Fußball

Saudi-Arabien, Katar, Russland Der Fußball ist gefangen in den Klauen des Bösen

Gianni Infantino trifft sich mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der katarische Eigentümer von Paris St. Germain soll nach dem Aus gegen Real Madrid in der Schiedsrichter-Kabine gewütet haben, und Abramowitsch wird mit Sanktionen überzogen. Der Fußball ist nicht mehr zu retten.

Da kann man doch auch mal ausrasten. Neymar, Lionel Messi und Kylian Mbappé gegen die Bande der alten Männer von Real Madrid. Wenn Paris St. Germain also aus der Champions League ausscheidet, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Und so war ein Schuldiger auch bald gefunden. Schiedsrichter Danny Makkelie hatte besorgniserregend schlecht gepfiffen, dachte PSG-Eigentümer Nasser Al-Khelaifi und machte sich auf den Weg, ihm genau das mit klaren Worten mitzuteilen. Kam nicht so gut an.

Wollte der nämlich überhaupt nicht hören. So sollen dann eben Gegenstände geflogen und die Schiri-Kabine in einem nicht mehr ganz so ansehnlichen Zustand hinterlassen worden sein. Kann im Eifer des Gefechts doch mal passieren. Wirklich ärgerlich wurde es, als jemand sich erdreistete, das auch noch zu filmen. "Ich werde Dich töten", war die einzig logische Antwort darauf. Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine und dringt nicht nach außen. Gerade nicht, wenn es einen Ehrenmann wie den PSG-Präsidenten betrifft.

Nasser Al-Khelaifi ist nicht nur Eigentümer von Paris St. Germain, sondern auch CEO der beIN Media Group, die sich um den Fußball verdient gemacht hat. Sie brachte ihm Geld und Ruhm. Immer bessere Spieler durch immer mehr Geld. Was natürlich auch im Interesse der UEFA ist, die mit ihrer Premiummarke "Champions League" weltweit für Aufmerksamkeit sorgt und deren Exekutivkomitee Al-Khelaifi, ein ehemaliger Tennis-Spieler, der einmal gegen Thomas Muster in zwei Sätzen verlor, seit 2019 angehört.

Vielleicht hatte Makkiele sogar Glück

Bravourös hielt Al-Khelaifi erst im vergangenen Jahr den Rebellen-Klubs stand, die eine eigene Super League ohne die UEFA gründen wollten. Da war er nicht dabei, vielleicht auch, weil er mit beIN Rechteinhaber der "Champions League" in der MENA-Region, dem Mittleren Osten und Nord-Afrika also, ist und für die Rechte gerade rund 550 Millionen Euro für drei Jahre auf den Tisch gelegt hat. Da soll doch für die Leute in MENA mal ein Triumph für das Team aus Paris-Katar rausspringen, gerade so kurz vor der Weltmeisterschaft 2022 im Wüstenstaat. Wird wieder nichts. Der Ärger ist verständlich.

Immerhin, mag man sagen, wurde Makkelie nicht zerstückelt in der Kabine vorgefunden. Der Fußball hat da seine Hand drauf. Appeasement im besten Sinne. Das passiert einfach nicht im globalen Top-Sport. Auch, weil es Leute wie FIFA-Präsident Gianni Infantino gibt, der immer um Ausgleich bemüht ist, und dahin geht, wo es auch wehtun könnte.

Vor ein paar Tagen erst, nachdem sich diese nicht nur zeitlich unpassende Entwicklung rund um seinen alten Bekannten Wladimir Putin auf recht hohem Erregungslevel eingepegelt hatte und die FIFA ja auch mit aller Konsequenz reagiert hatte, war der neuerdings in Katar wohnende Infantino bereits wieder auf Reisen. Er traf den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der sich 2018 quasi aus Notwehr eines unliebsamen Kritikers entledigt hatte, aber nun seit einiger Zeit als Drahtzieher bei Newcastle United vom Fußball umarmt wird. Natürlich auch von Infantino, der mit dem globalen Sport Frieden über die Welt bringen will. In diesen Kategorien denken sie bei der FIFA.

In den Klauen des Wahnsinns

"Bei dem Treffen ging es um sportliche Kooperationsmöglichkeiten und Wege, diese zu entwickeln und auszubauen", berichtete eine saudische Presseagentur in wenigen Worten über das Treffen von bin Salman und Infantino. Die Agentur machte klar: Hier geht es um die Zukunft des Spiels. Gerade jetzt, da mit Putins Russland ein verlässlicher Partner für den beliebten Sport weggebrochen ist. Was natürlich maximal ärgerlich für den Tuchel-Klub Chelsea ist, der keine Tickets mehr verkaufen darf und der, das sind die neuesten Sanktionen, nicht einmal mehr vom bisherigen Eigentümer Roman Abramowitsch veräußert werden darf. Die Beziehung des Oligarchen zu Putin ist weiterhin ungeklärt. Das britische Finanzministerium ist sich aber sicher: Er steht ihm nahe. Deswegen ist sein Vermögen erst einmal eingefroren. Und sein Verein, Chelsea, komplett handlungsunfähig.

Was wir Anfang der Woche beim Treffen von Infantino und bin Salman in Riad, gestern beim Ausraster von Al-Khelaifi in Madrid und durch die Sanktionen für Abramowitsch gelernt haben, ist nichts Neues. Der Fußball ist in den Klauen von Autokraten, Despoten und Diktatoren. In seiner turbokapitalistischen Gier nach immer mehr Geld und in seiner größenwahnsinnigen Selbstüberschätzung hat er sich in eine Sackgasse manövriert. Und niemand hat ernsthaft Interesse daran, den Rückwärtsgang einzulegen. Es gibt keinen Aufschrei, es gibt keine Empörung, und es gibt auch keinen Boykott der Zuschauer, maximal eine ganz langsam voranschreitende Entfremdung. Alle Ungeheuerlichkeiten sind eingepreist. Auf dem höchsten Level ist das Spiel längst verloren. Aus eigener Kraft kann es sich kaum noch retten. Das ist die bittere Erkenntnis dieser Tage.

Quelle: ntv.de

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