Fußball

Gipfel mit Leipzig auf Augenhöhe Der FC Bayern beraubt sich seiner Stärke

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"Nicht viel passiert": Benjamin Pavard, Thiago Alcántara und Thomas Müller.

(Foto: imago images/MIS)

Im Spitzenspiel gegen RB Leipzig verliert der FC Bayern in der zweiten Halbzeit etwas den Faden, der deutsche Fußballmeister erweist sich wieder einmal als Teilzeitsouverän. Am Ende sind beide Mannschaften zufrieden, weil sie ihre Positionen in der Tabelle festigten.

Die Wege im Münchner Fußballstadion sind in der Regel vorgegeben. Rechts herum geht es für die Spieler des Gegners, links herum für die des FC Bayern. Wer in Richtung Ausgang dabei ist, falsch abzubiegen, wird meist von einem freundlichen Ordner darauf hingewiesen. Vielleicht ist diese Trennung ganz gut, herrscht doch oft auf der einen Seite eine andere Sicht der Dinge als auf der anderen. Wenn das Spiel eine enge Angelegenheit gewesen ist, eine auf Augenhöhe, gebietet es die Überzeugung von der eigenen Stärke, sich als bessere Mannschaft zu sehen - und mit einem Unentschieden hadert meistens jeder.

Nach dem 0:0 im Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem Rekordmeister und dem ersten Verfolger RB Leipzig klangen die Aussagen hüben wie drüben allerdings erstaunlich ähnlich, das Ergebnis ließ beinahe alle nach dem Duell des Fußball-Establishments mit dem Emporkömmling zufrieden nach Hause gehen. Allein Timo Werner auf der einen und Leon Goretzka auf der anderen Seite haderten ein wenig, weil sie eine Großchance vergaben.

"Es ist nicht viel passiert", sagte Münchens Kapitän Manuel Neuer. Mit Blick auf die Tabellenspitze gar nichts, die Bayern liegen weiter einen Punkt vor Leipzig. "Unsere Position ist nicht schlechter geworden", stellte auch Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi fest. Die Sachsen, die zum ersten Mal in München gepunktet haben, scheinen sich in der Rolle des Jägers wohler zu fühlen als in der des Gejagten, mit der sie in die Winterpause gingen und bis zum vergangenen Spieltag innegehabt hatten. "Als Titelanwärter Nummer eins gehandelt zu werden, hat uns vielleicht nicht gut getan", gab Werner angesichts der kleinen Schwächephase in der Rückrunde zu. Bei den Bayern ist es genau andersherum.

"So ein bisschen das Mutige" gefehlt

Der Haussegen hängt schief, wenn sie nicht ganz oben stehen. Und sie sind es gewohnt, der Top-Favorit zu sein und können damit bestens umgehen. "Es war viel drin, aber auch nichts drin", fasste Thomas Müller das Spiel feinsinnig zusammen. Nein, beide Teams haben sich schon bemüht, die Partie für sich zu entscheiden, phasenweise zumindest. Leipzig war allerdings zunächst nur darauf bedacht, keinen Treffer zu kassieren, verteidigte mit einer Fünferkette und zeigt nur geringes Interesse an frühem Pressing, um dem Gegner den Ball abzujagen. Nach der Pause änderte Trainer Julian Nagelsmann die Taktik und das brachte den FC Bayern aus dem Konzept, wie schon zuletzt gegen Mainz und Hoffenheim gerieten sie in Bedrängnis. RB hat "über den ganzen Platz Mann gegen Mann gespielt", wie Neuer sagte. Beim Tabellenführer habe "die Beweglichkeit und so ein bisschen das Mutige" gefehlt.

Dass man bewusst Tempo aus der Partie genommen hat, um das schnelle Umschaltspiel des Gegners zu unterbinden, hatte für Müller auch Nachteile: "Wir haben uns dabei unserer Stärken, unserer Impulse beraubt", fand er. Trainer Hansi Flick sah für die Probleme seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte einen anderen Grund. Nach Pause, fand er, "ist ein bisschen die Seriosität in unserem Spiel abhandengekommen". Das führte dazu, dass Leipzig plötzlich dominierte und ein paarmal so gefährlich vor dem Bayern-Tor auftauchte, dass der sonst so besonnene Neuer einmal fuchsteufelswild wurde. In der letzten Viertelstunde legte sich der Sachsen-Sturm wieder etwas. Man habe "dann das Gefühl gehabt, dass keiner mehr All-In gehen wollte", sagte Müller fest. Dazu habe "diese Energie, dieser Siegeswillen" gefehlt.

Es mag schon hochklassigere Gipfeltreffen gegeben haben als das von zu vielen Ballverlusten, unpräzisen Zuspiele und Hektik geprägte am 21. Spieltag. Aber es hat der Konkurrenz gezeigt, dass die Sorge unbegründet ist, die Bayern könnten nun, nachdem sie sich ihren Lieblingsplatz zurückerobert haben, davonziehen in der Tabelle. "Es tut dem deutschem Fußball und der Bundesliga gut, dass viele Mannschaften oben mitspielen", findet Gulacsi. Die Bayern können damit ganz gut leben - solange sie am Ende oben stehen.

Der FC Bayern bleibt also Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Und das finden die Münchner gut. Ein wenig hadern sie aber schon damit, dass sie im Spitzenspiel des 21. Spieltags gegen Leipzig nicht gewinnen können. Ein (kleiner) Gewinner dieses Spiels ist der BVB. Hier geht's zum Schnellcheck des Kollegen Tobias Nordmann.

Quelle: ntv.de