Fußball

So läuft das Duell um Olympia DFB-Elf will mit Lahm nach Rio

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Beim 3:0 gegen Dänemark konnten sie überzeugen: Emre Can, Joshua Kimmich, Matthias Ginter und Kevin Volland (v.l.)

(Foto: picture alliance / dpa)

Für die deutschen U-21-Fußballer geht es gegen Tschechien darum, das Halbfinale der EM zu erreichen - und sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Zwei Altstars melden Interesse an, Emre Can und Kollegen sollen es richten.

Worum gehts?

Na, um den entscheidenden Schritt nach Rio de Janeiro. Dazu reicht den deutschen Junioren heute ab 20.45 Uhr in Prag beim letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Tschechien schon ein Unentschieden. Dann stünden die Fußballer von Trainer Horst Hrubesch im Halbfinale der U-21-EM, was wiederum als Leistungsnachweis genügt, um im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Brasilien mitmachen zu dürfen - als erste deutsche Mannschaft seit 1988. Anderseits heißt das auch: Verliert die DFB-Elf, ist sie raus. Und der olympische Traum bleibt einer. Abgesehen davon: Europameister wollen sie ja auch noch werden. "Wenn man die Möglichkeit hat, in dem Sport, den man liebt, um olympische Medaillen zu spielen, dann sollte man sich dieses Ziel auch setzen", hatte Hrubesch vor dem Turnier angekündigt. Apropos Ziel: Für den Fall der Fälle gibt es schon zwei Interessenten, die gerne noch einmal nach Rio fahren würden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, haben die Weltmeister und eigentlich Ex-Nationalspieler Per Mertesacker und Philipp Lahm ernsthaftes Interesse bekundet. Möglich wäre das: Im olympischen Reglement steht, dass drei Spieler dabei sein dürfen, die nicht nach dem 1. Januar 1993 geboren sind.

Wie ist die deutsche Mannschaft drauf?

So will die DFB-Elf spielen

Tor: ter Stegen (FC Barcelona). Abwehr: Korb (Borussia Mönchengladbach), Ginter (Borussia Dortmund), Heintz (1. FC Kaiserslautern), Schulz (Hertha BSC). Mittelfeld: Can (FC Liverpool), Kimmich (RB Leipzig) - Bittencourt (Hannover 96), Meyer (Schalke 04), Younes (Kaiserslautern). Angriff: Volland (TSG Hoffenheim)

Sie steigert sich: Dem etwas mageren 1:1 zum Auftakt gegen Serbien ließen die deutschen Jungprofis am vergangenen Samstag ein überzeugendes 3:0 gegen Dänemark folgen. Dem Trainer gefällt das. Und so bleibt Hrubesch wie meist ganz ruhig: "Ich bin kein Freund der Rotation. Ich sehe auch keinen Grund, etwas zu verändern." Will heißen: Marc-André ter Stegen vom Champions-League-Sieger FC Barcelona steht im Tor, in der Abwehrkette verteidigen (von rechts nach links) Julian Korb von Borussia Mönchengladbach, der Dortmunder Matthias Ginter, Dominique Heintz vom 1. FC Kaiserslautern und der Herthaner Nico Schulz. Auf der Doppelsechs teilt sich Emre Can vom FC Liverpool die Arbeit mit Joshua Kimmich, der in der nächsten Saison beim FC Bayern spielt - also zumindest hat er in München einen Vertrag unterschrieben. Rechts stürmt Leonardo Bittencourt von Hannover 96, die Mittelfeldzentrale besetzt der Schalker Max Meyer, die linke Außenbahn übernimmt der Lauterer Amin Younes. Und ganz vorne soll es Kapitän Kevin Volland richten. Das ist der, der zuletzt zwei Tore geschossen hat. "Wenn wir wie gegen Dänemark mit der Überzeugung, dem Mut und der Art und Weise spielen, bin ich überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen werden", erklärte Kollege Kimmich. Und Younes sagte: "Wir nehmen den Schwung mit und versuchen, das gegen Tschechien genauso abzurufen." Klingt nach einem soliden Plan. Hrubesch dürfte das gefallen.

Auf welche DFB-Spieler kommt es besonders an?

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Trainer der deutschen Junioren: Horst Hrubesch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ter Stegen? Korb? Ginter? Heintz? Schulz? Can? Kimmich? Bittencourt? Meyer? Younes? Volland? Suchen Sie sich einen aus. Wir beschränken uns an dieser Stelle auf den Kollegen Can, weil er derjenige im Team ist, der am augenscheinlichsten voranschreitet. Gegen Serbien erzielte der defensive Mittelfeldspieler vom FC Liverpool den Ausgleich, gegen Dänemark bereitete er das 1:0 mit einem feinen Diagonalpass auf Volland vor. Ansonsten glänzt er als Organisator, rackert, kämpft, dirigiert, gibt Anweisungen. Der Trainer weiß, was er an ihm hat, Hrubesch kennt Can seit mehr als fünf Jahren: "Ich habe gewusst, dass er zu damaliger Zeit schon ein Leader war, einer, der vorneweg geht, der das Spiel an sich reißt." Und Can ist auch keiner, der sein Licht unter den Scheffel stellt. Auch nicht, wenn er mit dem Magazin "11Freunde" spricht: "Ich bin laut, ich gehe hart ran, laufe vorweg. So war ich immer, das werde ich nicht ändern." Das passt gut zu dem, was Hrubesch gestern vor der Partie gegen Tschechien forderte: "Wir müssen von Anfang an da sein und das Spiel bestimmen."

