Fußball

Die Lehren des 18. Spieltags Das ist ganz schön krank, oder?

Mit aberwitziger Wucht schlägt Borussia Dortmunds Winter-Sturm-Schnäppchen Erling Haaland in der Fußball-Bundesliga ein - und fasziniert sich dabei sogar selbst. Weniger fasziniert ist Hansi Flick, dabei kantert sein FC Bayern in Berlin.

1. Der Wunder-Norweger verblüfft sogar sich selbst

Da musste sich wohl ganz Augsburg mehrfach schütteln. Der FCA führte im Spiel gegen Borussia Dortmund erst 1:0 (Niederlechner, 34.) - erstes Schütteln. Dann führten die Augsburger 2:0 (Richter, 46.) - zweites Schütteln. Nach dem Anschlusstreffer von Julian Brandt (49.) erhöhte erneut Florian Niederlechner sogar auf 3:1 (55.) - drittes Schütteln. Der Tabellenzehnte hatte den Meisterschaftskandidaten souverän im Griff. Bis, ja bis eben Erling Braut Haaland eingewechselt wurde (56.). Der BVB-Neuzugang brauchte keine Eingewöhnungszeit in der für ihn neuen Fußball-Bundesliga. Nach nur drei Minuten traf der 19-Jährige zum 3:2, in der 70. und 79. schoss der Norweger weitere zwei Tore. Da mussten sich die Augsburger noch einmal schütteln. Der blonde Hüne hatte sie einfach so an die Wand gespielt. Augsburgs Coach Martin Schmidt sprach von einem "Haaland-Schock".

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Und der Norweger? Der sagte nach dem Spiel: "Ich habe nicht von drei Toren geträumt, sondern nur von zwei." Wie bescheiden! Überhaupt reagierte er erstaunlich gelassen auf alles, was nach seinem Traum-Einstand auf ihn einprasselte. "Ich bin sehr entspannt, weiß auch nicht, warum. Aber das ist ganz schön krank, oder nicht?" Mit der Ansicht war er nicht allein, schließlich hatte Haaland gerade einige Rekorde gebrochen: In nur 23 Minuten schnürte er einen Dreierpack - das hatte noch kein Debütant zuvor geschafft. Mit nur drei Torschüssen erzielte er drei Tore - das schaffte zuletzt Bayers Joel Pohjanpalo im Jahr 2016. Nur Walter Bechtold (Eintracht Frankfurt) war im Jahr 1965 jünger als Haaland jetzt, als er einen Dreierpack erzielte. Der 19-Jährige war zudem erst der siebte Liga-Debütant, dem zum Einstand drei Tore gelangen - das hatte zuletzt sein BVB-Vor-Vorgänger Pierre-Emerick Aubameyang im Jahr 2013 erreicht, ebenfalls in Augsburg. So dürfte es für Haaland sicher gern weitergehen. Aber er ist ja bescheiden und so würden ihm im kommenden Spiel gegen den 1. FC Köln (Freitag, 20.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) womöglich immer noch zwei Tore reichen.

2. Der FC Bayern scheint gewappnet

Das Ergebnis war dann doch klarer, als es das Spiel eigentlich hergab. Obwohl: Ein gutes Pferd springt selten höher, als es muss. Und dem FC Bayern hat zum Start in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga nun einmal eine sehr ansehnliche halbe Stunde locker gereicht, um eine in sich zusammenbrechende Hertha völlig verdient mit 4:0 zu besiegen. Am Ende durften die Berliner gar froh sein, nicht noch höher verloren zu haben. Bleibt nur die Frage, wie aussagekräftig dieses Spiel im ausverkauften Olympiastadion war, was den Kampf um die deutsche Meisterschaft betrifft. Gut, die Münchner sind in der Tabelle auf Platz zwei geklettert. Der Rückstand auf RB Leipzig beträgt aber weiter vier Punkte.

