Fußball

Über ihnen nur der FC Bayern Der VfL Wolfsburg greift nach den Sternen

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Klare Ansage: Die Wolfsburger wollen in Europa noch für ordentlich Furore sorgen.

In der Europa League strebt Wolfsburg ins Achtelfinale. Das soll es aber noch nicht gewesen sein. Der Klub will ins Finale. Das eigentliche Ziel heißt jedoch Champions League. Erst dort verdienen sie das Geld, was sie schon ausgeben.

Wo sie hinwollen, ist eh klar - auf die ganz große Bühne. Das steht nicht nur auf den grün-weißen Schals, die vor dem Stadion verkauft werden: "International". Und, was fast wie eine Drohung klingt: "Wir haben noch lange nicht genug." Das Endspiel der Europa League findet in Warschau statt. Den Fußballern des VfL Wolfsburg würde es gefallen, dürften sie dort spielen. Der portugiesische Nationalspieler Vieirinha hatte das im Vereinsheft so formuliert: "Den 27. Mai habe ich jedenfalls dick im Kalender angestrichen. Ich träume vom Finale."

Anziehungskraft? Relativ!

Wolfsburg hat 122.000 Einwohner, 57.000 arbeiten bei VW. Knapp 28.000 Zuschauer waren bisher in dieser Saison im Durchschnitt bei den Heimspielen im Stadion des VfL mit seinen 30.000 Plätzen. Das entspricht einer Auslastung von 93 Prozent. Das heißt auch, dass etwa jeder vierte Wolfsburger zum Fußball geht. Im Ranking der 18 Bundesligisten reicht das aber trotzdem nur für Platz 15 - vor Hoffenheim, Freiburg und Paderborn. Zum Vergleich: Die Hertha hat zwar einen Zuschauerschnitt von knapp 50.000, das ist hinter Dortmund, München, Schalke und Hamburg der fünftbeste der Liga. Berlin hat aber auch 3,5 Millionen Einwohner. Also nur jeder 70. Hauptstädter geht ins Olympiastadion.

Den ersten Schritt, erst einmal in Richtung Achtelfinale, haben sie am Donnerstagabend gemacht und das Hinspiel im Sechzehntelfinale gegen Sporting mit 2:0 (0:0) gewonnen. Es war, wie Trainer Dieter Hecking befand, "in der zweiten Halbzeit ein sehr reifer Vortrag meiner Mannschaft". Dieser Auftakt der K.o.-Phase wird auch Zwischenrunde genannt. Ein Begriff, der gut zur Entwicklungsstufe der Wolfsburger passt - grundsätzlich und konkret, was die Partie gegen Lissabon betrifft. Denn darum geht es Hecking, dass seine Spieler lernen und sich verbessern. Das will jeder Trainer. Aber in Wolfsburg klappt das besonders gut. Wieder war es Bas Dost, der er in der 46. und 63. Minute die Tore erzielte. Am Samstag hatte er beim vogelwilden 5:4-Erfolg in Leverkusen viermal getroffen. Der Niederländer hat den Lauf seines Lebens. "Ich habe immer darauf gelauert, dass ich meine Chance bekomme."

Auch gegen Sporting trifft Bas Dost

Der VfL kann also dank Dost sogar mit einer knappen Niederlage in Portugals Hauptstadt in die Runde der besten 16 Teams einziehen. "Wir haben eine gute Ausgangsposition", sagte Hecking. "Und die sollten wir am nächsten Donnerstag auch nutzen können." Der Traum vom Finale lebt. Es ist schließlich so etwas wie die letzte Chance in diesem Wettbewerb. In der nächsten Saison - wer mag daran zweifeln? - spielen die Wolfsburger in der Champions League - eine Etage höher, auf der größten Bühne, die der europäische Fußball bietet. Dann ist Schluss mit internationaler Zweitklassigkeit.

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Bas Dost hat schon wieder zugeschlagen. Gegen Sporting Lissabon traf der Niederländer doppelt.

