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Sechs Dinge, gelernt am 3. Spieltag Costa zaubert, Robben meckert, BVB top

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Nicht übertreiben, mein Freund: Arjen Robben spricht mit Douglas Costa.

(Foto: imago/Philippe Ruiz)

Der FC Bayern hat Spaß an einem Schnäppchen namens Costa - nur Robben passt das nicht. Und Trainer Guardiola schickt Dante weg. Tuchels BVB kann sich auch quälen, Stuttgarts Zorniger verzweifelt: "Einfach scheiße."

1. Der FC Bayern freut sich über ein Schnäppchen

Er ist zu schnell, zu trickreich, einfach zu gut - und das nicht nur für den bemitleidenswerten Roberto Hilbert im Trikot von Bayer Leverkusen, der an diesem dritten Spieltag der Fußball-Bundesliga einen Abend erwischte, den er am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen würde. Mit dem Brasilianer Douglas Costa, 24 Jahre alt, hat der FC Bayern für 30 Millionen Euro einen für die Außenbahnen aus Donezk geholt, der in Zeiten des Transferwahnsinns glatt als Schnäppchen durchgeht. Zum Vergleich: Der VfL Wolfsburg hat am Wochenende von Manchester City 75 Millionen Euro für den 24 Jahre alten Kevin de Bruyne kassiert. Aber das nur am Rande.

Die Münchner jedenfalls haben nun einen in ihren Reihen, der viele vergessen lässt, dass es zum Beispiel noch einen Franck Ribéry gibt, der allerdings seit Monaten, genau seit dem 11. März, verletzt zuschauen muss. "Ich tue alles, wirklich alles, was man mir sagt, doch die Schmerzen gehen einfach nicht weg. Du weißt nicht, wie schwer das für den Kopf ist. Das ist hart", sagte der Franzose jüngst im Interview mit dem "Kicker". Und Costa? Er kann's. Nur einmal übertrieb er es - befand zumindest der Kollege Arjen Robben nach dem ebenso klaren wie verdienten 3:0 gegen tapfere Leverkusener. "Das ist schön, das ist Zirkus und super für das Publikum. Das hat aber auch zwei Seiten. Man muss ein bisschen aufpassen und immer den Gegner respektieren. Deshalb ist so etwas zweifelhaft." Der Niederländer sprach damit eine Szene acht Minuten vor dem Ende der Partie an, als Costa im Überschwang der Gefühle den Ball elegant und frech über Leverkusens Julian Brandt lupfte. Auch Trainer Josep Guardiola mag solche Einlagen "nicht so richtig", wie er hinterher einräumte. Andererseits: Neymar sei schließlich genauso, "Douglas ist eben Brasilianer". Und ein Schnäppchen.

2. Die Dortmunder Borussia kann auch arbeiten

Wenn es bei einem Verein gut läuft, zählen die Chronisten gerne alles auf, was sich irgendwie positiv deuten lässt. Erst Recht, wenn es um die Frage geht, ob dieser Verein in der Lage ist, dem FC Bayern Konkurrenz zu machen. Im Fall von Borussia Dortmund ist das die Bilanz der Spiele unter dem immer noch neuen Trainer Thomas Tuchel. Und die liest sich gut: Nicht nur, dass der BVB alle drei Bundesligaspiele gewonnen hat und nun vor der Länderspielpause die Tabelle vor den Münchnern anführt. Die Dortmunder haben auch die erste Runde im DFB-Pokal schadlos überstanden - und alle vier Partien in der Qualifikation zur Europaliga auch.

