Fußball

Mehr Macht für den Assistenten DFB hat Videobeweis heimlich geändert

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Der Videoassistent darf seit dem 6. Bundesliga-Spieltag deutlich öfter eingreifen als ursprünglich vorgesehen. Kommuniziert wurde das vom DFB nicht.

(Foto: dpa)

Seit Saisonbeginn testet die Fußball-Bundesliga den Videobeweis, seitdem gibt es heftige Diskussionen. Nun kommt heraus: Bereits vor Wochen weitet der DFB die Machtbefugnisse der Video-Schiris deutlich aus - ohne Klubs und Öffentlichkeit zu informieren.

Offenbar ohne eine Information an die 18 Fußball-Bundesligisten hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Anweisungen an die Referees beim Thema Videobeweis bereits vor mehreren Wochen "angepasst". Bereits nach dem 5. Spieltag sei eine "Kurs-Korrektur" vorgenommen worden. Pikant daran: Die Vereine wurden darüber aber erst vier Wochen später informiert, berichtet der "Kicker" und beruft sich auf ein DFB-Schreiben an die Vereine vom 25. Oktober 2017. Dieses liege dem Magazin vollständig vor.

Dort heißt es laut "Kicker" unter anderem, dass sich der Videoassistent nun auch bei nicht zweifelsfreien "klaren Fehlern" melden kann. Ursprünglich waren vom DFB nur "vier konkrete Auslösungsmomente" definiert worden - nämlich Entscheidungen, die die Torerzielung, einen Strafstoß/Elfmeter, Rote Karten oder die Verwechslung eines Spielers betreffen.

Unmittelbares Eingreifen - auch im Zweifelsfall

Nun wurde das Wirkungsfeld des Videoassistenten stark ausgeweitet, was die zahlreichen, viel diskutierten Eingriffe an den vergangenen Spieltagen erklären könnte. "Wir haben nach dem 5. Spieltag eine Kurs-Korrektur vorgenommen, ohne den grundsätzlichen Ansatz des VA-Projekts 'Eingriff nur bei klarem Fehler' infrage zu stellen", zitiert der "Kicker" aus dem von den Schiri-Bossen Lutz Michael Fröhlich und Hellmut Krug unterzeichneten DFB-Schreiben.

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In der sogenannten Review Area können die Bundesliga-Schiedsrichter selbst noch einmal vom Videobeweis Gebrauch machen.

(Foto: imago/Avanti)

Die unmittelbare Benachrichtigung des Schiedsrichters fordert der DFB auch in "schwierigen Situationen". Also dann, wenn die Einordnung der Schiedsrichterentscheidung in die Kategorie "klarer Fehler" nicht zweifelsfrei gewährleistet sei, der Videoassistent aber starke Zweifel an der Berechtigung der Entscheidung habe. Damit wird das Machtbefugnis der Videoassistenten deutlich ausgeweitet, da die Eingriffsschwelle gesenkt wird.

Wenn sich die Wahrnehmung beider dabei "gravierend" unterscheide, könne der Unparteiische sich die Situation noch einmal an einem Video-Monitor am Spielfeldrand anschauen. Diese Praxis war in den vergangenen Wochen wiederholt zu beobachten, nachdem sie zu Saisonbeginn kaum zum Einsatz gekommen war. "Die Entscheidung, ob ihm ein klarer Fehler unterlaufen ist, liegt dann bei ihm selbst", schreibt der DFB und verweist auf die Definition, die die internationalen Regelhüter des Ifab (International Football Association Board) vorgeben.

Öffentlichkeit nicht informiert

Eine Deutungshoheit bekommt der Videoassistent also nicht. Trotzdem wird seine Rolle deutlich aktiver als zunächst vorgesehen, was sich auch im Bundesliga-Alltag beobachten lässt. Erst am vergangenen Spieltag (27. bis 29. Oktober) war es wieder zu einigen umstrittenen Situationen nach Einsatz des Videobeweises gekommen. Beim Derby des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg (3:0) hatte Referee Tobias Stieler nach einem Handspiel von Gästespieler Caglar Söyüncü zunächst weiterspielen lassen. Erst knapp eine Minute später unterbrach Stieler die Partie auf Hinweis des Videoassistenten. Nach Ansicht der TV-Bilder entschied er dann auf Freistoß für den VfB - und gab dem Freiburger eine sehr diskussionswürdige Rote Karte. Nach der Partie räumte Stieler selbst ein: "Wahrscheinlich wäre für das Spiel Gelb besser gewesen. Wenn ich es mir noch mal angucke, mit Abstand und in Ruhe, überwiegen vielleicht doch die Zweifel."

Pikant an den heimlichen Regeländerungen des DFB ist aber nicht nur, dass die Vereine offenbar erst einen Monat nach Inkrafttreten darüber in Kenntnis gesetzt wurden. Seltsam mutet auch an, dass die Öffentlichkeit noch immer nicht offiziell darüber informiert wurde. Obwohl in der Praxis schon vor Wochen modifiziert, ist der Passus unter "Wann greift der Video-Assistent konkret ein" auf der DFB-Homepage noch immer auf dem Stand vom Saisonbeginn - also falsch. Auch auf der Homepage der Deutschen Fußball-Liga (DFL) heißt es nach wie vor: "Voraussetzung für ein Eingreifen des Video-Assistenten ist jeweils, dass nach seiner Einschätzung ein offensichtlicher Fehler des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt."

Laut Deutscher Presse-Agentur kündigte der DFB inzwischen an, das Schreiben an die Vereine vom 25. Oktober 2017 in den kommenden Tagen veröffentlichen. Beigefügt werden sollen dann auch entsprechende Videoszenen, habe ein DFB-Sprecher mitgeteilt.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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