Fußball

Bayern setzt auf Nagelsmann-Elan Der Trainer, der aus der Küche kommt

Nur noch ein PCR-Test trennt Julian Nagelsmann vom FC Bayern. Fällt der am Dienstagmorgen negativ aus, steht der Trainer am Abend in der Champions League am Spielfeldrand. Vier Partien musste er aussetzen, darunter die Pokal-Blamage. Viel Zeit, um etwas zum Meckern zu finden.

"Wir sind froh, dass Julian Nagelsmann gesund ist und wieder dabei sein kann. Wir haben ihn vermisst." Das sagt Alphonso Davies bei der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel seines FC Bayern gegen Benfica Lissabon (Dienstag, 21 Uhr bei Amazon und im ntv.de-Liveticker). Ganz schön voreilig war er da, der Linksaußen, der morgen seinen 21. Geburtstag feiert. Denn ob sein Trainer Julian Nagelsmann wirklich wieder dabei sein kann, das entscheidet erst der PCR-Test, der morgen früh gemacht wird.

Doch auch Nagelsmann ist guter Dinge, dass er aller Voraussicht nach zurückkehrt auf seinen angestammten Platz auf der Bayern-Bank. Oder als aktiver Trainer an der Seite eher in die Coaching-Zone. "Mir geht es gut, alles in Ordnung. Natürlich merkt man noch, dass etwas im Körper war, aber das ist auch normal", sagt er nach seiner Corona-Erkrankung mit Selbstisolation. "Ich denke und hoffe, dass der Test morgen negativ sein wird, dann werde ich auch wieder dabei sein können", so der Trainer auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel. Schon sein letzter PCR-Test vor fünf Tagen sei "grenzwertig" gewesen. "Die Schnelltests in den letzten Tagen waren alle negativ."

Noch klingt Nagelsmann etwas verschnupft, doch es wird wohl die letzte Pressekonferenz aus seiner Küche gewesen sein. Das Hinspiel in Lissabon (4:0) am 20. Oktober war das erste, das er verpasste. Der 34-Jährige war mitgeflogen, konnte dann aber nicht beim Spiel dabei sein und wurde mit einem Ambulanzflugzeug isoliert zurück nach München gebracht. Auch das Spiel gegen die TSG Hoffenheim (4:0), das Pokal-Debakel gegen Borussia Mönchengladbach (0:5) und den 5:2-Sieg beim 1. FC Union Berlin verpasste er.

Lewandowskis Jubiläum steht an

"Ich freue mich sehr auf das Spiel", sagt Nagelsmann in Erwartung des Teams aus Lissabon. "Als Erstes werde ich zum Test fahren und dann sofort zum Gelände und dort meine Taschen auspacken, die ich noch für das Benfica-Hinspiel gepackt hatte und Ordnung reinbringen. Ansonsten ist nicht viel Zeit, um seine Freiheit auszukosten." Um 21 Uhr ist Anpfiff, vorher steht das letzte Training an, die Teamsitzung im Hotel, er muss noch seine Startelf festlegen.

Sicher wird Robert Lewandowski zu ihr gehören. Der Superstürmer, der dann sein 100. Champions-League-Spiel absolvieren wird. "Das ist eine eindrucksvolle Marke", sagt sein Trainer. Insbesondere die Torquote des 33-Jährigen gefällt, schon jetzt hat er fünf Königsklassen-Saisontore in drei Spielen geschossen. 78 Tore stehen für ihn insgesamt zu Buche, die 100er-Marke hat der Pole im Blick. Diese konnten bislang nur Cristiano Ronaldo (137) und Lionel Messi (123) übertreffen. "Er hat eine unglaubliche Dynamik. Du wirst ihn in einem Spiel nie zu 100 Prozent kontrollieren können. Deshalb bin ich froh, dass er bei uns im Team ist", so Nagelsmann.

Defensiv was zu meckern

Um die Offensive muss sich der Bayern-Trainer im Grunde auch keine Gedanken machen. Drei Spiele, zwölf Tore - und in der Champions League noch nicht ein Gegentor. Von denen gab es allerdings in der vergangenen Woche gleich fünf im Pokal von Gladbach und dann nochmal zwei von Union Berlin. Nagelsmann musste zuschauen - und fand Grund zur Kritik. "Es sind in allen Spielen ähnliche Muster, wenn wir Chancen gegen uns bekommen. Am Ende ist es oft noch zu leicht. Es geht darum, die letzten Schritte zu machen in den Aktionen", erklärt der Coach.

"Oft ist es so, dass Manuel Neuer dann gut hält und Gegentore verhindert. Das geht oft zu einfach." Bis vor dem Gladbach-Spiel sei es häufig so gewesen, dass die letzte Abwehrreihe alles wegverteidigt habe. Nagelsmann fordert nun mehr Aktivität.

Auch Benfica hatte im Hinspiel Torchancen, vor allem Darwin Nunez (33.), Diogo Goncalves (55.) und Roman Yaremchuk (68.) konnten jeweils gerade noch aufgehalten werden. 8 zu 21 Torschüsse und vor allem 0 zu 4 Tore waren letztlich deutlich, doch insbesondere Yaremchuk zeigte, was Nagelsmann nun kritisiert: Der Ukrainer hatte Dayot Upamecano auf dem rechten Flügel gleich einige Meter abgenommen, bevor er nur knapp an der langen Ecke vorbeischoss. Das war so ein bemängelter leichter Fehler.

Stars könnten geschont werden

Doch der Bayern-Neuzugang, der unter Nagelsmann bereits bei RB Leipzig spielte, kann sich gute Chancen ausrechnen, auch morgen dabei zu sein. "Jeder Verteidiger hat es gegen einen körperlich starken und schnellen Stürmer schwer. Ein großer Vorteil von Upa ist, dass er viel Körperlichkeit und Tempo hat", lobt der Trainer. "Wenn er gegen körperlich starke Gegenspieler spielt, geht es darum, dass er von der physischen teilweise zu einer cleveren Verteidigungshaltung übergeht. Wenn er morgen spielt, wird er auch ein gutes Spiel machen."

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Apropos Startelf: Nagelsmann überlegt, einige Stars zu schonen. Schließlich steht am Samstag in der Liga das Duell mit dem überraschenden Tabellendritten SC Freiburg an. Ob Davies an seinem 21. Geburtstag spielen wird, ist noch unklar, laut seines Trainers hat er "ein bisschen muskuläre Probleme". Leon Goretzka kommt nach einer angeschwollenen Fleischwunde dagegen wieder in den Schuh, auch die Prellung bei Lucas Hernandez soll nicht so dramatisch sein.

Schon ein Punkt im Rückspiel gegen Benfica würde zum frühzeitigen Einzug ins Achtelfinale reichen. Davon will Nagelsmann aber nichts wissen. "Zwölf Punkte" sollen es bitte werden, also der vierte Sieg im vierten Spiel soll her. Er würde auch die Pokal-Blamage etwas weiter verdrängen.

Quelle: ntv.de

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