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Tabellenführer und Spaß dabei: Thomas Tuchel.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Das heißt: Acht Spiele, acht Siege, 30:6 Tore. Respekt - auch wenn die Gegner nicht allesamt allererster Güte waren: Den Wolfsberger AC aus Österreich schlugen sie mit 1:0 und 5:0, Odds BK aus Norwegen mit 4:3 und 7:2, den Viertligisten Chemnitzer FC mit 2:0, Mönchengladbach und Ingolstadt mit 4:0, und nun die Hertha verdient mit 3:1. Es war ein Arbeitssieg der besseren Sorte - bei kolportierten 43 Grad auf dem Rasen des Westfalenstadions. Auch das können die Dortmunder, sich quälen. Torwart Roman Bürki beschrieb das so: "Es ist ein schönes Gefühl, weil wir uns das hart erarbeitet haben." Und Tuchel sagte: "Wir haben Widerstandskraft und Siegeswillen entwickelt." Am 12. September geht es nun nach Hannover. Und es spricht viel dafür, dass der BVB auch nach dem vierten Spieltag oben steht. "Dass wir Tabellenführer sind, gefällt uns." Und auch wenn Tuchel nicht vergaß, darauf zu verweisen, dass dies nur eine Momentaufnahme sei - die Dortmunder schreiben gerade eine der spannenderen Geschichten der Liga. Wieder einmal.

3. Guardiola schickt Dante nach Wolfsburg

Der Erfolg gibt Josep Guardiola Recht. Da fallen mit den verletzten Holger Badstuber, Javier Martínez, Medhi Benatia und dem gesperrten Jérôme Boateng vier Innenverteidiger aus. Und der Trainer des FC Bayern stellt beim souveränen Sieg gegen Leverkusen nicht etwa den Innenverteidiger Dante in die Innenverteidigung - sondern die Mittelfeldspieler David Alaba und Xabi Alonso. Viel deutlicher geht es dann nicht mehr, aber Gnade ist im Profifußball keine relevante Größe. Und Dante in München schon länger nicht mehr. Zur Erinnerung: Guardiola, das ist der Mann, der noch im April sagte: "Er ist ein fantastischer Spieler und ich hätte am liebsten 1000 Dantes im Team." Gegen Leverkusen wechselte er Dante nach 73 Minuten ein - beim Stand von 3:0. Es war seine Abschiedsviertelstunde nach drei Jahren beim FC Bayern. Ab sofort kickt der 31 Jahre alte Brasilianer für den VfL Wolfsburg. "Dante wollte einfach die Chance haben, regelmäßig zu spielen. Wir wollten ihm diesen Wunsch nicht verwehren", sagte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

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4. Der VfL Wolfsburg zieht sein Ding durch

An Geld hat es ihnen Dank VW in Wolfsburg nie gemangelt, doch seitdem der Manager Klaus Allofs auch noch die 75 Millionen Euro für Kevin De Bruyne ausgeben darf, die Manchester City für den belgischen Mittelfeldspieler überweist, gerät die Statik der Liga doch noch etwas mehr ins Wanken. Die englischen Klubs haben dank gut ausgehandelter Verträge mit dem Bezahlfernsehen so viel mehr Geld als die deutschen, dass auch der Branchenprimus aus München zurückstecken muss. Oder um mit Volkswagen-Chef Martin Winterkorn zu sprechen: "Wenn die Verhältnisse so sind, dass solche Summen bezahlt werden, muss man sich überlegen, was man in Deutschland macht, um den Ausverkauf zu verhindern." Im Fall De Bruyne sei das so gewesen: "Selbst Bayern München, das interessiert war, hat gesagt: Dagegen können wir nicht antreten." Andererseits stehen die Wolfsburger so schlecht jetzt auch nicht da, zumal Inter Mailand 20 Millionen Euro für Ivan Perisic zahlte. Nun haben sich die Wolfsburger die Dienste des Schalker Jungstars Julian Draxler gesichert. Und wie läuft's sportlich? Besiegten trotz aller Wechselpossen und ohne De Bruyne den FC Schalke 04 mit Draxler locker mit 3:0 und belegen in der Tabelle Platz drei. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking zieht ihr Ding durch. Und wird mit Draxler bestimmt nicht schlechter aufgestellt sein. Ob das allerdings reicht, den FC Bayern am Ende als Deutscher Meister abzulösen, darf bezweifelt werden. Denn noch ist es so: Die Top-top-Spieler wechseln nach England. Und die Spieler, die nicht mehr gut genug sind, geben die Münchner an den VfL Wolfsburg ab. Womit wir wieder bei Dante sind.