Wie läuft es bei den Tschechen?

Sie können nicht klagen. Das Stadion namens Eden in Prag mit seinen 17.000 Plätzen dürfte heute Abend ausverkauft sein. Und es steht zu vermuten, dass die meisten Zuschauer die Tschechen anfeuern werden. Das Eröffnungsspiel verloren die Gastgeber zwar gegen Dänemark mit 1:2, in der zweiten Partie aber drehten sie dann richtig auf und schlugen die Serben mit 4:0. Das war ein starkes Stück Fußball, insbesondere von Jan Kliment, der drei Tore schoss. Der Mann spielt für FC Vysocina Jihlava in der ersten tschechischen Liga und erzielte in der vergangenen Saison gerade einmal zwei Treffer für den Tabellenzehnten. In seiner gesamten Laufbahn kommt er damit auf drei Tore in der Synot-Liga, benannt nach einem Lotterie- und Wettanbieter. Dementsprechend euphorisiert zeigte sich Kliment nach seinen drei Streichen gegen die Dänen: "Das ist ein tolles Gefühl, ein großartiger Tag. Nicht nur für mich, sondern für alle Jungs, aber das ist keine große Überraschung, weil wir im ersten Spiel gut gespielt haben. Diesmal haben wir das Spiel nicht durch unsere Finger rutschen lassen und wir haben bis zum Ende gut gespielt." Klingt gut, Trainer Jakub Dovalil aber hat so eine Ahnung, was das Selbstbewusstsein der DFB-Elf angeht: "Ich glaube nicht, dass ihnen das Angst einflößt." Nicht in den Kram passen dürfte ihm, dass Vaclav Kadlec einen Bänderriss erlitten hat und somit ausfällt. Der Angreifer, der bis Saisonende von Eintracht Frankfurt an Sparta Prag ausgeliehen war, hatte gegen Serbien zwei Tore vorbereitet. Pavel Nedved, Europas Fußballer des Jahres 2003 und seines Zeichens EM-Botschafter, glaubt dennoch, "dass die Jungs in der Lage sind, Deutschland zu schlagen".

War sonst noch was?

Apropos Hrubesch. Der Trainer hat seinen Spielern viel voraus - wie das so ist, wenn ein erfolgreicher Ex-Profi auf der Bank sitzt. Er ist schon Europameister - und das gleich doppelt. Vor sechs Jahren, also 2009, holte er bereits mit einer deutschen U21 den kontinentalen Titel. In Schweden war das; das Gerüst der Mannschaft bildeten seinerzeit sechs Spieler, die im vergangenen Sommer in Brasilien Weltmeister wurden: Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Jérôme Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil und Mats Hummels. Und fast auf den Tag genau vor 35 Jahren, am 22. Juni 1980, war es Hrubesch persönlich, der die deutsche A-Nationalelf im Finale zu Rom beim 2:1 gegen Belgien mit zwei Toren zum Titel schoss und köpfte. Abgesehen davon gewann er mit dem Hamburger SV den Europapokal der Landesmeister und dreimal die Deutsche Meisterschaft - muss wirklich sehr lange her sein. Ach ja, Hrubesch freut sich übrigens auf heute Abend: "Das ist genau das, was wir als Fußballer wollen: Ein volles Stadion und ein interessanter Gegner. Mehr Spaß gibt es doch gar nicht."

So läuft die U-21-EM
Halbfinale                        FINALE
Samstag, 27. Juni        Dienstag, 30. Juni, 20.45 Uhr
Portugal -Deutschland5:0             Portugal -         Schweden
Dänemark -Schweden1:4

3:4 n.E.

  
Gruppe AGruppe B
Mittwoch, 17. JuniDonnerstag, 18. Juni
Tschechien -Dänemark1:2Italien -Schweden1:2
Deutschland -Serbien1:1England -Portugal0:1
Samstag, 20. JuniSonntag, 21. Juni
Serbien -Tschechien0:4Schweden -England0:1
Deutschland -Dänemark3:0Italien -Portugal0:0
Dienstag, 23. JuniMittwoch, 24. Juni
Tschechien -Deutschland1:1England -Italien1:3
Dänemark -Serbien2:0Portugal -Schweden1:1
        
TABELLETABELLE
1. Dänemark34:461. Portugal32:15
2. Deutschland35:252. Schweden33:34
3. Tschechien36:343. Italien34:34
4. Serbien31:714. England32:43
      
Modus: Die Gruppenersten und Gruppenzweiten stehen im Halbfinale am Samstag, 27. Juni, ab 18 und 21 Uhr. Das Finale findet am Dienstag, 30. Juni, ab 20.45 Uhr in Prag statt.

 

Quelle: ntv.de

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