Fußball

"Ein Tabubruch ohne Skrupel" Diskussion um Tönnies tobt weiter

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Clemens Tönnies lässt sein Amt als Schalker Aufsichtsratschef nun einige Zeit ruhen.

(Foto: dpa)

Der Ehrenrat des Bundesligisten FC Schalke 04 erkennt in den Aussagen des Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies keinen Rassismus. Dagmar Freitag von der SPD sieht das anders und kritisiert auch den DFB. CDU-Politiker Günter Nooke will inhaltlich über Tönnies' Thesen zu Afrika reden.

SPD-Politikerin Dagmar Freitag hat die Entscheidung des Ehrenrates des Bundesligisten FC Schalke 04 im Fall Clemens Tönnies kritisiert und den Deutschen Fußball-Bund zum Handeln aufgefordert. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag sagte dem NDR, sie sei enttäuscht, wie das Gremium auf die Äußerungen des Aufsichtsratschefs reagiert habe. "Wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung letztlich in eine Ecke stelle, erfüllt das für mich schon eher den Tatbestand des Rassismus als 'nur' den der Diskriminierung". Freitag warnte: "Solche Entgleisungen sind ein Tabubruch ohne Skrupel."

Ihre Wirkung in die Gesellschaft hinein "sind insbesondere in diesen Zeiten verheerend". Sie forderte den DFB auf, solche Ausfälle deutlicher zu kritisieren und erinnerte an den Slogan "Sage nein zu Rassismus" des europäischen Verbandes Uefa. "Alleine das müsste den DFB natürlich in seiner Linie bestärken, eine klarere Haltung zu finden." Die Ethikkommission des Verbands wird sich noch mit den Aussagen von Tönnies beschäftigen. Der Vorsitzende des Gremiums, Nikolaus Schneider, bestätigte, dass der Fall auf der Agenda für die Sitzung am 15. August steht. Die Kommissionsmitglieder könnten aber auch zügig entscheiden, das Thema für sich zu den Akten zu legen. Die Ethikkommission kann selbst kein Urteil fällen. Das dreiköpfige Gremium kann aber Anklage erheben, über die die DFB-Gerichtsbarkeit entscheiden muss.

Günter Nooke von der CDU, Afrikabeauftragter von Bundeskanzlerin Angela Merkel, stößt sich zwar an der Wortwahl Tönnies', hält aber die Äußerungen zum Bevölkerungswachstum für diskutabel. Tönnies hatte empfohlen, statt Steuererhöhungen für den Klimaschutz einzuführen, lieber Kraftwerke in Afrika zu bauen. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Tönnies' Lösungsvorschläge "unterkomplex"

Nooke sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Die von Tönnies angesprochenen Probleme, wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent, sind real, darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden." Allerdings erschwerten "Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion", sagte der Afrikabeauftragte. "Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen."

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Sätze wie die von Tönnies erschwerten jede konstruktive Diskussion, meint Günter Nooke.

(Foto: imago/IPON)

Nooke sagte zu Tönnies' Vorschlag: "Es wird nicht reichen, Geld für Kraftwerke in Afrika bereitzustellen." Es gebe "in vielen Ländern mangelhafte Rahmenbedingungen für sichere Investitionen" und "zu wenig Vertrauen in viele der afrikanischen Regierungen". Großes Bevölkerungswachstum heiße nicht, dass Afrika überall übervölkert wäre. "Es gibt sogar so dünn besiedelte Gebiete in Afrika, in denen Kraftwerke oder die Anbindung ans nationale Stromnetz nicht wirtschaftlich sind." Deshalb seien Tönnies' Lösungsvorschläge "unterkomplex".

Nooke selbst ist bereits für Äußerungen in Bezug auf Afrika kritisiert worden. Vergangenes Jahr warfen ihm die Grünen wegen einer Wortmeldung zur Kolonialzeit Rassismus vor. Nooke hatte zu den Folgen der Kolonialzeit in Afrika gesagt: "Es gibt schon Nachwirkungen. Schlimm waren die Sklaventransporte nach Nordamerika. Auf der anderen Seite hat die Kolonialzeit dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit."

Quelle: n-tv.de, sgi/dpa/sid/AFP

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