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Stepanovic im Interview "Eintracht spielt gegen Chelsea mit 12. Mann"

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Dragoslav Stepanovic: Da geht's lang zum Europa-League-Finale in Baku!

(Foto: REUTERS)

Donezk, Inter, Benfica: Will die Frankfurter Eintracht das Finale der Fußball-Europa-League erreichen, muss sie auch Chelsea London mit den Stars Eden Hazard und Olivier Giroud schlagen. Eintrachts ehemaliger Trainer Dragoslav Stepanovic hält das vor dem Hinspiel an diesem Donnerstag in Frankfurt (ab 21 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) für durchaus möglich. Im Gespräch mit n-tv.de nennt er die Gründe, das Ergebnis und sagt, worauf es am Ende für die SGE ankommen wird.

n-tv.de: Auf die Eintracht wartet das erste Europacup-Halbfinale seit 38 Jahren. Ganz Fußball-Deutschland schaut nach Frankfurt. Der Druck ist enorm.

SGE - Chelsea, 21 Uhr

SG Eintracht Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - da Costa, Kostic - Rode, Gacinovic, Fernandes - Jovic, Pacienca. – Trainer: Hütter
FC Chelsea: Kepa Arrizabalaga - Azpilicueta, Luiz, Christensen, Emerson - Jorginho, Kovacic, Barkley - Pedro, Giroud, Eden Hazard. - Trainer: Sarri
Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)

Dragoslav Stepanovic: Klar, als einzige deutsche Mannschaft in Europa schauen alle auf dich. Ich glaube aber, dass die Mannschaft nicht daran denkt, dass sie die wichtigsten Spiele für die Eintracht seit 38 Jahren vor der Brust hat. Das Team hat vielmehr die beiden großen Ziele vor Augen: Qualifikation für die Champions League in der Bundesliga und Finaleinzug in der Europa League gegen Chelsea.

Wie stehen denn die Chancen, dass die Eintracht Chelsea knackt?

Ich denke, dass die Eintracht eine faire Chance hat, das Finale zu erreichen. Verglichen mit dem Viertelfinalgegner Benfica Lissabon ist zu Chelsea kein großer Unterschied. Das Niveau ist ähnlich hoch, die Offensive top besetzt mit Hazard und Giroud. Dennoch: In der Premier League geben Liverpool und Manchester City den Ton an, da kann Chelsea in dieser Saison nicht mithalten. Daher erwarte ich zwei enge Spiele, wenn es gegen die Eintracht geht.

Frankfurt spielt zuerst zu Hause, das Rückspiel findet in einer Woche an der Stamford Bridge statt. Ist das ein Vorteil für die Eintracht? Gegen Inter Mailand im Achtelfinale hat sie damit gute Erfahrungen gemacht: 0:0 zu Hause, 1:0 in Mailand ...

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Eintracht Frankfurt empfängt den FC Chelsea im Europa-League-Halbfinal-Hinspiel: Die SGE kann auf ihren "12. Mann" bauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn man im Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs steht, spielt es in meinen Augen keine Rolle, ob man zuerst zu Hause oder auswärts ran muss. Allerdings ist das erste Spiel immer für Überraschungen gut, siehe der Dreierpack von Felix in Lissabon - im Rückspiel, als die Frankfurter genau wussten, wie der Junge läuft, was er draufhat, war er total abgemeldet, hat keinen Stich gesehen.

Das Spiel ist wie alle Frankfurter Europa-League-Heimspiele ausverkauft.

Ja, das wird wieder der absolute Wahnsinn. Die Eintracht spielt wieder mit zwölf Mann. Was die Fans in dieser Europa-League-Saison, aber auch in der Bundesliga auf die Beine gestellt haben, ist fast schon unheimlich. Gegen Lissabon haben die Zuschauer das Team immer wieder nach vorn gepeitscht. Auch 40 Minuten nach dem Spiel hat kein Zuschauer das Stadion verlassen. Da fehlen einem fast die Worte. Mannschaft und Fans sind in Frankfurt eins - und das wird auch gegen Chelsea ein absolutes Pfund sein!

Wie muss die Eintracht gegen Chelsea im Hinspiel auftreten?