Und so machte Trainer Hans-Dieter Flick auch keinen allzu euphorisierten Eindruck und ordnete das Geschehene gewohnt sachlich ein. Er war zufrieden: Damit, dass seine Mannschaft einen guten Start hingelegt hat und damit, dass sie gegen defensive Berliner geduldig genug war, auf ihre Chancen zu warten. Er ist sich aber bewusst, dass damit noch nichts gewonnen ist. Noch seien 16 Partien zu spielen. "Und wir wissen natürlich, dass jedes Spiel seine eigenen Gesetze hat." Was er vermutlich damit sagen wollte: So leicht wie gegen die Berliner wird es nicht immer. Nicht gegen den FC Schalke 04 am kommenden Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de). Mutmaßlich nicht einmal in der Woche drauf, wenn es zum 1. FSV nach Mainz geht. Und erst recht nicht, wenn dann am 21. Spieltag im eigenen Stadion der Ligagipfel gegen die Leipziger ansteht. Der erste Eindruck in diesem Jahr ist, dass die Bayern trotz aller verletzten Spieler durchaus gewappnet scheinen. Thomas Müller etwa, Schütze des ersten, wegweisenden Tores, ist in einer sehr guten Form. In den acht Ligaspielen unter Flick gelangen dem ehemaligen Nationalspieler drei Treffer und acht Vorlagen. Nun hatte der Trainer ja in der Winterpause, ob der vielen Verletzten nicht ganz unbegründet, neue Spieler gefordert. Ein Ansinnen, das Sportdirektor Hasan Salihamidzic mehr oder weniger abgelehnt hatte. Vielleicht aber ist es so, dass die Münchner auch mit dem bestehenden Kader titelreif sind.

3. Die Herthaner sollten wieder nach unten schauen

Seitdem Jürgen Klinsmann seit Ende November als Trainer und verlängerter Arm des Investors Lars Windhorst wirkt, haben die Berliner eine durchaus respektable Bilanz vorzuweisen. Vor der klaren Niederlage gegen den FC Bayern hatten sie aus fünf Spielen acht Punkte geholt, waren viermal hintereinander unbesiegt geblieben, hatten dreimal in Folge kein Gegentor kassiert. Und Klinsmann, der in der Winterpause nochmals seine hochtrabenden Visionen von einem Großstadtklub Hertha BSC mit internationaler Reputation erläutert hatte, lag nicht falsch, wenn er am Sonntagabend konstatierte, dass es eher darum gehe, gegen die Konkurrenz aus der unteren Hälfte der Tabelle zu gewinnen.

Genau genommen befindet sich die Hertha im unteren Drittel. Die Gefahr des Abstiegs ist längst nicht gebannt, trotz besagter respektabler Bilanz. Zwischen den Berlinern und dem SV Werder Bremen auf Relegationsrang 16 liegen gerade einmal zwei Punkte. Und so appellierte der Trainer auch an seine Spieler, sich nicht allzu lange mit dem 0:4 ("Natürlich kann man gegen den FC Bayern verlieren") zu beschäftigen, zumal ja nicht alles schlecht gewesen sei. In der Tat stand die Defensive lange solide, aber eben nur eine Stunde. Klinsmann lobte den Einsatzwillen und die Bereitschaft seines Teams, alles zu geben. "Da ist richtig guter Esprit, der Esprit ist da." Der Mann bleibt auch in der Niederlage optimistisch. Sein Tipp ans Team: Es soll sich ab sofort auf das Spiel beim VfL Wolfsburg am kommenden Samstag konzentrieren. Prima Idee.

4. Petersen rächt sich an Löw

So böse Hintergedanken hat Nils Petersen ganz bestimmt nicht. Aber wäre man gemein und nachtragend, könnte man dem Stürmer des SC Freiburg unterstellen, dass er sich an Bundestrainer Joachim Löw gerächt hat. Der will ihn schließlich einfach nicht für die Nationalmannschaft. Zuletzt hatte Löw ihn vor der WM 2018 aussortiert. Und was machte der Ignorierte? Petersen hat mit seinem Tor gegen den FSV Mainz 05 (2:1) den 84. Treffer für seinen Klub erzielt - und damit eine neue Bestmarke aufgestellt. Die alte stammte tatsächlich noch von Löw. "Ich glaube, der Bundestrainer kann es verkraften", sagte der 31-Jährige nach dem Spiel. "Der hat viele andere Sachen erreicht."  

Richtig gefreut hat sich Trainer Christian Streich über den Coup seines Toptorjägers. "Nils ist eine große Persönlichkeit, auf und neben dem Platz", lobte er und betonte: "Der Jogi freut sich selbstverständlich, weil er ja auch von uns kommt." Schließlich trägt Petersen maßgeblich dazu bei, dass der SC Freiburg nach wie vor von der Europa League träumen kann. Mit 29 Punkten liegen die Breisgauer auf Platz sieben der Tabelle. Und Petersen versprach: "Ich habe ja noch etwas Vertrag. Vielleicht kann man da noch eine andere Zahl anpeilen."

