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"Kaiser" sagt Termin ab Das Denkmal Beckenbauer bröckelt

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Franz Beckenbauer holen die Schatten der Vergangenheit ein.

(Foto: dpa)

Nach Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens sagt Franz Beckenbauer einen öffentlichen Termin in Zürich ab. Die Schatten der Vergangenheit scheinen ihn zum Rückzug zu zwingen. Der ebenfalls beschuldigte Zwanziger geht dagegen in die Offensive.

Franz Beckenbauer hatte zum gediegenen Dinner geladen. In einem Zürcher Edelhotel wollte der 70-Jährige, seit kurzem Jungwinzer in Südafrika, am Freitagabend eigentlich "Des Kaisers Weine" vorstellen - mit "Anekdoten und Geschichten aus dem Fass, aber auch vom Fußballfeld".

Die dunklen Schatten der Vergangenheit aber zwangen die einstige Lichtgestalt, sich zu verkriechen. Beckenbauer sagte die ausgebuchte Veranstaltung lieber ab. Die Durchsuchung seines Anwesens in Salzburg und die offizielle Bekanntgabe der Schweizer Ermittlungen im WM-Skandal 2006 lassen das Denkmal des damaligen Organisationschefs weiter in sich zusammenfallen. An der in der Einladung nach Zürich angepriesenen Möglichkeit, Beckenbauer "persönlich kennenzulernen", haben seit Monaten vor allem die Behörden Interesse. Dem "Kaiser" drohen harte strafrechtliche Konsequenzen.

Bundestag begrüßt Verfahren

"Die Fragen rund um die WM 2006 sind bisher von den Beteiligten nicht wirklich beantwortet worden", sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag: "Der Fall zeigt einmal mehr, dass es (...) insbesondere staatliche Ermittlungsbehörden sind, die die entsprechenden Befugnisse und Instrumente haben, um Licht ins Dunkel zu bringen."

Immerhin ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) schon seit November 2015. Verdächtigt werden neben Beckenbauer auch die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der ehemalige Generalsekretär Horst R. Schmidt. Sie sollen "durch Vorspiegelung und Unterdrückung von Tatsachen arglistig irregeführt haben", was den Deutschen Fußball-Bund (DFB) letztlich "am Vermögen schädigte", lautet der Vorwurf der BA. Gleichwohl gelte für alle die Unschuldsvermutung.

Konkret geht es um die 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee über den Weltverband Fifa mutmaßlich an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden sind. Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor offenkundig in Form von Vorleistungen von Beckenbauer und Louis-Dreyfus an den früheren Fifa-Skandalfunktionär Mohamed Bin Hammam nach Katar geflossen. Der weiterhin ungeklärte Zweck dieser Zahlungen ist der Kern der gesamten Affäre.

Zwanziger reagiert mit seinem Anwalt

Zwanziger ging nun in die Offensive. Der streitbare Ex-Funktionär ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass ihn die Eröffnung des Strafverfahrens in "seiner Ehre und seinen Rechten" verletzte. "Wir werden deshalb Strafanzeigen gegen die Schweizer Ermittler sowohl bei der dortigen Bundesanwaltschaft als auch bei den deutschen Strafverfolgungsbehörden stellen", ließ Zwanziger ausrichten. Zudem seien die Ermittlungen in der Schweiz rechtswidrig.

Dem Fußball droht ohnehin ein belastender Rechtsstreit. Würde gegen Beckenbauer in der Schweiz Anklage erhoben, müsste seine Wahl-Heimat Österreich das Idol ausliefern. In Deutschland wäre der Weltmeister-Kapitän von 1974 und Weltmeister-Teamchef von 1990 dagegen "sicher": Eigene Staatsbürger werden von praktisch keinem europäischen Land vor fremde Gerichte geschickt und in Deutschland außerdem durch das Grundgesetz geschützt.

Ermittelt auch das FBI?

Die BA wird über die Ermittlungen gegen das deutsche Quartett auch die Rolle der Fifa weiter beleuchten. Bei den acht Razzien, die von den Ermittlern bestätigt wurden, sollen auch die Häuser früherer Weltverbands-Funktionäre gewesen sein. Die Gretchenfrage bleibt, wo die Bin-Hammam-Millionen einst versandet sind. Angeblich ermittelt wegen Verbindungen zum Fifa-Korruptionsskandal selbst die US-Bundespolizei FBI, die für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen war.

Der Schweizer Tagesanzeiger berichtete schon, dass auch das Anwesen von Beckenbauers "Schattenmann" Fedor Radmann durchsucht worden sei. Der Berater soll bei Millionenzahlungen von der Fifa an Beckenbauer, der damals im Exekutivkomitee saß, zwischen 2008 und 2011 zwischengeschaltet gewesen sein.

Die Schweizer Behörden hatten im Zuge der Verhaftungswellen im vergangenen Jahr mehrere Terabyte Daten in der Fifa-Zentrale gesichert, es geht vor allem um den Verdacht der Geldwäsche.

Quelle: n-tv.de, Jan Mies, sid

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