Fußball

Hertha stürmt - Richtung Europa? Ein Traumtor verlängert den Schalker Horror

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Zwar stand Alexander Nübel beim Tor von Leonardo Bittencourt ein wenig weit vor seinem Kasten - allerdings war der Ball auch perfekt geschossen.

(Foto: SVEN SIMON/ Anke Waelischmiller/)

Auch der Tabellenvorletzte ist für den FC Schalke 04 eine Nummer zu groß. Beim Comeback von Torhüter Alexander Nübel setzt es eine bittere Niederlage gegen Werder Bremen. Im Kampf um Europa patzt derweil der VfL Wolfsburg. Die Hertha setzt ihren Labbadia-Rausch fort.

FC Schalke 04 - Werder Bremen 0:1 (0:1)

Werder Bremen kämpft mit Leidenschaft gegen den ersten Bundesliga-Abstieg seit 40 Jahren, der FC Schalke 04 stolpert trotz eines erneuten Torwartwechsels leblos von einer Pleite in die nächste. Mit einem verdienten 1:0 (1:0)-Sieg in Gelsenkirchen verkürzten die Hanseaten ihren Rückstand auf den Relegationsplatz vorerst auf zwei Punkte, die Königsblauen bauten ihre schwarze Serie auf elf Spiele ohne Dreier aus und rutschten auf den zehnten Rang ab. Leonardo Bittencourt erzielte das entscheidende Tor (32.) zugunsten der Bremer, die mit sieben Punkten aus drei Spielen neue Hoffnung auf den Klassenerhalt schöpfen. Die erneut erschreckend schwachen Schalker kassierten die vierte Niederlage in der vierten Partie nach dem Restart.

Schalke - Bremen 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Bittencourt (32.)
Schalke: Nübel - Kabak, Salif Sane,  Todibo (46. Oczipka) - Kenny, McKennie (55. Boujellab), Schöpf,  Miranda (80. Burgstaller) - Matondo (46. Raman), Caligiuri -  Gregoritsch (58. Kutucu); Trainer: Wagner.
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Langkamp, Moisander, Friedl -  Vogt - Maximilian Eggestein, Klaassen - Bittencourt (46. Osako,  90.+1 Groß) - Sargent (70. Bargfrede), Rashica (58. Selke); Trainer: Kohfeldt.
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Zuschauer: keine

Auch das Wechselspiel im Tor half nicht. Trainer David Wagner hatte wieder den künftigen Münchner Alexander Nübel zwischen die Pfosten gestellt und damit bereits den vierten Wechsel der Saison auf dieser Position vorgenommen. Auf der Bank musste Markus Schubert Platz nehmen, der bei den drei Niederlagen nach dem Restart in Dortmund (0:4), gegen Augsburg (0:3) und in Düsseldorf (1:2) bei mehreren Gegentoren gepatzt hatte. "Schubi konnte der Mannschaft in den letzten Spielen leider nicht helfen. Er ist ein sehr junger Torwart, es ist eine schwierige Situation. Deshalb haben wir uns für den Wechsel entschieden", sagte Wagner bei Sky. Nübel hatte zuletzt vor der Corona-Zwangspause am 29. Februar beim 0:3 in Köln im Schalker Tor gestanden. Auch der U21-Vizeeuropameister hatte mit kapitalen Fehlern zum Absturz der Königsblauen in der Rückrunde beigetragen. "Wir hatten lange ein sehr stabiles Torhüterpaar, aber seit Februar haben wir da Probleme", sagte Wagner.

Bremen, mit erheblich mehr Selbstbewusstein ausgestattet, kontrollierte von der ersten Minute an das Geschehen. Schalke zog sich wie schon in Düsseldorf weit zurück und ließ Werder kombinieren. Der Szenenapplaus und die Anfeuerung von den Bremer Ersatzspielern und Betreuern machten deutlich, wer mehr investierte. Auf Schalker Seite war einzig Nübel mit seinen Anweisungen zu hören. Beim 0:1 war der Rückkehrer im Tor machtlos: Bittencourt zirkelte den Ball über ihn hinweg ins Netz. Eingeleitet hatte den Treffer Jean-Clair Todibo, der an der Mittellinie den Ball gegen Davy Klaassen vertändelt hatte. Ein Kopfball von Weston McKennie war das erste Schalker Lebenszeichen (37.). Doch die Gäste blieben spielbestimmend. Die erste ernsthafte Torchance verzeichneten die Gastgeber erst in der 53. Minute durch den eingewechselten Benito Raman. Schalke investierte nun mehr und gestaltete die Partie offener, war aber nicht energisch genug für eine Wende.