(Foto: dpa)

Wenn der FC Bayern so etwas ein Abonnement auf die Meisterschaft hat, dann ist dem VfL in dieser Saison der erste Platz hinter den Münchnern sicher. Und wenn der Volkswagen-Konzern den Klub weiter derart massiv alimentiert, der ihm zu 100 Prozent gehört, ist das nicht nur in dieser Spielzeit so. Wohin der Weg führt, zeigt der Transfer des Nationalspielers André Schürrle, der Anfang des Monats für 32 Millionen Euro vom FC Chelsea aus London an den Mittellandkanal kam. Das sind zehn Millionen Euro mehr, als sie für den belgischen Nationalspieler Kevin de Bruyne, ihren bisherigen Königstransfer, ausgegeben hatten.

Schürrle will "höhere Ziele anpeilen"

Der "Sportbild" hat Schürrle in dieser Woche gesagt, worum es ihm geht und was er sich von seinen neuen Kollegen erwartet: "Jeder hat das Ziel, Titel zu gewinnen. Ich habe mir zu Hause, als ich das Angebot vom VfL bekam, auf einem Blatt Papier die Mannschaft aufgemalt und mir große Gedanken gemacht, wir spielen könnten." Sein Fazit: Der Kader habe eine Topqualität, der VfL spiele eine überragende Saison. Er sei überzeugt, "dass wir uns noch weiterentwickeln und höhere Ziele anpeilen können. Die Voraussetzungen und Perspektiven sind auch dank der Unterstützung von VW glänzend. Wobei Bayern immer der Topfavorit bleiben wird". Über uns nur noch der FC Bayern - so sehen sie die Welt in Wolfsburg. Es spricht viel dafür, dass sie damit Recht behalten werden.

Gegen Sporting stand der 24 Jahre alte Offensivspieler vor nur 19.207 Zuschauern in der Startelf. Den Gegner kannte er. In der Champions League hatte er in dieser Saison mit Chelsea bereits gegen Sporting gespielt, 3:1 gewonnen und dabei ein Tor geschossen. Als Gruppendritter waren die Portugiesen in die Europaliga abgestiegen. Sie kommen also daher, wo der VfL zum zweiten Mal nach 2009 hin will. Schürrle machte kein überragendes, aber ein ordentliches Spiel auf dem linken Flügel. Elf Minuten vor dem Ende der Partie nahm Hecking ihn raus. Schürrle war dennoch zufrieden: "Wir haben wenig zugelassen und ein sehr gutes Spiel gemacht." In Lissabon, so schlug er vor, solle der VfL "einfach kühlen Kopf bewahren". Sein Plan: "Wir müssen auf das Auswärtstor gehen und versuchen, hinten die Null zu halten." Sprach’s, klatschte mit Klaus Allofs ab und verschwand in der Kabine.

Der Manager hatte vor der Begegnung gesagt, die Europa League sei "wichtig für unsere Wahrnehmung, da können wir national und international eine Menge für uns tun." Er weiß aber: Champions League - das bedeutet nicht nur einen Imagegewinn. Dort können die Wolfsburger endlich auch mit Fußball das Geld verdienten, was sie seit Jahren ausgeben. Oder zumindest einen Teil. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete, zahlt VW, der zweitgrößte Autobauer der Welt, 95 Millionen Euro pro Jahr. Nach wie vor ist fraglich, ob Transfers wie des Weltmeisters Schürrle den Regeln des Financial Fairplay der Uefa entsprechen, die besagen: Ein Verein darf nur so viel investieren wie er eingenommen hat. In der Europa League jedenfalls darf der Sieger auf maximal 15 Millionen Euro an Prämien hoffen - das ist nicht einmal ein halber Schürrle. In der europäischen Königsklasse hingegen haben die Teilnehmer schon vor der ersten Partie 8,6 Millionen Startgeld sicher. Das ist, im wahrsten Sinne des Wortes, eine andere Liga. Dennoch hätten sie beim VfL nichts gegen eine Reise nach Warschau einzuwenden. Genug haben sie schließlich noch lange nicht.

Quelle: n-tv.de

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