Fußball

Aubameyangs bizarre Dankbarkeit Die letzte Provokation ist die frechste

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Pierre-Emerick Aubameyang sagt den Fans "danke" - aber wie.

(Foto: imago/Nordphoto)

Zu Pierre-Emerick Aubameyang ist doch eigentlich alles gesagt. Bis er plötzlich spricht. In einem Statement bei Instagram bedankt sich der Ex-Borusse bei den Fans, dem Klub und seinen Mitspielern. Eine letzte schwarzgelbe Ohrfeige.

Seine schwarzgelbe Fußball-Depression ist endlich geheilt. Pierre-Emerick Aubameyang muss nicht mehr für Borussia Dortmund spielen - nie wieder. Und er muss sich erst recht keine quälenden Gedanken mehr darüber machen, wie er das verhindern kann. Er muss keine Sitzungen mehr schwänzen. Und er muss im Training auch nicht mehr den loyalitätsbefreiten Langweiler geben. Pierre-Emerick Aubameyang ist jetzt in London, bei den "Gunners" und dort ist er "wirklich glücklich". Das hat er seinem neuen Arbeitgeber, dem FC Arsenal, in einem exklusiven Welcome-Interview verraten.

Doch auch die von ihm so verletzte schwarzgelbe Großgemeinde soll an diesem glücklichen Tag noch ein wenig getätschelt werden. Schließlich war der kriselnde Bundesligist in den vergangenen viereinhalb Jahren ja nicht ganz unbeteiligt daran, dass der 28-Jährige nun einen verdammt gut dotierten Vertrag in der Premier League bekommt. Und so schreibt der Gabuner auf seinem Lieblingskanal Instagram: "Zuerst einmal sorry für alles, was im letzten Monat geschehen ist. […] Vielleicht war es nicht der beste Weg, für den ich mich entschieden habe, jeder weiß, dass Auba verrückt ist - und ja, ich bin ein verrückter Junge, hahahaha! Ich habe Fehler gemacht, aber nie in böser Absicht […]. Ich danke der ganzen BVB-Familie, den Fans, dem Klub, dem Staff und natürlich meinen Mitspielern! Euer Auba17!!!"

In der professionellen Sport-Szene, ganz besonders im Fußball, ist es mittlerweile großer Geist, sich im Guten zu trennen. Zunächst am liebsten mit digital hübsch aufbereiteten, rührenden Post-Liebes-Postings und dann, bei einem möglichen Wiedertreffen, dem Verzicht auf jegliche Art von Triumphgesten (außer Sandro Wagner). Nun gibt es Typen wie Neven Subotic, denen man den in der Regel gut bezahlten Abgangsschmerz abkauft. Und es gibt Pierre-Emerick Aubameyang. Den Profi der Provokationen, der seinen tiefsitzenden Frust über das lange stabil gehaltene Wechsel-Veto der Dortmunder stumpf - in der Wahl der Mittel - und aggressiv in der Wirkung über Monate malträtierte.

Im besten Fall ist Aubameyang die Wucht seines ständigen Stichelns gar nicht bewusst gewesen. Aber: Drei Suspendierungen bei drei Trainern in etwas mehr als einem Jahr. Zwei davon in einer Situation, in der sich seine Dortmunder Borussia noch immer nicht vom Horrorjahr 2017 mit - unter anderem - Fan-Eklat und Südtribünensperrung, mit Bomben-Anschlag auf das Team, Tuchel-Entlieben, Streik-Wahnsinn und Bosz-Debakel erholt hatte. Das sind mindestens Dembélé'sche Methoden und nicht bloß die Naivitäten eines verrückten Jungen.

Und dann auch noch am Montag die krankheitsbedingte Absage als Zeuge im für den Klub so wichtigen Prozess um den Sprengstoffanschlag, aber nur einen Tag später der Abflug zum Medizincheck nach London. Das alles hat mit Aubameyangs von der Klubführung wiederholt behaupteter Professionalität nichts zu tun. Es ist einfach charakterliche Stumpfheit, die wiederholt und weiter Schule macht - selbst wenn der Stürmer sich dafür nicht das Patent eintragen lassen darf. Den so forcierten Abgang im "Gunners"-Glücksgefühl nun bei Instagram so peinlich zu verharmlosen, jede Bösartigkeit seines Ansinnens zu leugnen, ist die letzte Provokation, die der dritterfolgreichste Stürmer der Klubgeschichte als Erbe im Pott hinterlässt. Und sie ist gleichzeitig auch die frechste.

Quelle: ntv.de