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Wie die Römer gegen das Déjà-vu Die glücklichsten Bayern, seit es Kovac gibt

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Niko Kovac ist gut gelaunt. Und auch seine Mannschaft ist gut gelaunt. Für den FC Bayern ist das sicher gut.

(Foto: imago images/Philippe Ruiz)

Die Erinnerung an die Herbstkrise 2018 schärft bei Bayern-Trainer Niko Kovac die Sinne: Von seinen Fußballern fordert er "absolute Seriösität" gegen Aufsteiger SC Paderborn. Zweifel am Gegenteil hat er allerdings nicht. Zu gut läuft's gerade bei den Münchenern.

Der Herbst ist nicht die Zeit für Witze beim FC Bayern. Erst recht nicht wenn sie schlecht sind. Und dass sich Fiete Arp das Kahnbein beim Besuch auf der Wies'n gebrochen haben könnte, darüber wollen die Münchener nur wirklich nicht lachen (passiert war's natürlich im Training). Einen entsprechenden Tadel verteilte Coach Niko Kovac an jenen Journalisten, der sich diesen "Spaß" erlaubt hatte. Miese Stimmung in München? Ausgerechnet jetzt, wenn sich am Samstag der Beginn der folgenschweren Herbstkrise des vergangenen Jahres jährt? Am 28. September 2018 hatte der FC Bayern nämlich bei Hertha BSC verloren. Mit 0:2. Und zum ersten Mal seit sehr vielen Jahren war die Frage, ob der deutsche Fußball-Serienmeister verwundbar sei, mit einem sehr vehementen "ja" beantwortet worden.

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Nun deutet wenig daraufhin, dass sich am Samstag eine neue Krise entspinnt. Zu gut ist der FC Bayern drauf, zu groß scheint der FC Bayern für den auch nach fünf Spieltagen noch sieglosen Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de). Aber um nicht das, was vor zwölf Monaten passiert ist, erneut passieren zu lassen, erwartet Kovac von seinem Team beim Spiel in Ostwestfalen "absolute Seriösität". Zweifel, dass es daran mangeln könnte, hegt er allerdings keine. Das muss er auch nicht. Denn der eine oder andere Beobachter diagnostiziert dem Klub eine sehr, sehr gute Stimmung. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte sogar ein Protokoll der "Superspaß-Einheit" im Training. Und wer wäre Kovac, wenn er diese so fröhliche Herbst-Bestandsaufnahme entkräften würde.

Im bayrischen "Inner Circle", so sagt der Trainer, nehme man schon wahr, dass die "Kemi" (Chemie, d. Red.) stimme. "Wir lachen sehr viel, aber wir arbeiten auch sehr konzentriert und ich finde, dass die Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt einen sehr guten Eindruck macht - auf und neben dem Platz." Das hatte am Mittwoch erst auch Klubchef Karl-Heinz Rummenigge erkannt. Im Interview mit seinem Klub hatte er gesagt: "Wir haben von sieben Spielen fünf gewonnen, dazu in Leipzig ein Unentschieden mit hoher Qualität erlebt. Lediglich das Ergebnis im Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC war ein bisschen schmerzhaft." Die Münchner sind mit zwei Punkten Rückstand auf RB Leipzig Zweiter - und ohne das 2:2 gegen Berlin am ersten Spieltag "wären wir jetzt Tabellenführer", sagte Rummenigge. Faktisch korrekt.

Kovac hat noch Optimierungsbedarf

Nun ist und bleibt der Konjunktiv der größte Feind des Fußballers. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Und zwar gerne bald. So wünscht es sich Kovac. Mindestens mal den aktuellen Platz halten, eventuell noch um einen nach oben schieben, so lautet seine Ansage für die kommenden Spiele. Für die erfolgreiche Umsetzung dieses Plans - RB Leipzig müsste allerdings auch mitspielen und Punkte abgeben - sieht der Trainer noch ein bisschen Optimierungsbedarf. "Mehr Sicherheit" in den Abläufen brauche es. Und auch mal Dominanz über 80 statt wie bislang nur 60 oder 70 Minuten. Die Spiele dürften aus seiner Sicht dann auch gerne noch "schneller entschieden" werden.

Und ein bisschen mehr Kompaktheit, die solle auch her. "Wenn man gegen den Ball arbeitet, dann muss man kompakt auftreten. Da muss man wissen, was man will. Wenn wir uns alle gemeinsam daran halten, sind wir schwer zu überwinden." Wie die Römer früher mit ihren Legionen. Da sei schließlich auch keiner "durchgehuscht". Und so ist der Ansatz des FC Bayern: "Nicht nur Tore schießen, sondern auch zu Null spielen." Das freue dann den Stürmer und den Torwart gleichermaßen.

Nun war's ja so, dass der Torwart des FC Bayern, Manuel Neuer, zuletzt etwas weniger Freude hatte. Was vor allem an der sehr eigenartigen Debatte um seinen Status in der deutschen Nationalmannschaft lag. Das Thema aber ist nun abgehakt. Höchstinstanzlich von Präsident Uli Hoeneß, der höchstinstanzlich mit einem DFB-Boykott gedroht hatte. Was eine eher stumpfe Waffe war. Aber egal. Das Thema ist ja durch. Gut gelaunt war ja dagegen Robert Lewandowski. Der hatte gegen den 1. FC Köln erstmals seit Mai 2016 einen Elfmeter der Münchener nicht selbst geschossen. Er hatte die Ausführung für Philippe Coutinho überlassen. Und der hatte verwandelt.

Beim FC Bayern hatten sie sich sehr darüber gefreut. Über das Tor natürlich, aber noch viel mehr über die Geste. "Es sind tolle Neuzugänge und Charaktere dazu gekommen, die fantastisch aufgenommen wurden. Sie wollen sofort einen guten Eindruck hinterlassen", freut sich Kovac. Es zeige halt, "dass man nicht nur Arbeitskollege ist." Sondern sich auch Freundschaften entwickeln. Und das könne für die Realisierung der sehr ambitionierten Saisonziele maßgeblich sein: "Das kann das kleine Etwas sein, ob es in die oder die Richtung geht." Das "Wichtigste" aber sind, und das weiß auch der Trainer, "Ergebnisse". Dafür braucht's halt Seriösität - und keine schlechten Witze.

Fiete Arp übrigens, der muss operiert werden. Kein schöner Start in den Herbst.

Quelle: n-tv.de

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