Fußball

Spektakel-Sieg gegen Frankfurt Eine ganz bittere Erkenntnis für Schalke 04

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Asa lächelt wieder!

(Foto: imago images/Revierfoto)

Schalke 04 tut ausgerechnet Borussia Dortmund einen gewaltigen Gefallen. Der Tabellenletzte besiegt Eintracht Frankfurt und ermöglicht dem BVB somit einen Matchball im Kampf um die Champions-League-Qualifikation. Der Sieg zeigt Schalke derweil einen großen Fehler auf.

Gerald Asamoah hat sein Lächeln zurück. Ach was, er hat sein Lachen zurück. Dreieinhalb Wochen nach der schockierenden Gewalt- und Hassnacht gegen die Fußballer, Trainer und Betreuer des FC Schalke 04 stand der Teammanager an diesem Samstagnachmittag in der heimischen Arena und drückte den wild auf ihn zu stürmenden Blendi Idrizi ganz fest an sich. Und lachte. Idrizi war zuvor etwas gelungen, was in dieser Saison nicht vielen Spielern des Gelsenkirchener Traditionsvereins gelungen war. Er hatte ein Tor geschossen. Mit Mut und Überzeugung. Es war das zwischenzeitlich 2:2 (52.) beim spektakulären 4:3-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Gegen einen (zugegeben schwächelnden) Königsklassen-Kandidaten. Verrückt.

Noch verrückter: Über diesen ersten dritten Saisonsieg der Schalker freuen sich vor allem die Dortmunder. Die sind dem Klub ja in einer nicht immer freundlichen Erzrivalität verbunden. Die Dortmunder freuen sich, weil sie im Kampf um die Champions League nun einen Matchball haben. Sollten sie am Abend den FSV Mainz 05, der den Klassenerhalt in Abwesenheit am Samstag fix gemacht hat, besiegen, dann ist die Königsklasse gebucht. Das war ja nach einer schwierigen Rückrunde lange nicht selbstverständlich und ist vor allem einem sehr beeindruckenden Schlusssprint zu verdanken. Nun, von einem beeindruckenden Schlusssprint ist Schalke weit weg. Aber das Spiel gegen die Eintracht vermittelte den Fans immerhin das Gefühl: Diese Mannschaft schenkt nicht ab.

Und diese Mannschaft, die war so mutig aufgestellt, wie wohl nie zuvor. Trainer Dimitrios Grammozis, der in diesen Tagen über sich lesen muss, dass es womöglich trotz Job-Zusage für Liga zwei doch Zweifel an seiner Arbeit gibt, hatte drei noch nicht etablierte Talente in seine Startelf geschickt. Außenbahnspieler Mehmet Aydin durfte zum fünften Mal ran, die Mittelfeldjungs Idrizi und Florian Flick zum zweiten, beziehungsweise zum dritten Mal. Und sie alle machten ihre Sache gut. Idrizi und Flick feierten sogar ihre Torpremieren. Tja, eine schöne Erkenntnis. Vor allem mit Blick auf die nächste Saison, die der Tabellenletzte, mit der Mission direkter Wiederaufstieg angehen wird. Dass mit Timo Becker noch ein Mann aus der Knappenschmiede gut spielte, schöne Sache. Und Matthew Hoppe, der zu Jahresbeginn ein spektakuläres Formhoch hatte, zeigte auch mal wieder auf. Auch er traf. Auch er schloss mit Mut und Überzeugung ab.

"Sie sind um ihr Leben gerannt"

"Es stand eine Mannschaft auf dem Platz mit sehr vielen jungen Spielern aus der U23. Sie sind um ihr Leben gerannt", lobte Asamoah bei Sky und ergänzte: "Das ist der Ansatz, den wir haben müssen. Für uns geht es jetzt darum, das nächste Spiel genauso zu bestreiten. Es ist einfach schön, dass die Jungs alles rausgehauen haben." Tja, irgendwie auch eine bittere Erkenntnis. Denn diesen Weg, mit jungen hungrigen Spielern hätte der Klub, hätte Trainer Grammozis schon früher gehen können. Denn als er Anfang März als fünfter Trainer der Saison übernommen hatte, da war der Klassenerhalt längst schon unwahrscheinlich. Klar, rechnerisch war noch alles möglich, dass er dennoch überwiegend den Spielern vertraute, die sich seit fast anderthalb Jahren sehr schwer damit tun, ihren Beruf vernünftig auszuführen, es sorgte nicht überall für Verständnis.

Nun aber freute sich der Trainer über den starken Unterbau, der das Fundament für die kommende Mission bilden wird. Zu den potenziellen Kandidaten zählen neben den nun Eingesetzten, die auch in dieser Saison ja bereits vorspielenden Kerim Çalhanoğlu, Can Bozdoğan, Levent Mercan oder Nassim Boujellab. Ergänzt um Neuzugänge wie Simon Terodde und Danny Latza. Und womöglich bleibt auch noch Klaas-Jan Huntelaar, der gegen Frankfurt auch klarstellte, dass sein Körper zwar malade sein mag, aber dass er immer noch ein vorzügliches Gefühl für sein Handwerk hat.

"Alle Körner auf dem Platz gelassen"

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Die frühe Führung besorgte er im Nachschuss, nachdem zuvor sein Elfmeter pariert worden war. Das Tor von Idrizi bereitete er mit der Hacke sehr sehenswert vor. Nun, Grammozis lobte vor allem seine Youngster: "Kompliment auch an die Knappenschmiede, die es geschafft hat, die Nachwuchsspieler auf solch ein gutes Niveau zu bekommen. Es macht mich unheimlich stolz, mit diesen Jungs zu arbeiten, weil sie jeden Tag zeigen, dass sie in die Mannschaft wollen. Die Jungs haben bis zur letzten Sekunde alles reingehauen, um den Sieg über die Bühne zu bekommen. Wir haben alle Körner auf dem Platz gelassen."

Nun, niemand weiß was passiert wäre, wenn Grammozis früh nach seiner Amtsübernahme umgeschwenkt hätte, wenn er früh in der Saison auf einen radikalen Umbruch gesetzt hätte. Dieser unbändige Wille, der große Stolz für diesen Klub spielen zu dürfen, er hätte dem Verein womöglich so manche Peinlichkeit, so manche schwer zu ertragende Lustlosigkeit der etablierten Stars (gemessen am Gehalt, nicht an der Leistung) erspart. Ob er das Horrorszenario hätten abwenden können, vermutlich eher nicht.

Quelle: ntv.de

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