Hertha BSC - FC Augsburg 2:0 (1:0)

Hertha BSC hat den Aufwärtstrend unter Trainer Bruno Labbadia fortgesetzt und darf auf der Zielgeraden einer chaotischen Saison vorsichtig auf die Europapokal-Plätze blicken. Gegen den FC Augsburg gewannen die Berliner 2:0 (1:0), es war der dritte Sieg im vierten Spiel unter dem neuen Coach. Javairo Dilrosun (23.) sorgte in einer bis dahin umkämpften Begegnung sehenswert für die Führung, Krzysztof Piatek (90.+3) machte kurz vor Schluss alles klar. Mit nun 38 Punkten hat Hertha den Abstiegskampf bis auf Weiteres hinter sich gelassen. FCA-Coach Heiko Herrlich, der wie Labbadia nach der Corona-Pause sein Debüt bei seinem neuen Klub gegeben hatte, muss sich mit Augsburg mit 31 Zählern weiter nach unten orientieren.

Hertha - Augsburg 2:0 (1:0)

Tore: 1:0 Dilrosun (23.), 2:0 Piatek (90.+3)
Berlin:
Jarstein - Pekarik, Boyata, Torunarigha,  Mittelstädt - Grujic, Skjelbred (59. Arne Maier) - Lukebakio (64.  Piatek), Darida, Dilrosun (90.+1 Klünter) - Ibisevic (65. Leckie); Trainer: Labbadia.
Augsburg: Luthe - Lichtsteiner (74. Framberger), Suchy,  Uduokhai, Iago - Khedira (62. Baier), Gruezo - Vargas, Löwen (46.  Richter), Sarenren-Bazee (81. Teigl) - Cordova (46. Niederlechner); Trainer: Herrlich.
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Zuschauer: keine

Labbadia musste auf den zuletzt formstarken Matheus Cunha verzichten, der wie Linksverteidiger Marvin Plattenhardt mit einer leichten Gehirnerschütterung ausfiel. Für das Duo rückten Dilrosun und Maximilian Mittelstädt in die Startelf. Bei Augsburg nahm Herrlich sechs Wechsel vor. Noah Sarenren Bazee durfte erstmals von Beginn an spielen, auch Hertha-Leihgabe Eduard Löwen kam zu einem Einsatz. Augsburg spielte zu Beginn mutig auf und setzte Berlin mit frühem Pressing unter Druck. Die Hertha dagegen wirkte trotz der jüngsten Erfolgserlebnisse anfangs nervös, das Aufbauspiel war fehlerhaft, das Fehlen von Kreativspieler Cunha war deutlich zu erkennen. Labbadia griff an der Seitenlinie immer wieder lautstark korrigierend ein, vor allem mit der Leistung von Flügelspieler Dodi Lukebakio war der Coach offenbar nicht zufrieden. Weniger auszusetzen hatte Labbadia am Auftritt Dilrosuns. Der Niederländer lupfte nach einem Abpraller gefühlvoll über Augsburgs Felix Uduokhai und traf sehenswert zur Führung.

Der Treffer gab Hertha merklich mehr Sicherheit. Die Gastgeber kombinierten fortan gut, verlorene Bälle wurden schnell und im Kollektiv zurückerobert, die weit aufrückenden Außenverteidiger sorgten mit scharfen Hereingaben für viel Gefahr. Kapitän Vedad Ibisevic (27./36./38.) und Lukebakio (32.) ließen weitere gute Chancen ungenutzt. Während sich Hertha die mangelhafte Chancenverwertung vorwerfen lassen musste, hatte Augsburg nach der starken Anfangsphase nur wenig zu bieten. Herrlich reagierte und brachte zur zweiten Halbzeit Top-Scorer Florian Niederlechner und Marco Richter. Die Maßnahme zeigte Wirkung. Der FCA wurde aktiver und kam zu Möglichkeiten, unter anderem zielte Niederlechner knapp daneben (59.). Letztlich belohnte sich Augsburg aber nicht, Richter traf nur die Latte (89.). Im Gegenzug fiel die Entscheidung.

