Fußball

FCB gegen BVB im Schnellcheck Die dominante Befreiung des FC Bayern

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Die Rekordmänner des FC Bayern.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Krise beim FC Bayern? Nicht mehr! Im Bundesliga-Topspiel demontieren die Münchner die erschreckend schwache Borussia aus Dortmund. Uli Hoeneß denkt schon an die Ewigkeit, Lucien Favre kritisiert seine Spieler. Robert Lewandowski und Thomas Müller knacken Rekorde.

Was ist passiert?

Der FC Bayern München hat ein Fußballspiel gewonnen. So ganz nüchtern betrachtet. Weil es aber das Topspiel des elften Spieltags der Bundesliga war, und außerdem Borussia Dortmund der Gegner, fällt das mit dem nüchtern betrachten mitunter schwer. Zumal die Fans des Rekordmeisters in der Schlussphase erfolgstrunken Gesänge anstimmten, die in dieser Saison noch überhaupt nicht in der Münchner Arena erklungen waren. Denn der 4:0 (1:0)-Sieg der Roten über die Schwarz-Gelben war eben nicht einfach nur ein Fußballspiel. Sondern das Aufeinandertreffen zweier Teams, die bislang ihren Ansprüchen nur selten gerecht werden. Das galt an diesem Novemberabend nur noch für ein Team, für das von Lucien Favre.

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Der Coach der Dortmunder konstatierte nach Abpfiff bei "Sky" kurz: "Wir waren nicht gut." Das ist, nüchtern betrachtet, sachlich richtig. Ganz anders die Münchner, die im zweiten Spiel n.N.K. (nach Niko Kovac) und im letzten Spiel u.P.U.H. (unter Präsident Uli Hoeneß) eine eindrucksvolle Leistung zeigten. Interimstrainer Hansi Flick scheint den defensiven Ansatz, den die Mannschaft unter Kovac oft zeigte, abgeschafft zu haben. Stattdessen frühes Pressing, viel Druck und ein konsequentes Spiel nach vorn. Ohne dabei aber die Verteidigung aus dem Blick zu verlieren: Denn die Spiele gegen Piräus (2:0) und nun gegen Dortmund waren die ersten beiden Partien ohne Gegentor seit Mitte September. "Das war eine Demonstration von der ersten bis zur letzten Minute", hielt Hoeneß fest, und ergänzte sogar: "Dieses Spiel wird mir ewig in Erinnerung bleiben."

Unseren Spielbericht gibt's übrigens hier!

Teams & Tore

München: Neuer - Pavard, Martinez, Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka (72. Thiago) - Gnabry (70. Coutinho), Müller, Coman (75. Perisic) - Lewandowski. - Trainer: Flick
Dortmund: Bürki - Hakimi, Hummels, Akanji, Schulz - Witsel, Weigl (61. Alcacer) - Sancho (36. Gurreiro), Brandt, Hazard - Götze (61. Reus). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Tore: 1:0 Lewandowski (17.), 2:0 Gnabry (47., nach Videobeweis), 3:0 Lewandowski (76.), 4:0 Hummels (80., Eigentor)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Coman, Kimmich (4) - Reus

Die Highlights im Spielfilm

39. Sekunde: Bürki wendet den frühen Schock ab. Der vor Anpfiff von seinem Klub für 500 Pflichtspiele geehrte Thomas Müller steckt durch, Robert Lewandowski hat den freien Weg zum Tor. Aber eben nicht den Ball, der wichtig wäre, um am elften Spieltag den 15. Bundesliga-Treffer zu erzielen. Was übrigens vorher nur Gerd Müller gelang. Diesen Ball aber klärt Bürki mit Wucht. Wichtig, denn zuletzt ging Dortmund in München in aller Regelmäßigkeit unter.

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17. Minute, TOOOOR FÜR DEN FC BAYERN, 1:0 Robert Lewandowski: Der FC Lewandowski geht durch Robert Bay-, äh, nein. Nochmal. Tor für den FC Bayern durch Robert Lewandowski, so rum passt's. Der BVB bekommt den Ball einmal, zweimal und auch dreimal nicht weit genug weg vom eigenen Tor. Und dann tut Lewandowski, was ein Weltklassestürmer eben so tut. Benjamin Pavard hebt den Ball von der rechten Strafraumseite in die Mitte, da steht der Mann völlig frei, der auf seinem roten Trikot die weiße Nummer neun trägt. Und köpft unbehelligt von der schwarz-gelben Abwehr ein. Hätte ja niemand ahnen können, dass Lewandowski .. oh, dass Lewandowski damit in jedem Bundesliga-Spiel getroffen hat.

27. Minute: BVB-Coach Lucien Favre ist unzufrieden. Dortmund ist zu oft zu langsam, läuft hinterher. So auch diesmal. Wieder Lewandowski, diesmal als Vorbereiter. Seine scharfe Hereingabe bleibt aber folgenlos. Das gilt allerdings bislang auch für jegliche Dortmunder Angriffsbemühungen. Es steht aber auch kein (klassischer) Angreifer auf dem Feld.