5. Augsburg und Mönchengladbach

Erinnern Sie sich noch? Während sich Dortmund durch die vergangene Saison quälte, mischten Augsburg und Gladbach mit eingespielten Teams und perfekt abgestimmten Spielsystemen die Liga auf. Und jetzt? Ist alle Euphorie verpufft, noch ehe die zehrenden europäischen Festwochen überhaupt begonnen haben. Diagnose für Augsburg und Gladbach: Akute Schübe des BVB-Syndroms. Der Unterschied: Während sich Dortmund im siebten Jahr unter Klopp nicht mehr neu erfinden konnten, sind Augsburg und Gladbach weitaus schneller gealtert.

Ein Grund: Kaderqualität und -tiefe können nicht mit dem BVB mithalten, mit Christoph Kramer und Max Kruse etwa hat Gladbach mehr verloren als zwei Spieler. Eine andere Ursache benannten die FCA-Verantwortlichen selbst. Manager Stefan Reuter räumte nach der Heimniederlage gegen Aufsteiger FC Ingolstadt ein: "Wir sind keine  Unbekannten mehr, es gibt relativ wenig Geheimnisse." Ein Punkt aus drei Spielen bestätigt: Die Analyse ist korrekt. Ein Punkt aus drei Spielen ist aber immerhin ein Zähler mehr, als die Gladbacher bislang erspielen konnten. Neben dem Verlust wichtiger Spieler und gestiegenen Erwartungen hemmt Augsburger und Gladbacher aber auch fehlendes Glück. Tobias Werner würde sich, sofern vorhanden, immer noch die Haare raufen wegen seiner vergebenen Großgroßgroßgroßchance gegen Ingolstadt beim Stand von 0:0. Gladbachs Marvin Schulz wird nicht noch einmal so plump einen Elfmeter verursachen wie gegen Bremens Anthony Ujah. "Im Moment wird jeder Fehler von uns extrem hart bestraft. Auch in der vergangenen Saison hatten wir Patzer im Spiel, aber meistens ist danach nichts Negatives passiert", resümierte Gladbachs Manager Max Eberl, der gemeinsam mit Coach Lucien Favre jetzt als Krisenmanager gefragt ist. Die gute Nachricht für beide Vereine  ist: Das BVB-Syndrom ist heilbar. Im besten Fall entpuppt es sich ohnehin nur als verkappter Wachstumsschmerz.

6. Zornigers VfB ist "einfach scheiße"

Drei Niederlagen zum Start, das widerfuhr dem VfB Stuttgart zuletzt vor ... genau zwei Jahren. Anders formuliert: In genau einer Saison haben die Schwaben es zuletzt geschafft, nicht gleich zu Beginn dreimal zu verlieren. Respekt. Vor zwei Jahren feuerte der VfB nach dem Null-Punkte-Start seinen Trainer, inzwischen ist Bruno Labbadia beim HSV gelandet. Sein Nachnachnachnachnachfolger Alexander Zorniger darf sich dem Vernehmen nach sicher fühlen und sagte nach dem 1:4 gegen die Frankfurter Eintracht: "Das ist jetzt grad eben einfach scheiße." Zorniger, das ist der Mann, der den Fans vor seinem Amtsantritt im Juni aufregende Spiele und ein tolles, neues, offensiv ausgelegtes System versprach. Nach drei Partien lautet die Bilanz allerdings: Die Stuttgarter bemühen sich zwar, bisweilen sieht das auch ganz gut aus, aber letztlich läuft es vorne und hinten nicht. Zorniger beteuert dennoch fast trotzig: "Ich bin von dem, was ich mache, überzeugt. Ich bin davon überzeugt, dass es erfolgreich ist." Nun hat er in der zweiwöchigen Länderspielpause Zeit, seinen mittlerweile arg verunsicherten Spielern noch einmal zu erklären, wie genau er sich das vorgestellt hat. Eine Kehrtwende im Defensivkonzept wird es aber nicht geben. "Wir kriegen das mit Beton anrühren nicht hin."

Quelle: n-tv.de

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