Fußball

Eintracht ist pikiert Bobics glänzende Ära endet mit Ärger

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Fredi Bobic sieht seinem Ende in Frankfurt entgegen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der bevorstehende Abgang von Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt sorgt am Main weiter für großen Ärger. Im Mittelpunkt stehen angebliche Aussagen vom Sportvorstand, die er in dieser Form gar nicht getätigt haben will.

Mitten in der heißen Phase der Saison eröffnete Fredi Bobic bei Eintracht Frankfurt einen der größten Nebenkriegsschauplätze der letzten Jahre. Mit seinem im TV angekündigten Abschied überrumpelte der Sportvorstand die Chefetage der Hessen. Die Verantwortlichen fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

"Ich brauche nicht groß rumeiern. Man war vorbereitet darauf, dass die Situation kommt, dass ich im Sommer 2021 den Verein verlassen werde", sagte Bobic in der ARD-Sendung "Sportschau Thema". Er habe sogar schon Mitte 2020 gehen wollen. "Dann wurde ich gebeten, ob ich nicht noch die Corona-Saison durchziehen kann, und ich habe gesagt, das mache ich, schon aus moralischen Gründen. Ich habe gesagt, ich ziehe noch ein Jahr durch - und jeder wusste eigentlich Bescheid."

Die Verantwortlichen der Hessen hatten noch am Nachmittag vor der Ausstrahlung der Sendung eilends per Pressemeldung versichert, dass man zwar in Gesprächen sei, aber noch gar nichts klar wäre, schon gar keine Trennung. "Fredi Bobic ist vor drei Wochen auf mich zugekommen und hat mich über seine Überlegungen bezüglich einer Auflösung seines bis zum 30. Juni 2023 laufenden Vertrages nach dem Ende der laufenden Saison informiert", verkündete der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer. "Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren." Da machte Bobic aber nicht mit, wenige Stunden später lief seine klare Ansage vor Millionenpublikum über den Sender.

Warum hat die Eintracht noch keinen Nachfolger?

Gegenüber dem "Kicker" heißt es aus Frankfurt, Bobic habe zwar immer wieder mit einem Abgang kokettiert, allerdings soll der Sportvorstand den Bossen noch im Oktober 2020 versichert haben, nur bei einem Angebot eines absoluten Spitzenklubs gehen zu wollen, gaben die Oberen zu Protokoll. Welche Version der Wahrheit entspricht, ist nicht klar.

Sollte die Bobic-Version stimmen, stellt sich die Frage, warum sich die Eintracht nicht schon lange nach einem Nachfolger umgesehen hat. Entspricht die Darstellung des Klubs der Wahrheit, ist die Frage, warum Bobic live vor Millionen von Zuschauern behauptete, der Verein sei auf seinen Abgang vorbereitet gewesen.

Klar ist: Eintracht Frankfurt ist inzwischen selbst ein Spitzenklub, die Hessen haben in dieser Saison gute Karten, zum ersten Mal in der langen Vereinsgeschichte den Einzug in die Champions League zu schaffen. Der selbsternannte "Big City Club" Hertha BSC, zu dem Bobics Spuren führen, ist dagegen weit vom internationalen Geschäft und den eigenen Ansprüchen entfernt: In der Hauptstadt kämpft man trotz gewaltiger Finanzspritzen von Investor Lars Windhorst gegen den Abstieg. Bobics Expertise könnte man jedenfalls dringend gebrauchen. Ein Abschiedsgrund wäre ein Angebot des Tabellen-15. also zumindest im Sinne der von Eintracht Frankfurt verbreiteten Version der gemeinsamen Absprache mit Bobic also nicht.

Der Ärger kommt zur Unzeit

So oder so scheint die Ehe zwischen dem Sportvorstand und den Hessen nach rund fünf Jahren ein unschönes Ende zu nehmen. Ein Verbleib am Main sei mittlerweile "nahezu ausgeschlossen", berichtet der "Kicker". Selbst eine gebotene Gehaltserhöhung und andere Argumente haben den Ex-Profi nicht umstimmen können.

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Der Ärger, den Bobic mit seinem öffentlichen Vorpreschen ausgelöst hat, kommt zur Unzeit: Eintracht Frankfurt kann eine große Saison mit etwas ganz Großem, dem Champions-League-Einzug, abschließen, für die kommende Saison muss deshalb noch zweigleisig geplant werden. Anstrengende Wochen. Eintracht Frankfurt muss sich neu aufstellen, da Sportdirektor Bruno Hübner ebenfalls zum Ende der Spielzeit aufhört. Als Nachfolger von Bobic ist Christoph Spycher ein Kandidat. Der frühere Frankfurter Kapitän ist Sportchef bei den Young Boys Bern und gewann mit dem heutigen Eintracht-Coach Hütter 2018 den Schweizer Meistertitel.

Am 10. März tagt der Vorstand in der wichtigsten personellen Angelegenheit der letzten Jahre. Dabei soll es auch um die Frage gehen, ob sich der Klub womöglich schon jetzt von Bobic trennen sollte. Ausgeschlossen scheint das nach den Geschehnissen der letzten Tage zumindest nicht.

Quelle: ntv.de, ter

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