33. Minute: Bewegung an der BVB-Bank. Rafael Guerreiro macht sich bereit. Und kommt wenig später für Jadon Sancho, der zuletzt angeschlagen war. Enttäuscht über seine Auswechslung scheint Sancho nicht. Fit zu sein schien er zuvor aber auch nicht.

38. Minute: Wenn Lewandowski nicht selbst trifft, zählt das Tor auch nicht. Wobei der offizielle Grund ist, dass Serge Gnabry einfach deutlich im Abseits stand, Lewandowski den Ball unsauber traf und deshalb nicht aufs Tor, sondern zu Gnabry schoss.

45. Minute: Doch, das zählt. Also als Torschuss. Freistoß Guerreiro auf den langen Pfosten, dort spitzelt Witsel den Ball ins Aus. Das Beste am Dortmunder Auftritt in der ersten Halbzeit ist, dass es nur ein Gegentor gab.

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47. Minute, TOOOOR FÜR DEN FC BAYERN, 2:0 SERGE GNABRY: Wie gesagt. Wenn Lewandowski nicht selbst trifft, zählt das Tor nicht. Zumindest scheint es zunächst so. Konter FC Bayern, Müllers Hereingabe verpasst Lewandowski, Gnabry schiebt ein. Müllers 100. Assist in der Bundesliga. Die Jubellichter der Münchner gehen an, aber auch die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten hoch. Verdacht: Abseits. Kurze Zeit später ist der Verdacht dank Videobeweis ausgeräumt - und das Tor zählt doch. Die Fans beider Teams grüßen danach mit altbekannten Sprechchören den Deutschen Fußball-Verband.

61. Minute: Marco Reus kommt, Paco Alcácer kommt. In der Hoffnung, die nicht existente Offensive des BVB zum Leben zu erwecken.

69. Minute: Ein Wunder! Also fast. Eine Torchance für Borussia Dortmund. Alcácer kann den Ball jedoch nicht aufs Tor bringen. Aber zumindest Manuel Neuer ist wieder wach. Flick reagiert umgehend und bringt Philippe Coutinho.

76. Minute, TOOOOR FÜR DEN FC BAYERN, 3:0 Robert Lewandowski: Diesmal gibt's keine Diskussionen. Lewandowski bringt den Ball zum 23. Mal in dieser Saison im Tor unter, zum 16. Mal in der Bundesliga. Natürlich zählt das. Weiteres Argument: Müller bereitet vor, schon zum - kurzer Blick auf den Statistikzettel - 101. Mal.

78. Minute: Fast das 4:0. Hereingabe Müller, Abschluss Ivan Perisic. Hätte aber aus bereits genannten Gründen nicht gezählt.

79. Minute, TOOOOR FÜR DEN FC BAYERN, 4:0 Mats Hummels: Okay, so geht's auch. Hummels versucht Thiagos Abschluss zu verhindern. Versenkt dabei allerdings die Hereingabe von Perisic höchst selbst im Tor. Als Ex-Münchner scheint das "Nur-Lewandowski-trifft" für ihn nicht mehr zu gelten.

90.+2 Minute: Der Abpfiff. Freude bei beiden Mannschaften. Beim FC Bayern über den deutlichen Sieg und die Rückkehr einer beinahe verloren geglaubten Stärke. Bei Borussia Dortmund darüber, dass das Spiel endlich vorbei ist.

Wer war gut?

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Als hätte er es geahnt, verdeckte Thomas Müller die "5" auf dem Lebkuchen-Herz, das er für 500 Pflichtspiele beim FCB erhielt. Denn die beiden Nullen taugen auch für die Zahl 100. Denn soviele Bundesliga-Torvorlagen lieferte Müller bislang, kurz vor Schluss sogar seine 101.

(Foto: imago images/Lackovic)

Thomas Müller. 100 Assists hatte seit Beginn der Datenerfassung noch niemand gespielt. Jetzt schon: Müller nämlich. Der Mann, der vor dem Spiel ein Lebkuchen-Herz mit der Zahl 500 für ebenso viele Pflichtspiele im Bayern-Dress erhielt, legte in der 47. Minute zum 100. Mal ein Tor für einen Mitspieler auf. Und in der 76. Minute dann zum 101. Mal.

Und, klar, Robert Lewandowski. Da genügt ein kurzer Blick in die Statistik, denn manchmal sagen Zahlen mehr als tausend Worte. 23 Tore in 18 Pflichtspielen. 16 Bundesliga-Treffer nach elf Partien sind neuer Rekord, der alte gehörte einem gewissen Gerd Müller. Hält Lewandowski diese absurde Quote, steht er nach 34 Spieltagen bei 49 Toren. Müllers Rekord? 40. Dazu gelangen dem laut Flick "besten Stürmer der Welt" seine Treffer 17 und 18 gegen den Verein, von dem er 2014 nach München wechselte. In 301 Bundesliga-Spielen sind es nun 218 Tore, Platz vier der ewigen Rangliste. Zu Jupp Heynckes (220 in 369) fehlen Lewandowski wohl maximal 180 Minuten.

