Fußball

Hoyzer-Erinnerungen in Paderborn Das pikante Pokalspiel des blauäugigen HSV

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Anno 2004: Schiedsrichter Hoyzer (r.) manipuliert das Pokalduell zwischen Paderborn und dem HSV rund um Barbarez (l.).

(Foto: dpa)

Das Pokal-Viertelfinale zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV weckt Erinnerungen an einen Fußballskandal. Wichtiger aber ist, dass das Duell sportlich viel zu bieten hat. Als Schiedsrichter hat der DFB einen Polizisten abgestellt.

Der Hamburger SV ist angezählt. "Wir sind noch mal mit einem blauen Auge davongekommen", räumte Sportvorstand Ralf Becker nach dem glücklichen 0:0 beim VfL Bochum am vergangenen Samstag ein. Das Remis in der 2. Fußball-Bundesliga war nicht nur "schwere Kost", wie Becker zugab. Es dürfte auch Motivation sein - für den Ligakonkurrenten SC Paderborn. Der will heute gegen den HSV im Pokal-Viertelfinale (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) für eine Überraschung sorgen und erstmals in seiner Geschichte ins Halbfinale einziehen.

SC Paderborn - Hamburger SV

SC Paderborn 07: Ratajczak - Dräger, Schonlau, Strohdiek, Collins - Vasiliadis - Tekpetey, Klement, Antwi-Adjej - Zolinski, Michel. Trainer: Baumgart
Hamburger SV: Pollersbeck - Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos - Janjicic - Narey, Özcan, Mangala, Jatta - Lasogga. Trainer: Wolf
Schiedsrichter: Welz

Paderborn gegen HSV im DFB-Pokal - da war doch was. Richtig, vor knapp 15 Jahren gab es diese Partie schon einmal im Pokal. Damals hatten die drittklassigen Paderborner den Bundesligisten aus Hamburg mit 4:2 aus der ersten Runde des Wettbewerbs geworfen - mit tatkräftiger Unterstützung von Schiedsrichter Robert Hoyzer, der das Spiel im August 2004 unter anderem mit zwei Elfmeterentscheidungen und einer Roten Karte zugunsten des SC Paderborn und auf Geheiß von Wettmafiosi verschoben hatte. Wenig später flog der Betrug als Teil eines bundesweiten Manipulationsskandals auf. Der damals benachteiligte HSV-Spieler Sergej Barbarez bezeichnete diesen Tag im "Kicker" als einen "Tiefpunkt für den deutschen Fußball". Nun muss sein Ex-Klub also wieder an den Schauplatz eines seiner größten Traumata reisen.

Die denkwürdige Pokalhistorie dieser Begegnung dürfte an diesem Abend allerdings kaum eine Rolle spielen, zumal keiner der damals Beteiligten mehr dabei ist. Um ganz sicher zu gehen und kriminellen Machenschaften vorzubeugen, hat der DFB Tobias Welz mit der Spielleitung betraut - der Schiedsrichter vom FC 1934 Bierstadt ist hauptberuflich Polizist. Und einen Videoschiedsrichter gibt's ja auch noch.

"Das ist ein geiles Spiel"

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Rothose Rick van Drongelen erwartet "ein geiles Spiel".

(Foto: imago images / Sven Simon)

Mindestens genauso erfreulich ist, dass die Partie trotz der Zweitklassigkeit beider Klubs aus mehreren Gründen zu den sportlichen Höhepunkten dieser Pokalrunde zählt. Das liegt unter anderem daran, dass sich zwei Aufstiegsaspiranten duellieren: Der HSV belegt Platz zwei mit 51 Punkten, der SCP liegt mit neun Zählern weniger auf Rang vier. Hinzu kommt: Während dem 1. FC Heidenheim morgen Abend beim FC Bayern München nur eine Außenseiterchance zuteilwird (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), wird in der Paderborner Arena definitiv ein Zweitligist ins Halbfinale einziehen. Den Hamburger Innenverteidiger Rick van Drongelen freut's: "Das ist ein geiles Spiel für beide Vereine. Keiner hätte vor der Saison gedacht, dass der HSV oder Paderborn das Halbfinale erreichen."

Viele hätten aber auch nicht gedacht, dass sich die Hamburger in der ersten Zweitligasaison ihrer Geschichte so schwertun. Und so ist die derzeitige Situation auch ohne das Hoyzer-Trauma pikant. Verliert der HSV sein Pokalspiel, steckte dieser in einer Mini-Krise: In der Liga zeigt die Formkurve nach dem 0:0 in Bochum und der vorherigen 2:3-Heimniederlage gegen Darmstadt nach unten und die knapp 2,7 Millionen Euro für das Erreichen des Halbfinals wären auch passé. Bisher konnten sich die hochverschuldeten Hanseaten glücklich schätzen, im Pokal mit dem Fünftligisten TuS Erndtebrück, dem Drittligisten SV Wehen Wiesbaden und dem taumelden Erstligisten 1. FC Nürnberg den großen Kalibern der Nation aus dem Weg zu gehen. Nun wartet der SC Paderborn.

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Trainer Steffen Baumgart will mit dem SC Paderborn den Hamburger SV aus dem Pokal schmeißen.

(Foto: imago images / Matthias Koch)

"Da wird viel Wucht auf uns zukommen", sagte HSV-Trainer Hannes Wolf. Das deutet nicht nur die zweitbeste Offensive der Liga mit 61 Toren an. Wer am vergangenen Samstag den Auftritt der Paderborner beim 1. FC Union Berlin gesehen hat, kann Wolf ebenfalls nur beipflichten. Mit temporeichem Spiel und gefährlichen Torraumszenen überforderten die Ostwestfalen die Eisernen und fuhren schließlich einen 3:1-Auswärtssieg ein. Dabei saßen die drei Paderborner Nationalspieler Mohamed Dräger, Jamilu Collins und Bernard Tekpetey nur auf der Bank. "Mit dem Gedanken an Hamburg und an die Reisestrapazen der drei Jungs war das schon länger unser Plan", erklärte ihr Trainer Steffen Baumgart.

Und was hat er für das heutige Pokalduell ausgeheckt? "Wir werden mit dem HSV auf Augenhöhe spielen, es wird sicherlich ein offener Schlagabtausch", sagte er und machte deutlich, dass die Millionenprämie für ihn nebensächlich sei: "Es gibt eine Menge Geld, aber es geht darum, etwas zu leisten. In zehn Jahren spricht niemand mehr vom Geld, aber davon, dass wir ins Halbfinale gekommen sind." Der HSV allerdings möchte eine weitere bittere Pokalerfahrung in Paderborn unbedingt verhindern und so Selbstvertrauen für den Saisonendspurt tanken. Notfalls erneut mit blauem Auge.

Quelle: n-tv.de

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