Fußball

Hinterzimmer-Entscheidungen Bobic kritisiert Klub-WM und FC Bayern

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"Man muss zu einer Sache stehen": Fredi Bobic kritisiert den FC Bayern.

(Foto: imago images / DeFodi)

Das Wochenende gehöre der Bundesliga: Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic kritisiert die Gedankenspiele über die Einführung einer wesentlich größeren Klub-WM im Fußball - und vermutet hinter der Wende des FC Bayern München in der Debatte politisches Kalkül.

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic ist kein Fan der Klub-WM, das ist jetzt klar. Die Werte des Sports blieben auf der Strecke und man müsse sich Sorgen machen. "Man gewinnt den Eindruck, dass sich die internationale Fußballelite absetzen will. Das gefällt mir nicht, was ich da lese und höre. Das ist undurchsichtig, da geht es zu viel um Politik und Geschäft", sagt Bobic Zeit online. Im Sommer 2021 wird das neue Fifa-Turnier mit dann 24 Mannschaften als "Pilotprojekt" angepfiffen - trotz Kritik vieler Vereine und der Uefa.

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Gewinner der "kleinen" Klub-WM 2018: Real Madrid.

(Foto: imago/Xinhua)

Am Wochenende solle die Bundesliga laufen und nichts anderes, sagt der Ex-Nationalspieler und kritisiert damit auch Pläne für die Champions League am Samstag und Sonntag. Die Fans würden überlastet, "Weltliga, eine Weltmeisterschaft mit 48 Ländern, Nations League - das braucht alles niemand". Die international erfolgreichen Vereine hätten lautere Stimmen als die Eintracht: "Wir von den Klubs aus der zweiten Reihe werden wenig gefragt, wenn die Verbände in Hinterzimmern entscheiden."

Kalkül des FC Bayern

Geärgert hat Bobic sich auch über die Reaktion des FC Bayern auf die Pläne des Weltverbandes zur Reform der Klub-WM. Erst hatte der Rekordmeister dagegen aufbegehrt, unterzeichnete sogar ein Protestschreiben der Europäischen Club-Vereinigung ECA, das besagte, man werde nicht an dem Fifa-Projekt teilnehmen. Kurz darauf begrüßte Präsident Uli Hoeneß den Beschluss: "Man muss zu einer Sache stehen. Sie erst kritisieren und am Ende doch mitmachen, wäre nicht meine Sache", sagt Bobic. Der Eintracht-Sportvorstand unterstellt den Münchnern Kalkül: "Offenbar fanden die Bayern die Idee von Anfang an gut und haben nur so getan, als wären sie dagegen. Vermutlich weil das besser ankam."

Generell sei es im Fußball wie in der Gesellschaft. "Die Reichen werden immer reicher", sagt Bobic, und die Eliten würden sich mehr und mehr vom Rest absetzen. Er erkennt im Fußball sogar ein "Kastensystem". Obwohl die Frankfurter vergangene Saison den DFB-Pokal gewonnen haben und ins Halbfinale der Europa League eingezogen sind, hätten sie deshalb keine Chance auf die Meisterschaft in den kommenden zwanzig Jahren: "Der FC Bayern profitiert von einem so großen wirtschaftlichen Vorsprung, dass ihm Fehler verziehen werden. Und dem Management des FC Bayern sind ja zuletzt einige Fehler unterlaufen."

Der deutsche Fußball hat die "Zeit verschlafen"

International steht die Eintracht als erster deutscher Verein seit neun Jahren im Europa-League-Halbfinale. Bobic glaubt, der deutsche Fußball habe "die Zeit verschlafen". Man habe in den vergangenen Jahren den Anschluss an die anderen Nationen verpasst und "in der Ausbildung zu sehr auf einen Spielertypen gesetzt: den technisch guten Passspieler", sagt der Ex-Nationalspieler. "Und jetzt haben wir keine Mittelstürmer mehr."

Zum Glück für Bobic hat die Eintracht einen exzellenten Sturm, auch wenn es darunter keinen deutschen Spieler gibt. Luka Jovic, Ante Rebic,  Sebastien Haller und Kollegen wollen auch an diesem Donnerstag im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Chelsea wieder jubeln (ab 21 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de).

Quelle: n-tv.de, dbe/dpa