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Kovacs Plan in Liverpool glückt Der FC Bayern verbietet sich die Euphorie

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Zufrieden, aber nicht euphorisch: die Liverpool-erfahrenen Funktionäre des FC Bayern - Rummenigge und Hoeneß.

(Foto: imago/ULMER Pressebildagentur)

Nach dem Remis beim FC Liverpool ist der FC Bayern zufrieden. Die Fußballer von Trainer Kovac haben seinen Plan umgesetzt. Doch obwohl es in der Champions League, der Bundesliga und im DFB-Pokal nicht so schlecht aussieht, warnt der Vorstandschef. Oder eben drum.

Natürlich weiß Karl-Heinz Rummenigge, wie es läuft. Er ist ja nicht nur der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG, sondern war selbst ein ebenso guter wie erfolgreicher Fußballprofi. Das ist lange her, so lange, dass er am 8. April 1981 dabei war, als sich die Münchner im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister ein 0:0 beim FC Liverpool erkämpften. Knapp 38 Jahre später ist ihnen das wieder gelungen.

FC Liverpool - FC Bayern München 0:0

Liverpool: Becker - Alexander-Arnold, Matip, Fabinho, Robertson - Wijnaldum, Henderson, Keita (76. Milner) - Salah, Firmino (76. Origi), Mané. Trainer: Klopp
München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Martínez, Thiago - Gnabry (90.+1 Rafinha), James (88. Sanches), Coman (81. Ribéry) - Lewandowski. Trainer: Kovac
Schiedsrichter: Rocchi (Italien)
Gelbe Karten: Henderson (55.) - Kimmich (28.)
Zuschauer: 52.250

Die einzigen Unterschiede sind, dass es das Hinspiel des Achtelfinals war, der Wettbewerb nun Champions League heißt und es inzwischen eine von Rummenigges wichtigsten Aufgaben ist, nach internationalen Spielen beim mitternächtlichen Bankett im Mannschaftsquartier die Lage der Dinge zu kommentieren. Was er dann am sehr späten Dienstagabend im Hotel Titanic mit Blick auf den River Mersey und mit Mannschaftskoch Alfons Schuhbeck im Rücken auch tat.

Europas bester Fußballer der Jahre 1980 und 1981 spielte übrigens seinerzeit im Sturm und hätte kurz vor der Pause das 1:0 für die Bayern erzielen können. Der "Kicker" war der Meinung, er hätte es tun müssen und urteilte: "Der Rummenigge des letzten Jahres hätte sich diese Möglichkeit wohl nicht entgehen lassen." Das war aber nicht der Grund, warum er an das bisher vorletzte Spiel der Bayern an der Anfield Road erinnerte. Sondern: "Ich warne davor, jetzt mit zu viel Euphorie in das Spiel in drei Wochen in München zu gehen. Wir haben das mal erlebt, Uli Hoeneß und ich. Nullnull auch im Hinspiel und dann leider im Rückspiel nur 1:1." Liverpool war dank der Auswärtstorregel ins Finale eingezogen, Rummenigge und der jetzige Klubpräsident, seinerzeit seit zwei Jahren Manager, waren raus.

"Trainer hat die Mannschaft erstklassig eingestellt"

Der Vorstandschef sagte aber auch: "Ich denke, mit diesem Ergebnis haben wir jetzt die Tür fürs Rückspiel ein wenig aufgestoßen." Wobei die Partie am 13. März in München auch dann stattfinden würde, wenn die Mannschaft mit 0:7 verloren hätte. Nur die Chance aufs Viertelfinale wäre dann nicht ganz so groß gewesen. "Die Mannschaft hat das toll gemacht, der Trainer hat die Mannschaft erstklassig eingestellt und die Mannschaft hat das gut umgesetzt. Sie hat sich dieses wirklich gute Ergebnis verdient."

In der Tat war dieses Remis das Resultat einer sehr geschlossenen Teamleistung, es war aber auch ein Erfolg für Niko Kovac, der sein erstes K.-o.-Spiel als Trainer in der Königsklasse nun als Argument anführen kann, dass er der richtige Mann am richtigen Ort ist. "Taktisch gut eingestellt, klasse gemacht, mental 90 Minuten richtig da", bilanzierte er. "Wenn wir so eine Struktur im Spiel haben wie heute, dann ist es für jeden Gegner schwer, gegen uns zu spielen." Es ist in der Tat erstaunlich, wie er die Dinge in seinem ersten Jahr in München zu seinen Gunsten gedreht hat.

"Situation ist gerade nicht so verkehrt"

Alles bestens beim FC Bayern also? Im Moment sieht es nicht schlecht aus. Mats Hummels, der an der Seite von Niklas Süle in der Innenverteidigung eine starke Partie bot, formulierte es so: "Die Situation ist gerade nicht so verkehrt." In der Bundesliga ist der Rückstand auf den Tabellenführer aus Dortmund von neun auf drei Punkte geschrumpft, nachdem es für den BVB am Montag zum Abschluss des 22. Spieltags nur zu einem 0:0 reichte, allerdings beim Tabellenletzten in Nürnberg. Während die Münchner am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen die Berliner Hertha spielen, geht es für die westfälische Borussia am Sonntag gegen Bayer 04 Leverkusen, eine Mannschaft, die unter dem neuen Trainer Peter Bosz im Aufwind ist - und unter anderem den FC Bayern geschlagen hat. Der steht auch im Viertelfinale des DFB-Pokals, am 3. April kommt der Zweitligist 1. FC Heidenheim nach Fröttmaning.

Und in der Champions League scheint nun gegen Liverpool wieder mehr drin zu sein, als zu vermuten war. Einerseits dürften Weltklassestürmer wie Roberto Firmino, Sadio Mané und Mohamed Salah auch auswärts in der Lage sein, ein Tor zu schießen. Andererseits hat die Mannschaft des deutschen Trainers Jürgen Klopp in der Vorrunde in fremden Stadien nicht überzeugt. Einem 0:1 beim SSC Neapel folgten ein 0:2 bei Roter Stern Belgrad und ein 1:2 bei Paris Saint-Germain. Hat da jemand Triple gesagt? Von den Bayern hört man so etwas jedenfalls nicht. Vielmehr hatten sie schon vor dem 0:0 die Erwartungen geschickt moderiert und den FC Liverpool zumindest indirekt die Rolle des Favoriten gedrängt, indem sie nicht etwa einen Sieg, sondern ein Unentschieden als Ziel ausgegeben hatten. Wie sich in 94 intensiven und hart umkämpften Minuten zeigte, war das genau richtig.

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Die Mannschaft scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Sie hatte in Liverpool einen Plan, den sie mit Leidenschaft umsetzte. Und wenn gegen Ende der Partie an der Anfield Road Mittelstürmer Robert Lewandowski und der eingewechselte Flügelflitzer Franck Ribéry, der sein 100. Europapokalspiel für die Münchner absolvierte, am eigenen Strafraum die Bälle weggrätschten, dann war das schon ein Statement. "Wir haben jetzt die Situation, dass wir mit einem Heimsieg sicher im Viertelfinale der Champions League spielen", sagte Hummels. Vielleicht machen sie es ja besser als Karl-Heinz Rummenigge und seine Kollegen, damals, vor 38 Jahren.

Quelle: n-tv.de

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