Fußball

"Nun ein wertloses Stück Papier" Chef-Ethiker sehen Infantinos Fifa am Ende

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"Das ist kein guter Tag für die Fifa." Gianni Infantino dürfte das anders sehen.

(Foto: AP)

Die Vorsitzenden der Fifa-Ethikkommission, Eckert und Borbely, sind abgesetzt, der Ausgang von mehreren Hundert Untersuchungen gegen korrupte Funktionäre völlig offen. Der Handstreich des Präsidenten Infantino betrifft auch den deutschen WM-Skandal.

Nach der Entlassung der beiden Chef-Ethiker ist, wie sie sagen, der Ausgang von "mehreren Hundert" Untersuchungen gegen korrupte Funktionäre beim Fußball-Weltverband völlig offen - darunter auch das Verfahren gegen die Macher der WM 2006 in Deutschland um Franz Beckenbauer. "Das ist kein guter Tag für die Fifa", sagte der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, der mit Ermittler Cornel Borbely per Handstreich aus dem Amt befördert worden war.

"Das ist ein klarer Bruch", sagte Borbely, der die ermittelnde Kammer geleitet hatte, in Manama: "Die erfahrenen Richter und Ermittler sind weg - es gibt keine Garantien, dass die laufenden Verfahren fortgesetzt werden. Es sind sehr komplizierte Untersuchungen." Borbely und Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer waren vom Fifa-Council nicht zur Wiederwahl in ihre Ämter beim Fifa-Kongress am Donnerstag vorgeschlagen worden. Eckert zweifelte, ob die noch laufenden Verfahren zur WM 2006 - neben Beckenbauer stand auch Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach im Visier der Ethiker - überhaupt zu Ende geführt werden. "Das wirft den Reformprozess um Jahre zurück, die Fifa wird darunter leiden", sagte Borbely im 13. Stock eines Hotels in Bahrains Hauptstadt: "Der Ethik-Code ist nun ein wertloses Stück Papier."

"Absolut lächerlich"

Eckert und Borbely erfuhren am Dienstag unmittelbar nach ihrer Ankunft am Flughafen von Bahrain aus den Medien von der Council-Entscheidung. Ein Gespräch mit Fifa-Präsident Gianni Infantino fand bislang nicht statt. Allein seit 2015, als die Fifa implodiert war, hat die Ethikkommission über 70 Funktionäre verurteilt. "Vor einer Woche gab es keinerlei Anzeichen, dass wir unsere Arbeit nicht fortsetzen dürfen", sagte Eckert: "Vielleicht ist das eine Art von Politik - die ich aber nicht unterstütze. Das hat nichts mit Respekt zu tun." Borbely bezeichnete die vermeintlichen Fifa-Angaben, die beiden hätten sich nicht für die Wiederwahl beworben, als "absolut lächerlich".

Sowohl Eckert als auch Borbely durchliefen den Integritätscheck, den Governance-Chef Miguel Poiares Maduro geleitet hatte. Der Portugiese wurde am Dienstagabend ebenfalls nicht zu Wiederwahl vorgeschlagen. Den Vorwurf, die Ethikkommission habe zu viel gekostet, wiesen beide vehement zurück. Die Ausgaben beliefen sich im Jahr auf "zwei Millionen Euro für jede Kammer", sagte Borbely: "Im Vergleich zu dem, was die Fifa-Anwälte genommen haben oder die externen Ermittler von der Kanzlei Freshfields für die deutsche Untersuchung, ist das nicht viel." Die interne Aufarbeitung des Skandals um die WM 2006 hatte den Deutschen Fußball-Bund über fünf Millionen Euro gekostet.

Quelle: ntv.de, Jan Mies, sid

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