Fußball

Was hat Euch bloß so ruiniert? Der VfL Wolfsburg kämpft ums Überleben

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Klaus Allofs muss den VfL verlassen.

(Foto: imago/Hübner)

Nichts geht mehr beim VfL Wolfsburg - jetzt hat auch Manager Klaus Allofs fertig. Dabei galt er als der Architekt des Erfolgs, sie träumten davon, den FC Bayern anzugreifen. Jetzt geht es nur noch darum, "den Arsch zu retten".

Es ist nicht so, dass sie ihn nicht gewarnt hatten. "Gerade wo es VW schlecht geht, spielt auch noch der VfL scheiße", hatte ein Mitglied der Führungsriege des Autobauers Ende November gesagt - anonym. Nun haben sie sich in Wolfsburg entschlossen, Klaus Allofs zu entlassen. Der Geschäftsführer Sport muss  gehen, obwohl er noch einen Vertrag bis 2019 hat. Das ist in diesem Geschäft die logische Konsequenz, wenn's so schlecht läuft wie beim VfL. Eine gute Nachricht für den Verein ist das nur bedingt. Wer auch immer Allofs folgt - wie soll er diese zumindest dem Anschein nach charakterlose Ansammlung unmotivierter Jungmillionäre auf den Weg bringen? Was hat Euch bloß so ruiniert?

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Verwalter des VfL-Chaos': Trainer Valérien Ismaël.

(Foto: imago/Ulmer)

"Warst du nicht fett und rosig? Warst du nicht glücklich?"* Doch, das waren sie in Wolfsburg. Im Sommer 2015 war die Welt noch in Ordnung. Die Fußballer des VfL hatten just die Saison der Bundesliga hinter dem FC Bayern auf dem zweiten Tabellenplatz beendet und sich für die Champions League qualifiziert. Und im Finale gegen Borussia Dortmund hatte das Team auch noch den DFB-Pokal gewonnen. Der Trainer hieß Dieter Hecking, der Manager Klaus Allofs, der Mutterkonzern VW hatte noch keinen Abgasskandal und der Weg in eine rosige Zukunft schien geebnet. Warum nicht irgendwann auch die Bayern angreifen?

Doch nun, knappe anderthalb Jahre später, gleicht der Klub einem Trümmerhaufen. Hecking ist längst weg, und sein Nachfolger, Valérien Ismaël, steht schon wieder zur Disposition. Am Samstag, beim 0:5 in München, bot die Mannschaft ein jämmerliches Bild. Angreifer Mario Gomez sagte hinterher: "Wir müssen nur noch unseren Arsch retten." Nach 14 Spieltagen steht der VfL Wolfsburg auf Tabellenplatz 15, punktgleich mit dem Hamburger SV. Bis zu einem direkten Abstiegsplatz ist es nur noch ein Punkt, vor der Winterpause geht es noch gegen die aufstrebende Frankfurter Eintracht und zu Borussia Mönchengladbach.

Lustlose Auftritte im Alltag

"Wo fing es an und wann? Was hat Dich irritiert? Was hat Dich bloß so ruiniert?"* Vor der Saison 2015/2016 verließ Kevin De Bruyne den Verein, ging für 74 Millionen Euro zu Manchester City. Auch Ivan Perisic verließ den Klub, Inter Mailand zahlte acht Millionen Euro. Prima Deals, wie es schien, zumindest finanziell. Allofs verwies stolz darauf, dass die VW-Tochter nicht nur Geld vom Konzern nimmt, sondern auch welches erwirtschaftet. Doch sportlich ging es abwärts, am Ende stand in der Bundesliga Platz acht. Die immer noch gut bestückte Mannschaft schaffte es in der Champions League zwar bis in Viertelfinale, schlug dort im eigenen Stadion gar Real Madrid. Aber nach teils lustlosen Auftritten im Alltag war das der vorerst letzte Höhepunkt. Sie ließen die Saison austrudeln und verpassten es, sich die Spielberechtigung für den Europapokal zu erwerben.

Bleibt die Frage nach den Fehlern, die Allofs gemacht hat. Dabei gilt er als einer der mächtigsten Männer im deutschen Fußball, als einer der ein Händchen hat für gute Transfers. Beim SV Werder hat er das jahrelang bewiesen. Und in Wolfsburg hatte er nun das Geld, die Spieler zu holen, die er wirklich haben wollte. Doch das funktionierte zuletzt immer schlechter. Und damit sind wir wieder im Sommer 2015. Zwölf Millionen Euro gab Allofs für Max Kruse von Borussia Mönchengladbach aus. Der Angreifer fasste nie richtig Fuß beim VfL und schießt inzwischen für Bremen seine Tore.

Gar 36 Millionen Euro überwies er an den FC Schalke 04 für den deutschen Nationalspieler Julian Draxler - der hatte schnell keine Lust mehr auf Wolfsburg, nun wollen sie ihn loswerden. Beim Debakel in München saß er nicht einmal auf der Bank. Und für Dante vom FC Bayern zahlte Allofs fünf Millionen Euro, doch der Abwehrspieler verlieh der Abwehr der Wolfsburger nie die Stabilität, die sie sich von ihm erhofft hatten. Mittlerweile kickt er bei OSG Nizza.

Es war nicht alles schlecht, was Allofs gemacht hat. Aber am Ende nicht gut genug. Der Rausschmiss von Trainer Hecking zeigte keinerlei Wirkung, zumindest nicht die intendierte. Und der Manager wirkte entgegen seiner sonstigen Art zunehmend hilflos. "Wir haben Dinge im Kopf, die wir verändern wollen. Wir hoffen, dass das auch umzusetzen ist. Da ist die Winterpause die beste und auch die einzige Gelegenheit dazu", hatte er nach dem Offenbarungseid beim FC Bayern gesagt, bei dem er erstmals nicht auf der Bank, sondern auf der Tribüne saß. Nun haben sie sich entschieden, es ohne Allofs zu versuchen. Eine Frage aber bleibt: Was hat Euch bloß so ruiniert?

*Aus dem Songtext: Die Sterne: "Was hat Dich bloß so ruiniert?"

Quelle: ntv.de