Fußball

Déjà-vu-Horror für den BVB? Ein Spiel, das Uli Hoeneß gefallen könnte

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Achja, die Bayern wissen, wie sie Uli Hoeneß glücklich machen.

(Foto: imago images/kolbert-press)

Am vergangenen Samstag überzeugte sich Uli Hoeneß im Stadion mal wieder live von der Form des FC Bayern. Was der Ehrenpräsident sah, das wird ihm gefallen haben, denn es war gut. Ob eine vergleichbare Leistung aber nun auch reicht, um den BVB im Titelkampf auf Distanz zu halten?

Das Hinrundenspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund war ein historisches. Und zwar nicht nur, weil die Münchner ihre postkovac'sche Belastungsstörung mit einem furiosen 4:0-Erfolg therapierten. Und auch nicht nur, weil diese Begegnung den Anfang der erstaunlichen Hansi-Flick-Saga begründete, nein auch und vor allem, weil es tatsächlich das letzte Bundesligaspiel des FC Bayern unter der Verantwortlichkeit von Präsident Uli Hoeneß war. Der erklärte das in der ausverkauften Allianz Arena Gesehene fortan zu etwas, das ihm "ewig in Erinnerung bleiben werde".

Auch das zweite Liga-Duell zwischen Deutschlands beiden besten Fußballmannschaften an diesem Dienstagabend (18.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) wird Uli Hoeneß in Erinnerung bleiben - ganz egal, wo er es sehen wird, ganz egal, wie es ausgehen wird. Dieses Duell, das nicht nur von der überragenden sportlichen Qualität der Spieler lebt, sondern auch von den Emotionen, es wird erstmals in der atmosphärischen Sterilität stattfinden. Weniger als 300 Menschen werden im Dortmunder Stadion sein. Die legendäre "Gelbe Wand", die größte Stehplatztribüne in Europa, sie ist ein graues Ungetüm, die ihre Energie im Verborgenen hält.

Ein "Superspiel" der "Superteams"?

Und so wird der wohl spannendste Titelkampf der vergangenen Jahre quasi auf neutralem Boden ausgetragen. Der Heimvorteil - er existiert nicht mehr. In den bislang ausgetragenen 18 Spielen nach der Zwangspause gewann lediglich dreimal die Mannschaft, die im eigenen Stadion antreten durfte - unter anderem Borussia Dortmund und der FC Bayern. Allerdings bekam der BVB im Revierderby vom FC Schalke 04 gar keine Gegenwehr, und auch Eintracht Frankfurt war nicht in der Verfassung, um München ernstlich zu fordern. Auch wenn Franz Beckenbauer, der seit ganz langer Zeit und nach offenbar überwundenen gesundheitlichen Problemen, die eine Teilnahme an der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe zur WM 2006 verhinderten, mal wieder im Stadion war, "sehr, sehr guten Fußball" von beiden Teams sah.

Nichts weniger als ein "Superspiel" erwartet Beckenbauer dann auch, wenn es am Abend um die Meisterschaft geht. "Beide Mannschaften sind in einer Top-Verfassung", befand er via "Bild"-Zeitung. Tatsächlich rauschen sowohl der FC Bayern und Borussia Dortmund mit äußerst beeindruckender Dominanz durch die Rückrunde. Die Münchner ließen lediglich gegen RB Leipzig einen Punkt liegen, der BVB patzte ebenfalls nur einmal, verlor ein spektakuläres Duell bei Bayer Leverkusen (3:4) nach einem Blitz-Knockout kurz vor dem Ende.

Haaland und Can als X-Faktoren

"Wir sind besser geworden. Wir spielen mit einem anderen System, das besser für unseren Kader ist", sagte BVB-Trainer Lucien Favre nun vor dem erneuten Duell. "Und wir haben im Winter zwei Spieler verpflichtet und haben eine andere Präsenz." Mit Emre Can und Erling Haaland haben die Dortmunder aber nicht nur ihre leidliche Mentalitätsdebatte aus der Hinrunde beendet, sondern auch zwei herausragende Fußballer hinzubekommen. Doch die individuelle Qualität war im Hinspiel eben nicht das Problem, sondern die Hasenfüßigkeit, mit der die Borussen durch die Münchner Arena hopsten.

"Es kommt darauf an, dass wir an uns glauben und keine einfachen Fehler im Ballbesitz machen", befand Sportdirektor Michael Zorc. Und er befand auch: "Man braucht kein allzu großer Prophet zu sein. Wenn wir um die Meisterschaft weiter mitspielen wollen, sollten wir gewinnen. Es sind nachher bloß noch sechs Spiele zu spielen." Bayern-Coach Hansi Flick dagegen würde selbst bei einem Münchner Sieg und dann sieben Punkten Vorsprung noch nicht von einer Vorentscheidung sprechen wollen.

Der Bayern-Trainer richtet den Fokus vor dem Duell der offensivstärksten Mannschaften der Liga zunächst einmal auf die Defensivarbeit. "Wenn wir hinten die Null stehen haben, bin ich zufrieden", sagte Flick. Dazu soll auch wieder der formstarke Jérôme Boateng beitragen. Der Verteidiger konnte nach einer Hüftblockade am Abschlusstraining teilnehmen. "Er ist einsatzfähig", sagte Flick. Das gilt dagegen nicht für Mittelfeldspieler Thiago, der wie schon gegen Frankfurt wegen Adduktorenbeschwerden pausieren muss. Sei's drum: "Für uns ist es ein schönes Spiel, ein Spiel, das wir uns alle wünschen", sagt Flick. "Man misst sich mit den Besten." Und es wird historisch - ganz egal, was passiert, ganz egal, wo Uli Hoeneß zuschaut.

Quelle: ntv.de

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