Was war gut?

Der Fußball des FC Bayern. Zielstrebig zum Tor und konsequent im Abschluss. Begünstigt sicher von einer schwachen Borussia, aber eben die eigene Spielidee auch selbst überzeugend vorgetragen. Oder wie es Offenbar-mehr-als-nur-Interimstrainer Flick festhielt: Seine Spieler hätten "heute gezeigt, dass sie Fußball auch zelebrieren können". Seinem Weltklasse-Angreifer riet er angesichts dessen Wahnsinns-Serie, die unausweichliche Leistenoperation noch etwas herauszuzögern: "Er hat so einen Lauf, da würde ich es mir auch überlegen." Wobei sein Rat mit Vorsicht zu genießen sei, wie er gleich im Anschluss betonte: "Aber ich hatte noch nie so einen Lauf."

Was war noch gut?

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Der VfL Bochum. Das ist nämlich der einzige Gegner des FC Bayern in dieser Saison, der keinen Treffer von Robert Lewandowski kassierte.

Was war schlecht?

Borussia Dortmund. Klare Frage, klare Antwort. Nur eine einzige Torchance. Den Rest fasste Lucien Favre im "Sky"-Interview zusammen. "Wir waren nicht ängstlich", sagte er. Und kritisierte: "Viele Spieler waren nicht da." Worin der FC Bayern besser war? "Ballbesitz, erste Ballannahme, sie waren viel schneller als wir." Fazit: "Unglaublich, es war sehr schwach von uns."

Sportdirektor Michael Zorc hatte "Männerfußball" gefordert. Wenig Taktik, viel Einsatz. Was er gesehen hat? "Es war eigentlich überhaupt kein Fußball von uns." Außerdem: "Wir haben im Prinzip alles vermissen lassen." Keine weiteren Fragen.

Was war amüsant?

Uli Hoeneß im Interview bei "Sky". Als er das Spiel rekapitulierte, erklärte er, die Mannschaft sei in der Pflicht gewesen. Also sportlich zu liefern nach der mitunter mageren Fußball-Kost der vergangenen Wochen. Denn sie wisse ja, dass "der Jupp" nicht mehr da sei. Also der Heynckes. Hoeneß bemerkte seinen Versprecher schnell und schob ein "der Niko", also der Kovac, hinterher.

So war es im Stadion

Klar, wenn der BVB kommt, dann ist die Stimmung in München immer gut. Wäre ja auch schade wenn nicht. Denn wenn der FC Bayern auf die Dortmunder Borussia trifft, dann spielen die beiden Mannschaften halt immer die wichtigsten Partien jeder Bundesliga-Saison aus. Ungeachtet der Tabellenplätze. Vor dem Anpfiff dieses Spiels waren das übrigens die Plätze sechs (FC Bayern) und fünf (Borussia Dortmund). Während die Gäste mit dem wuchtigen Stimmungsaufheller aus dem ziemlich furiosen Champions-League-Erfolg gegen Inter Mailand (3:2) anreisten, herrschte bei den Gastgebern nach dem Königsklassen-Sieg gegen Olympiakos Piräus (2:0) ein wenig Uneinigkeit über die Bewertung der Leistung. Während sich die Aktiven ganz erfreut zeigten, gab's im Stadion unüberhörbar Pfiffe. Hansi Flick, Interimstrainer mit Aussichten auf mehr, konnte den Unmut der Anhänger nicht verstehen. Klar, man sei in München schon mehr Spektakel gewohnt, aber eine souveräne Leistung ohne Gegentore, das war nach den Anfälligskeitswochen doch auch was, oder nicht?

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50 Jahre ist es her, das erste Double der Münchner Vereinsgeschichte. 1969 gewann der FCB erstmals im selben Jahr Meisterschaft und DFB-Pokal.

(Foto: imago images/Michael Weber)

In München hatten sie die leise Kritik, die gab's von Flick übrigens auch an die Medien für eine ebenfalls zu negative Bewertung des Piräus-Spiels, verstanden. Sie hatten sich eine historische Choreografie erdacht, an das erste Double der Klubgeschichte erinnert. Sie hatten auf ein Banner Deutscher Meister und Pokalsieger geschrieben. Es wirkte wie ein Klarstellung nach den chaotischen Wochen. Und um eine Klarstellung der Machtverhältnisse im deutschen Fußball waren auch die Fußballer sehr bemüht. Sie rannten, sie zweikämpften, sie schüchterten den BVB in der ersten Halbzeit sogar phasenweise ein. Und als sie vor dem 1:0 hartnäckig den Ball eroberten und behaupteten, da wurde es richtig laut. Lauter wurde es dann nur beim Tor von Robert Lewandowski. Und als der zehn Minuten später einen eigentlich unerreichbaren Ball mit einer phänomenal-unglaublichen Bewegung aus der Luft fischte, wähnte sich das Publikum bereits wieder in schönsten Mia-san-mia-Zeiten. So auch kurz vor Schluss, als "Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen" durch das Stadion schallte.

Der Tweet zum Spiel

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Quelle: n-tv.de

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