Fußball

Der "perfekte" Bayern-Transfer Choupo-Moting? Genial!

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Eric-Maxim Choupo-Moting freut sich auf den FC Bayern.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Was wurden beim FC Bayern nicht alles für Namen als Neuzugänge gehandelt: Von Mario Götze bis Mario Mandzukic war so ziemlich alles dabei, was überdurchschnittlich gut Fußball spielen kann - außer Eric-Maxim Choupo-Moting. Doch ausgerechnet der kommt nun.

Uli Hoeneß ist beim FC Bayern nicht mehr der Mann, der die wichtigen fußballerischen Deals finalisiert. Und deswegen ist die Geschichte vom Faxgerät an dieser Stelle auch nicht wichtig. Ebenso unwichtig ist, auf welchem technischen Wege (Telefon, Teams-Meeting, Whatsapp, E-Mail) die Münchner und der 31 Jahre alte Eric Maxim Choupo-Moting zueinander gefunden haben. Wichtig ist nur: Sie sind eine Liaison eingegangen. Eine, die völlig überraschend kommt, mit der im Gerüchte-Rausch um Mario Götze und all diese anderen großen Namen niemand gerechnet hatte. Eric Maxim Choupo-Moting ist nun also eine (ablösefreie) Antwort auf das Kader-Flehen von Trainer Hansi Flick. Und eine unüberlegte ist sie nicht.

Über Eric-Maxim Choupo-Moting hat man sich einst die Geschichte erzählt, dass es eine Augenweide sei, ihm beim Fußballspielen zuzuschauen. Allerdings nur so lange, bis das Spiel angepfiffen wird. So auffällig und wundervoll der Stürmer beim Warmmachen den Ball beschmeichelte, so solide bis unauffällig war er dann in den 90 Minuten. Nun, diese Geschichte würde bei der Überprüfung all seiner 204 Spiele mit 45 Toren und 21 Vorlagen in der Bundesliga sicher an vielen Stellen widerlegt. Was allerdings nicht zu widerlegen ist: So groß der Hype einst um das Talent war, so wenig groß war seine Karriere lange Zeit. Der Hamburger SV (Faxgerät-Gate!), der 1. FC Nürnberg, der FSV Mainz 05, der FC Schalke 04 und Stoke City, das war seine Vita, ehe Thomas Tuchel eine Idee hatte.

Es war eine Idee, die viele Experten nicht verstanden. Tuchel holte Choupo-Moting nach Paris. Nach einer Saison, in der der Stürmer nicht besonders viel dafür getan hatte, von einem Absteiger aus der Premier League zu einem europäischen Spitzenklub zu wechseln. Solide war er bei Stoke aufgetreten, aber nicht mehr. In 30 Spielen gelangen ihm fünf Tore und fünf Vorlagen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" vor ein paar Wochen schrieb - Choupo-Moting hatte seine Luxus-Kollegen im Viertelfinale der Champions League gerade erst gegen Atalanta Bergamo spektakulär in letzter Sekunde vor der Blamage bewahrt - lief der Wechsel im August 2018 so: Im Frühsommer soll Tuchel den Stürmer, der nach dem Abstieg dringend wechseln wollte, gebeten haben, mit seinem Transfer noch zu warten. Er, Tuchel, habe eine sehr gute Stelle in Aussicht. In Paris nämlich. Tuchel bekam die Stelle. Und dann auch den empathischen und integrativen Choupo-Moting. Den in Paris wirklich niemand kannte. Anders als all die anderen Transfers, die der Klub sonst so tätigt.

Die perfekte Schlusspointe

Nun war es aber nicht so, dass der gebürtige Hamburger nur, weil er bei einem Weltverein war, auch eine Weltkarriere hingelegt hat. Aber das war sicher auch nie der Anspruch. Choupo-Moting, so begabt er technisch ist, war stets nur eine akzeptierte und hoch anerkannte Alternative für die luxuriöse Offensive, also für Neymar, für Kylian Mbappé, für Edinson Cavani (ist jetzt weg), für Angel di Maria und zuletzt auch für Mauro Icardi. Und je besser, oder je erfolgreicher die Mannschaft von Tuchel wurde, desto weniger spielte Choupo-Moting (und nicht wegen dieses historischen Fehlschusses!). Im Jahr 2020 war er nur siebenmal dabei. Ein einziges Mal, im Coupe de France, schaffte er es im Achtelfinale gegen Pau FC in die Startelf. Trotz seiner reduzierten Rolle klagte er nie (zumindest nicht öffentlich). Und dass er in der Rolle sogar noch sein wichtigstes Tor für PSG schoss (siehe oben), war eine perfekte Schlusspointe.

Nach 51 Spielen, nach neun Toren und drei Vorlagen endete seine Zeit bei PSG Ende August. Nicht zur Freude von Tuchel. "Er war ein wichtiger Teil unserer Gruppe, weil er perfekt seine Rolle kannte." Nun in München wird er seine Rolle auch perfekt kennen. Er wird wissen, dass er auch beim FC Bayern keine Weltkarriere mehr starten wird, aber das ist sicher auch dieses Mal wieder nicht sein Anspruch. In München wird er immer dann gebraucht werden, wenn Robert Lewandowski mal durchschnaufen muss. Der Unverzichtbare, der so oft auch dann ran muss, wenn er eigentlich nicht ran sollte. So vergangene Woche in der Bundesliga bei der TSG Hoffenheim. Weil sein Ersatz, das Talent Joshua Zirkzee, das nun verliehen werden soll, kaum Zugriff bekam. Und weil die Münchner ausgerechnet bei Sebastian Hoeneß sportlich kollabierten (dieses Mal spielte Lewandowski allerdings ohne Erfolg).

Immer mal wieder hat Lewandowski selbst anklingen lassen, dass er sich über mehr Auszeiten freut. Aber wer soll ihm diese geben? Klar, das Talent Zirkzee. Im Notfall (nicht im Kovac'schen Sinne) auch Thomas Müller oder Serge Gnabry. Die sind aber auch auf ihren Positionen "unbekannt" (Müller) und "rechter Flügel" (Gnabry) unverzichtbar. Und weil seit Sandro Wagners Abgang vor anderthalb Jahren niemand mehr im Kader ist, der einen etablierten Mittelstürmer geben kann, gab's kaum Pausen und das ewige Zittern: Hoffentlich verletzt sich Lewandowski nie vor den wichtigen Spielen.

Der perfekte Transfer zu Corona-Zeiten

Nun ist ein Ersatz für den Polen nur eine Baustelle im Kader. Flick weist seit seiner Beförderung zum Cheftrainer im vergangenen Winter stets auf Bedarfe hin. Nicht immer ist man im Verein über die Art und Weise glücklich, in der er das tut (sonst ist man natürlich sehr glücklich mit Hansi Flick). Für die laufende Saison hat er Lücken hinten rechts, im zentralen Mittelfeld und noch auf den offensiven Flügeln ausgemacht. Mit dem bereits im vergangenen Jahr umworbenen Spanier Marc Roca soll nun die Sehnsucht nach einem Nachfolger für Spielmacher Thiago (perspektivisch) gestillt sein, mit Bouna Sarr von Olympique Marseille die nach einem Ersatz für Rechtsverteidiger Benjamin Pavard. Rückkehrer Douglas Costa ist der gewünschte vierte Mann auf dem Flügel.

Der unwirklichste Transfer aber ist Choupo-Moting. Weil er eine der unwahrscheinlichsten Karrieren im Weltfußball lebt. Mit 31 zum derzeit besten und erfolgreichsten Klub der Erde. Mit 31 der Ersatzmann für den besten Fußballer, den es derzeit gibt. Wer hätte das gedacht? Die Geschichte, die Choupo-Moting in den vergangenen Jahren schreibt, sie ist so viel spektakulärer als die legendäre Faxpanne- mit der er einst berühmt geworden ist. Dass Choupo-Moting nun beim FC Bayern spielt, ist ein Coup des Klubs. Der perfekte Transfer in diesen schwierigen Corona-Zeiten.

Quelle: ntv.de