Fußball

"Ein geiles Gefühl" Der BVB eröffnet Titelkampf mit Vollgas-Gala

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Fünf Tore schoss der BVB gegen Augsburg - es hätten auch noch mehr sein können.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Ein Blitzgegentor nach 31 Sekunden? Kann Borussia Dortmund zum Bundesliga-Start nicht schocken. Gegen den FC Augsburg zelebriert der BVB beim Hummels-Comeback mitreißenden Vollgas-Fußball. Das gesamte Team brilliert - wie ein echter Meisterschaftsanwärter.

Wer explizite Feldstudien betreiben wollte, wie signifikant sich die Hierarchie in der Mannschaft von Borussia Dortmund in den vergangenen Wochen verschoben hat, der war in der 78. Minute der Bundesligapartie zwischen Borussia Dortmund und dem FC Augsburg genau richtig: Als Kapitän Marco Reus den Rasen des Dortmunder Stadions verließ, übergab er die Binde an Axel Witsel. So weit so gut, schließlich war der belgische Nationalspieler in der vergangenen Saison das zweite Alphatier in der Mannschaft des BVB. Doch der Chef im defensiven Mittelfeld mit dem beeindruckenden Afrolook streifte sich das für die Rangfolge im Team so wichtige kleine Textil nicht etwa über den Arm, sondern reichte es an Mats Hummels weiter.

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Wieder da in Dortmund - und freundlich begrüßt: Mats Hummels.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Es war ein weiterer Hummels-Hingucker in einem Spiel, in dem ohnehin galt: Alle Augen auf Mats. 1190 Tage nach seinem letzten Heimspiel in Schwarz-Gelb stand Rückkehrer Hummels natürlich im Fokus. Der ehemalige Kapitän hatte sich in Dortmund nicht gerade beliebt gemacht, als er vor drei Jahren ausgerechnet beim so innig verachteten Rekordmeister aus München anheuerte. Nun ist er also wieder da. Und dafür, dass er von den Fans in der Gelben Wand der Südtribüne zur Persona non grata erklärt worden war, fiel der Empfang für den neuen alten Abwehrchef ausgesprochen freundlich aus.

Ziel: Siegermentalität reinbringen

Der Weltmeister von 2014 weiß das zu schätzen, er will jede Menge zurückgeben. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch außerhalb des Spielfelds: "Es ist schon mein Anspruch, Siegermentalität reinzubringen", verkündete Hummels vor Saisonbeginn, wobei er sich auf die Expertise stützen kann, die er beim Branchenführer aus erster Hand erfahren konnte: "Man muss anerkennen, dass die Siegermentalität in München nicht die schlechteste ist. Das sieht man seit mehr als 40 Jahren. Es muss Ziel sein, diese Haltung jetzt auch in Dortmund reinzubekommen."

Dortmund - Augsburg 5:1 (1:1)

Tore: 0:1 Niederlechner (1.), 1:1 Paco Alcacer (3.), 2:1 Sancho  (51.), 3:1 Reus (57.), 4:1 Paco Alcacer (59.), 5:1 Brandt (82.)

Dortmund: Hitz - Piszczek (68. Hakimi),  Akanji, Hummels, Schulz - Weigl, Witsel - Sancho, Reus (78. Mario  Götze), Hazard (68. Brandt) - Paco Alcacer. - Trainer: Favre
Augsburg: Koubek - Teigl, Suchy, Khedira, Pedersen - Gruezo,  Baier - Hahn (60. Richter), Gregoritsch (77. Oxford), Vargas (83.  Jensen) - Niederlechner. - Trainer: Schmidt

Schiedsrichter: Willenborg
Zuschauer: 81.365 (av)

Torschüsse: 24:5
Ecken: 10:0
Ballbesitz: 72:28 %
Zweikämpfe: 81:85

Nach dem ersten Spieltag kann der Beobachter durchaus auf den Gedanken kommen, dass der BVB auf einem ziemlich guten Weg ist. Während der Meister aus dem Süden beim Auftakt gegen Hertha BSC strauchelte, fertigten Hummels, Reus und Co. weitgehend überforderte Augsburger vor 81.365 Besuchern im ausverkauften Dortmunder Stadion nach Treffern von Paco Alcácer (2), Jadon Sancho, Marco Reus und Julian Brandt mit 5:1 (1:1) ab, übernahmen die Tabellenführung - und lieferten dabei vor allem in der mitreißenden zweiten Halbzeit eine Gala ab, die Lust auf mehr macht.

Mittelfeldspieler Julian Weigl sprach nach dem Abpfiff von einem "geilen Gefühl. Besser hätten wir nicht starten können." Das Remis der Bayern am Abend zuvor habe die Mannschaft "umso mehr angespornt, gleich mal ein Zeichen zu setzen". Das gelang eindrucksvoll. Während die Fans im größten Stadion der Republik feierten, herrscht in Augsburg Katerstimmung. Eine Woche nach dem peinlichen Pokal-Aus im ostwestfälischen Verl kamen die Schwaben im Revier gehörig unter die Räder. Kapitän Daniel Beier fasste das Spielgeschehen ebenso drastisch wie pointiert zusammen: "Die haben mit uns Katz und Maus gespielt, wir haben hier richtig auf die Fresse bekommen." Sein Trainer Martin Schmidt fasste das Geschehen ein wenig nüchterner zusammen: "Das war ein sehr guter Gegner, der auch in dieser Höhe verdient gewonnen hat."

Augsburg führt - und kollabiert

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Auf den Blitzrückstand folgte der BVB-Blitzausgleich - danach lief das Spiel nur noch in eine Richtung.

(Foto: imago images / Team 2)

Die Augsburger schlichen wie geprügelte Hunde vom Rasen, dabei hatte das Spiel doch so fulminant für sie begonnen. Es waren gerade Mal 31 Sekunden gespielt, da lag der Ball bereits im Dortmunder Netz, weil die Gastgeber sich hatten übertölpeln lassen. Nach Pass von Mads Pedersen musste Niederlechner nur noch den Fuß hinhalten. Der BVB schüttelte sich und schlug nur wenige Sequenzen später zurück. Paco Alcácer - wer sonst - erzielte nach einer Ballstafette über Sancho und Reus den frühen Ausgleich. Ab diesem Zeitpunkt war die Begegnung eine frappierend einseitige Angelegenheit.

In der ersten Hälfte konnten die Augsburger das Ergebnis mit etwas Geschick und noch viel mehr Glück halten, doch es war nur eine Frage der Zeit, wann die Tore für die überaus überlegenen Dortmunder fallen würden. "Wir haben nach vorn eine Riesen-Qualität, wenn wir als Mannschaft verteidigen und den Ball erobern", sagte Mittelfeldakteur Julian Weigl.

"Meisterschaft mal mutig anpacken"

In Dortmund herrscht eine Euphorie, die ausgeprägter kaum sein könnte. Genau das sind die Situationen, in denen sich Trainer Lucien Favre in seiner Lieblingsrolle als ewiger Mahner bewähren kann. Auch nach dem Kantersieg zu Saisonbeginn blieb sich der Schweizer treu. "Wir müssen jeden Tag arbeiten", betonte der 61-Jährige, "damit die Spieler Fortschritte machen. Individuell und kollektiv."

Für die Konkurrenz muss das nach diesen fulminanten 90 Minuten wie eine Drohung klingen. Immerhin, mit Michael Zorc weiß Favre einen Bruder im Geiste an seiner Seite. Die Frage, ob diese Ouvertüre ein Fingerzeig für den weiteren Saisonverlauf sei, konnte dem Sportdirektor nicht mehr als ein müdes Lächeln entlocken: "Wir sind am ersten Spieltag, da brauchen wir doch nicht zu rechnen." Weigl geht mit dem Dortmunder Ist-Zustand wesentlich offensiver um: "Das ist ein toller Verein mit einem tollen Kader. Da kann man das Thema Meisterschaft auch mal mutig anpacken."

Quelle: n-tv.de

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