel die Münchner als neue Chefgardisten wünschen.

Quelle: ntv.de

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