5. Gregoritsch - vom Aussortierten zum Märchenprinzen

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Michael Gregoritsch, ein königsblauer Märchenprinz.

(Foto: dpa)

Michael Gregoritsch muss sich vorkommen wie in einem Märchen - mit ihm in der Hauptrolle. Als Neuzugang durfte er beim FC Schalke 04 gleich von Beginn an gegen Borussia Mönchengladbach ran. Er zahlte das Vertrauen in ihn zurück - mit einer Torverhinderung, einer Vorlage und einem Tor. Damit war der Österreicher gleich an beiden Toren zum 2:0-Sieg gegen den Tabellenzweiten beteiligt. Überhaupt: Durch seinen Wechsel spielt der 25-Jährige erstmals ganz oben in der Liga mit. Das konnte der Österreicher zuvor in Augsburg oder Hamburg nicht behaupten. Und so sagte er: "Das ist ein schönes Gefühl, was ich bislang auch noch nicht gekannt habe - im oberen Tabellendrittel zu sein, nach München zu fahren und zu wissen, dass das ein Spitzenspiel ist."

Die bayerische Landeshauptstadt ist nämlich das nächste Ziel der Schalker (Samstag, 18.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de). Und so wie er aufgetreten ist, dürfte Gregoritsch wohl wieder von Trainer David Wagner in die Startelf berufen werden. Zumal der seinen Torschützen lobte: "Im Moment schreit keiner Hurra, wenn er gegen uns spielt. Einen besseren Einstand kann es für Gregoritsch nicht geben, er hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht, hat sich eingereiht." Was für eine Wendung seiner Karriere, die schon festgefahren schien. Sein letztes Bundesliga-Spiel hatte er am 3. November absolviert, in der ganzen Saison erst 303 Minuten gespielt. Sein Wechsel zum abstiegsgefährdeten Werder Bremen scheiterte noch an der Ablöse - was für ein Glück für Gregoritsch!

6. Werder Bremen sucht irgendeinen Verteidiger

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Kevin Vogt erlitt in der Schlussphase der Partie eine Gehirnerschütterung.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Kennt vielleicht jemand wen, der jemanden kennt, der schon mal in der Verteidigung einer Fußballmannschaft gespielt hat? Sachdienliche Hinweise nimmt der SV Werder Bremen gerne entgegen! Zwar siegte das Team von Florian Kohfeldt gegen Fortuna Düsseldorf mit 1:0, doch die Aussicht auf das kommende Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim (26. Januar, 15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) ist bitter: Neuzugang Kevin Vogt erlitt in der Schlussphase der Partie eine Gehirnerschütterung - und zum Glück nichts Schlimmeres, nachdem er ohnmächtig mit Halskrause abtransportiert worden war. Doch er wird wohl gegen Hoffenheim fehlen.

Definitiv nicht dabei sein wird Kapitän Niklas Moisander, der wegen Meckerns Gelb-Rot gesehen hatte. Ömer Toprak, dritter Mann der Dreier-Abwehr, musste nach 71 Minuten vom Platz, weil er nach seiner Verletzungspause noch nicht wieder durchspielen kann. Verletzt sind zudem die Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie und Michael Lang sowie Linksverteidiger Ludwig Augustinsson. Viele Alternativen bleiben da nicht mehr übrig. Gut, dass die Vorderleute mit vollem Einsatz dabei sind. "Wir haben unser Tor verteidigt, als sei es unser letztes Spiel", sagte Mittelfeldmann Leonardo Bittencourt nach dem Sieg, bei dem Werder erstmals in dieser Saison kein Gegentor kassierte. Kohlfeldt sagte: "Es ging in diesem Spiel um den Klassenverbleib um sehr viel, da war es wichtig, dass die Mannschaft die Basics mitbringt. Aber jetzt geht es knallhart weiter." Stimmt, vor allem mit dieser Verteidigung.

Herbstmeister RB Leipzig führt nach dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin die Tabelle der Fußball-Bundesliga weiterhin an. Der FC Bayern nutzt die Niederlage von Borussia Mönchengladbach und springt dank des 4:0-Erfolgs bei Hertha BSC auf Platz zwei.

Quelle: ntv.de