Hochkonzentriert und locker gleichermaßen. Sie darf nicht ins Spiel gehen mit dem Ziel: Wir müssen unbedingt zwei Tore machen. Das geht nach hinten los. Ich denke, wenn sie unbeeindruckt vom Gegner aufspielt, fallen Tore von ganz allein, und das Ergebnis spricht am Ende für die Eintracht.

Das war allerdings in der Bundesliga zuletzt nicht mehr der Fall: 1:3 zu Hause gegen Augsburg, 0:0 im Heimspiel gegen die Hertha. Haben die Spieler das im Hinterkopf?

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Zufrieden: Trainer Adi Hütter und Angreifer Ante Rebic - auch nach dem Heimspiel gegen Chelsea?

(Foto: picture alliance/dpa)

Ja, in der Bundesliga läuft es nicht mehr so gut. Zudem spielt die Eintracht nicht jedes Jahr in der Europa League. Da macht sich die Anzahl der Spiele zum Ende der Saison schon bemerkbar. Von Müdigkeit will ich bei den Spielern aber nicht sprechen. Die Frische fehlt etwas, die Konzentration lässt nach. Aber gegen Chelsea geht es um einen Finaleinzug, das setzt noch einmal Kräfte frei.

Ist es aus Ihrer Sicht wichtiger, dass im Hinspiel zu Hause die Null steht oder dass man vorne vielleicht doch ein, zwei Tore erzielt?

Ins Spiel zu gehen und zu sagen: Die Null muss stehen, funktioniert auf diesem Niveau, in einem Europa-League-Halbfinale nicht mehr. Über die 90 Minuten wird es zwangsläufig Chancen für Chelsea geben. Im Viertelfinale in Prag stand es auch lange 0:0, am Ende ging Chelsea mit einem 1:0-Sieg vom Platz. Von daher hinten kompakt stehen, aber dennoch vorne Chancen suchen - und ergreifen.

Einer, der genau für diese Spielweise steht, Sebastian Haller, fehlt seit Wochen verletzt. Er wird wohl auch im Hinspiel nicht mit von der Partie sein. Wie schwer wiegt sein Ausfall?

Dragoslav Stepanovic

Dragoslav Stepanovic wurde 1948 geboren. Der Serbe gehörte in den späten 1960ern und frühen 1970ern zu den besten Außenverteidigern der Welt und spielte 34 Mal für die jugoslawische Fußball-Nationalmannschaft. In Deutschland lief er für Eintracht Frankfurt und Wormatia Worms auf. Nach dem Ende seiner Laufbahn war er zeitweise als Kneipenwirt tätig, ehe ihn Bernd Hölzenbein im Frühjahr 1991 als Trainer zur Frankfurter Eintracht holte. In der Saison 1991/92 schaffte er es, die SGE an die Tabellenspitze der Bundesliga zu führen, kreierte mit seiner angriffslustigen Spielweise den "Fußball 2000". Am Ende verpasste er mit dem Team in einem dramatischen Saisonfinale aber den Meistertitel. Sein Kommentar dazu: "Lebbe geht weiter". Später arbeitete Stepi unter anderem noch als Coach von Bayer Leverkusen und Manager von TuS Koblenz.

Man merkt jetzt, wie wichtig ein Haller für die Mannschaft ist. Er ist vorn immer anspielbar, macht die Bälle fest, verteilt sie. Haller spielt uneigennützig, kann aber jederzeit auch selbst Tore schießen und ein Spiel entscheiden. Rebic und Jovic haben von Hallers Spielweise profitiert. Er wird fehlen, aber es gibt ja noch ein Rückspiel.

Wie geht denn das Hinspiel aus?

(lacht) Die Eintracht schlägt Chelsea 2:1.

Und das Rückspiel an der Stamford Bridge endet dann?

Mit einem Unentschieden.

Sprich, die Eintracht erreicht das Europa-League-Finale in Baku?

Die Chance ist auf alle Fälle da. Die Mannschaft muss fest daran glauben, dann tritt sie auch so auf und am Ende steht sie im Finale.

Mit Dragoslav Stepanovic sprach Thomas Badtke

Quelle: n-tv.de

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