FSV Mainz 05 - TSG Hoffenheim 0:1 (0:1)

Die TSG Hoffenheim hat die Abstiegsängste des FSV Mainz 05 geschürt. Die Kraichgauer gewannen mit 1:0 (1:0) bei den Rheinhessen. Für den FSV sieht es nach dem fünften Spiel ohne Dreier in Folge düster aus. Dagegen dürfen die Hoffenheimer, die durch Steven Zuber sogar einen Strafstoß vergaben (27.), nach dem Treffer von Joker Ihlas Bebou (43.) weiter auf die Teilnahme an der Europa League hoffen. Für FSV-Trainer Achim Beierlorzer waren seine Duelle mit der TSG in der Hinrunde durchaus kurios. Nach einer Pleite gegen Hoffenheim (1:2) wurde er beim 1. FC Köln entlassen, am darauffolgenden Spieltag feierte er bei seinem Debüt als Mainzer Coach einen deutlichen Sieg (5:1) bei den Kraichgauern. Beim Geisterspiel in Mainz verhinderte FSV-Torwart Florian Müller den frühen Rückstand für seine Mannschaft. Der Keeper entschärfte einen Freistoß des dänischen Standardspezialisten Robert Skov (7.). Auf der Gegenseite sorgte Taiwo Awoniyi mit einer Einzelaktion für Gefahr (10.).

Mainz - Hoffenheim 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Bebou (43.)
Mainz:
Florian Müller - Baku, Bruma, Alexander Hack (46. Brosinski), Niakhate - Fernandes, Barreiro (76. Malong) - Awoniyi, Boetius (46. Onisiwo), Quaison (76. Szalai) - Mateta (46. Öztunali); Trainer: Beierlorzer.
Hoffenheim: Baumann - Bogarde (46. Akpoguma), Posch, Nordtveit, Zuber (46. Bicakcic) - Rudy, Samassekou - Skov, Baumgartner (86. Geiger), Bruun Larsen (37. Bebou) - Dabbur (72. Beier); Trainer: Schreuder.
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Besonderes Vorkommnis: Müller hält Foulelfmeter von Zuber (27.)

Insgesamt ging es sehr ruppig zu, nach 19 Minuten hatte Schiedsrichter Sascha Stegemann bereits vier Verwarnungen paritätisch verteilt. Das lag vor allem daran, dass beide Teams ihre zahlreichen Fehler immer wieder mit Hilfe von Fouls ausbügeln mussten. Hoffenheim hätte bereits nach einer guten halben Stunde in Führung gehen können: Zuber kam mit seinem schwach getretenen Strafstoß nicht an Müller vorbei. Zuvor war TSG-Senkrechtstarter Christoph Baumgartner gleich von zwei Mainzern (Alexander Hack und Ridle Baku) gefoult worden. Wenig später traf der Mainzer Robin Quaison per Freistoß den Pfosten (34.). In dieser Phase waren die Mainzer besser, gegen Ende der unterhaltsamen ersten Hälfte mit zahlreichen Strafraumszenen und sieben gelben Karten (Einstellung des Bundesligarekords) kamen aber noch einmal die Gäste auf. Erst vergab Skov (42.), der kurz zuvor eingewechselte Bebou machte es Sekunden später besser.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs brachte Beierlorzer gleich drei neue Spieler, um seiner Mannschaft neuen Schwung zu verleihen. Hoffenheim wechselte doppelt. Trotz der personellen Veränderungen blieb es turbulent. So wurde der vermeintliche Ausgleich durch Awoniyi aufgrund eines vorhergehenden Fouls an TSG-Torwart Oliver Baumann nicht anerkannt (60.). Kurz darauf hoffte Awoniyi vergebens auf einen Elfmeter (68.), Baumann war beim fraglichen Zweikampf wohl tatsächlich unschuldig. Dennoch lag ein Mainzer Treffer in der weiterhin hitzigen Begegnung in der Luft. Die beste Chance vergab aber der Hoffenheimer Youngster Maximilian Beier (75.).

VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt 1:2 (0:1)

Tiefes Durchatmen bei Eintracht Frankfurt: Das Team von Trainer Adi Hütter hat sich mit einem Sieg beim VfL Wolfsburg dringend benötigte Luft im Abstiegskampf verschafft. Die Hessen setzten sich bei den zuletzt starken Wölfen mit 2:1 (1:0) durch und feierten nach sechs Partien ohne Sieg wieder einen Dreier. Mit 32 Punkten müssen die Frankfurter aber weiter wachsam bleiben. Der VfL ärgert sich über die verpasste Chance auf Punkte im Rennen um ein Europacup-Ticket. Der Mannschaft von Coach Oliver Glasner mangelte es nicht an Einsatzbereitschaft oder spielerischen Elementen. Vor allem die fehlende Durchschlagskraft vor dem Frankfurter Tor war aus Sicht der Gastgeber zu beklagen. Andre Silva brachte die Eintracht per Foulelfmeter in der 27. Spielminute in Führung. Der Portugiese war zuvor nach einer Flanke von Wölfe-Verteidiger Marin Pongracic umklammert und zu Fall gebracht worden. Der starke Kevin Mbabu traf in der zweiten Halbzeit per Kopf zum Ausgleich (58.). Der Japaner Daichi Kamada (85.) entschied die Begegnung zugunsten der Hessen. Frankfurts Lucas Torro (90.+5) sah noch die Gelb-Rote Karte.

Wolfsburg - Frankfurt 1:2 (0:1)

Tore: 0:1 Silva (27., Foulelfmeter), 1:1 Mbabu (58.), 1:2 Kamada (85.)
Wolfsburg:
Casteels - Mbabu, Pongracic, Brooks, Roussillon - Schlager, Arnold - Steffen, Brekalo, Joao Victor (61. Mehmedi) - Weghorst (75. Ginczek); Trainer: Glasner.
Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Kohr (77. Torro), Rode (77. Fernandes) - Chandler, Kostic - Gacinovic (84. Sow), Kamada (89. de Guzman) - Silva (77. Dost); Trainer: Hütter.
Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)

Auch die Wölfe hatten sich nach zuletzt überzeugenden Auftritten mehr erhofft, das Team von Trainer Oliver Glasner bleibt mit 42 Zählern als Sechster aber auf Kurs Europacup. Den spielerisch überlegenen Gastgebern fehlte die nötige Durchschlagskraft vor dem Eintracht-Tor, um mehr als ein Unentschieden zu holen. Beide Mannschaften lieferten sich viele Zweikämpfe im Mittelfeld, es dauerte bis zur ersten Torchance. Doch die hatte es dann direkt in sich: Wolfsburgs Josip Brekalo zog freistehend im Strafraum mit links ab, Kevin Trapp rettete im Frankfurter Tor in größter Not (20.).

Spätestens in der 42. Spielminute hätte das Glasner-Team treffen müssen, als Torjäger Wout Weghorst aus dem Gewühl an Trapp hängenblieb. Zuvor besaß jedoch die Eintracht auch eine exzellente Gelegenheit zum 2:0 - Mijat Gacinovic verzog nach Flankenlauf von Filip Kostic und ärgerte sich lautstark im leeren Stadion (40.). Wolfsburg kam wütend aus der Halbzeitpause und forderte nach einem vermeintlichen Handspiel von Andre Silva einen Elfmeter. Doch Schiedsrichter Guido Winkmann erhielt kein Signal vom Videoschiedsrichter, auf den Punkt zu zeigen (53.). Fünf Minuten nach dem Ausgleich hatte der zuletzt treffsichere Pongracic freistehend aus kurzer Distanz die Wölfe-Führung auf dem Fuß, schoss aber über das Tor (63.), bevor Eintracht-Stürmer Gacinovic zu Beginn der umkämpften Schussphase an Koen Casteels scheiterte (74.). Für die Eintracht geht es bereits am Mittwoch mit einem Nachholspiel in Bremen weiter. Wolfsburg hat bis Sonntag Pause und muss dann ebenfalls bei Werder ran.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid