Fußball

Die Lehren des 30. Spieltags FC Bayern als Opfer, Frankfurt steht dumm da

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"Stand jetzt": Niko Kovac.

imago/Jan Huebner

Niko Kovac eiert, Uli Hoeneß tobt, Fredi Bobic ist sauer: Willkommen bei den Schmierentheater-Festspielen des FC Bayern. Bleibt die Frage, wer hier letztlich der Dumme ist. Dafür ist der FC Schalke nun der bessere BVB.

1. Die Frankfurter bangen um ihren Lohn

Mit Niko Kovac bekommt der FC Bayern im Sommer den besten deutschsprachigen Trainer, der noch zu haben war. Stand jetzt, um den Kroaten zu zitieren, der noch bis Ende der Saison in Diensten der Frankfurter Eintracht steht. Kehrt nun, nachdem geklärt ist, wer auf Jupp Heynckes folgt, in München endlich Ruhe ein? Weit gefehlt, bisher zumindest nicht. Mit der Verkündung gingen die Schmierentheater-Festspiele erst richtig los. Fredi Bobic, Sportvorstand der Eintracht, fand den Zeitpunkt der Bekanntgabe unpassend und warf den Akteuren beim Großmeister des deutschen Fußballs "respektloses und unprofessionelles" Verhalten vor. Eine Interpretation, die er durchaus nicht exklusiv hat.

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Doch auch Kovac spielt in diesem Stück eine nicht allzu rühmliche Rolle. Hatte er doch in der vergangenen Woche noch auf die Frage, ob er demnächst den Arbeitgeber wechseln wolle, gesagt: "Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im nächsten Jahr Trainer von Eintracht Frankfurt bin." Diese Aussage hatte er aber flugs relativiert und sich damit ein Hintertürchen offengelassen, durch das er schließlich schlüpfte: "Im Fußball passiert so viel. Ich weiß nicht, was morgen passiert. Stand jetzt bin ich bis 2019 Trainer in Frankfurt."

Nun also ist viel passiert. Und die Frankfurter, die in der Bundesliga noch immer um einen Platz in der Champions League spielen und am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zudem im Halbfinale des DFB-Pokals beim FC Schalke 04 antreten, müssen irgendwie ihren Frieden finden, um sich nicht auf den letzten Metern um die Früchte einer im Grunde doch so grandiosen Saison zu bringen. Das weiß auch Bobic. Und behauptet: "Zwischen mir und Niko ist auf jeden Fall alles okay. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, es ist dadurch jetzt vielleicht ein bisschen getrübt. Wir waren auch in mancher Personalie nicht immer einer Meinung, aber das passiert hinter verschlossenen Türen. Wir sind sehr lange gesessen und haben uns ausgetauscht, das gehört nicht in die Öffentlichkeit."

2. Der FC Bayern geriert sich als Opfer

Doch die Aussage des Frankfurter Managers in Richtung München, das Ganze sei doch "sehr ärgerlich, unprofessionell und respektlos" gewesen, die ließ der FC Bayern natürlich nicht auf sich sitzen. Also erstmal Auftritt Hasan Salihamidzic, der sich verwundert zeigte - schließlich habe man den Frankfurtern ja auch erst Mitte Mai sagen können, dass sie sich einen neuen Coach suchen müssen. Dass man generell mal darüber hätte informieren können, so im Stile "ach übrigens, kann sein, dass wir demnächst mal euren Trainer fragen, ob der nicht lieber für uns arbeiten will", gehört wohl nicht zur Münchner Etikette.

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"Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft": Uli Hoeneß.

(Foto: imago/Eibner)

Völlig überrascht dürfte Bobic vom Abgang seines Erfolgstrainers freilich nicht gewesen sein. Die Vorstellung, Bobic habe nie einen Zusammenhang zwischen dem frei werdenden Trainer-Posten in München und der Ausstiegsklausel von Salihamidzic-Buddy Kovac hergestellt, scheint absurd. Einen Kantersieg im heimischen Stadion gegen Borussia Mönchengladbach an diesem 30. Spieltag später, sah sich dann aber auch Bayerns Präsident Uli Hoeneß bemüht, die Rollenverteilung in der Täter-Opfer-Konstellation neu zu verteilen. "Dass aus dieser eigentlich großzügigen Geste ein Bumerang gemacht wird, das verstehen wir überhaupt nicht."

Armer FC Bayern. Von hier an erhitzte sich die Hoeneß'sche Betriebstemperatur um ein paar weitere Grad. "Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft! Das geht Sie einen ziemlichen Mist an", watschte er beim Bezahlsender Sky jedwedes Nachhaken des Moderators Patrick Wasserziehr zum zeitlichen Ablauf der Vertragsunterzeichnung ab. Der FC Bayern also das Opfer in der Causa Kovac? Haben vielleicht sogar die Frankfurter selbst die Geschichte an die (in Bayern-Angelegenheiten) stets bestens informierte Spinger-Presse weitergegeben? Wohl kaum, auch wenn Hoeneß das nicht so gerne hören wird und behauptet, der FC Bayern habe "überhaupt kein Interesse daran", die Nachricht publik zu machen. Doch dazu dürfte es Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Salihamidzic viel zu sehr geärgert haben, in den vergangenen Monaten ständig als der Dumme, der in der Trainersuche alles falsch macht, dargestellt worden zu sein. Der FC Bayern wollte also die Eintracht schützen? Wohl eher sich selbst.

3. Die Dortmunder "haben es verkackt"

Junger Trainer, gierige Mannschaft, Leidenschaft, erfolgreicher Fußball - das waren die Attribute, die Borussia Dortmund vor wenigen Jahren den Aufstieg zur Nr. 1 des deutschen Fußballs ebneten, ehe das Imperium aus München brutal zurückschlug. Und jetzt? Sind es exakt die Attribute, mit denen der FC Schalke dem BVB auch den Status als Nr. 2 vorerst genommen und die Vorherrschaft im Revier erobert hat.

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Enttäuscht in Gelsenkirchen: die Dortmunder André Schürrle, Marco Reus und Mario Götze.

(Foto: imago/Revierfoto)

Das 0:2 war aus Dortmunder Sicht in gewisser Weise noch debakulöser als das 4:4 im Hinspiel, als die Borussia einen 4:0-Pausenvorsprung vergeigt hatte. Denn diesmal verschenkten die Dortmunder den Sieg nicht leichtfertig und starben den Chancentod. Diesmal hatten sie nie eine echte Chance, obwohl Schalke zwar leidenschaftlich und stark spielte, aber keineswegs wie eine Übermannschaft. Wie lasch die Dortmunder 60 Minuten lang agierten, wie wenig sie investierten, den Sieg wollten, das war erschreckend eines Derby nicht würdig. Es war bedenklich. Durchaus ehrenwert war, dass Nationalspieler Marco Reus einräumte: "Wir wollten unbedingt gewinnen und vor Schalke stehen. Aber wir haben es verkackt." Es beantwortet aber nicht die Frage, die schon nach der 0:6-Klatsche in München gestellt worden war: Warum? Endgültig beantwortet dürfte dafür sein, welche Zukunft Peter Stöger beim BVB hat, nämlich: keine. Sein Auftritt und der seines Teams im Derby wirkten, als hätten das alle Beteiligten längst eingesehen.

4. Der FC Schalke ist der bessere BVB

Die dürftige Leistung seiner Dortmunder Borussia beim Spiel in Gelsenkirchen ist damit abgehakt, wenden wir uns den Schalkern zu. Die haben sich nicht nur sehr über den Sieg gegen den Nachbarn gefreut, sie planen schon weiter. Manager Christian Heidel sagt: "Anfangs hat das ein wenig gestockt, aber mittlerweile sind wir auf einem richtig guten Weg." Der Kollege Arnulf Beckmann hat das Spiel gesehen und die Lage der Schalker analysiert.

5. Last-Minute-Tickets im deutschen WM-Angriff?

Der härteste Joachim Löw, den es je gab, hat vor dem Projekt WM-Titelverteidigung keine Angst vor unpopulären Entscheidungen. Mario Götze kann das bestätigen. Vier Spieltage vor dem Ende der Saison und einen Monat vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders fragen wir: Geht da vielleicht noch was in Richtung Überraschungs-Nominierung im Angriff der DFB-Elf? Am 30. Spieltag haben gleich mehrere zwischenzeitlich in der Versenkung verschwundene Kandidaten dem Bundestrainer Argumente geliefert, warum sie vielleicht doch auf ein Paar schwarz-rot-goldene Badelatschen hoffen dürfen.

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"Ihr fragt den Hummels und Müller auch nicht jede Woche, ob sie zur WM mitfahren": Sandro Wagner.

(Foto: imago/Ulmer)

Los geht's mit einem, den das Thema zwar "langsam nervt", der aber trotzdem mitmuss: Findet jedenfalls Sandro Wagner. Denn es sei ja so: "Ihr fragt den Hummels und Müller auch nicht jede Woche, ob sie zur WM mitfahren. Und genauso sehe ich das bei mir auch." Exklusiver Hinweis an den vom Tor-Doppelpack gegen Gladbach aufgeputschten Bayern-Stürmer: Wenn es um die Selbstverständlichkeit einer Nominierung geht, bewirken ein WM-Titel und eine Länderspiel-Statistik, die das Dutzend überschritten hat, manchmal Wunder.

"Ist Gnabry der neue Odonkor?" fragt derweil der Sport-Informationsdienst. Wer David Odonkor nur als Teilnehmer einer RTL-Tanzshow kennt: Der Mann konnte mal ziemlich gut Fußball spielen (Zeitzeugen schwärmen noch immer von der schönsten Flanke der Heim-WM 2006). Serge Gnabry müssen wir dagegen nicht vorstellen: Die Bayern-Leihgabe ist bei der TSG Hoffenheim dermaßen populär, dass sein Trainer Julian Nagelsmann schon maßregelt: "Als ob wir nur aus Serge Gnabry bestehen." Das wollen wir natürlich nicht unterstellen, aber sechs Tore in den vergangenen sechs Bundesligaspielen sind durchaus ein Argument für die WM - und sogar Gegner müssen anerkennen, dass der 22-Jährige in der Form nicht zu stoppen ist. Blöd für Gnabry, dass da noch die immer wiederkehrenden Muskelprobleme sind, die leider auch der Bundestrainer kennt.

Kevin Volland hätte es in den letzten Monaten selten auf eine Shortlist der unverzichtbarsten deutschen Stürmer geschafft, das sieht nach dem furiosen 4:1 gegen die Frankfurter Eintracht anders aus. Zwar wäre trotz des Dreierpacks eine Nominierung des Leverkuseners nichts anderes als die riesige Riesenüberraschung, vier Treffer in den vergangenen beiden Spielen dürften die (eventuell verblassten) Erinnerungen aber auch bei Joachim Löw auffrischen. Und wer weiß: Am Dienstag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) steht ja noch das Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern an.

6. Aussichtsloser ist das neue aussichtslos

Nach dem kurzen Lebenszeichen gegen Schalke 04 heißt es für den HSV ein 0:2 in Sinsheim später: back to business. Konkret sind das: Abstiegssorgen, Abstiegssorgen, Abstiegssorgen. Durchmischt mit einer bewundernswerten Ausdauer in Sachen Durchhalteparolen, vor der man echt nur den imaginären Hut ziehen kann. Weil "Wir sind nicht so niedergeschlagen, dass wir sagen, wir haben keine Chancen mehr" (Trainer Christian Titz) und "Für uns ist trotz der Niederlage noch nichts verloren" (Sejad Salihovic) aber auch nach 30 Spieltagen noch keine zusätzlichen Punkte aufs Tabellenkonto schaufeln, bleibt der HSV Vorletzter. Die Hoffnung stirbt erst mit dem mathematischen K.o., vielleicht also schon kommende Woche.

90 Minuten im Berliner Olympiastadion haben dem 1. FC Köln gereicht, um zu demonstrieren, warum er besser schon mal nach Zugverbindungen ins Erzgebirge oder nach Regensburg Ausschau hält. Positiv: Viele Auswärtsspiele in Liga zwei lassen sich für die Rheinländer mit dem Bus bewältigen, Bochum oder Duisburg is ja umme Ecke. Leonardo Bittencourt sagte dann auch: "Ganz ehrlich, viel Hoffnung habe ich nicht." Eine Aussage, bei der Dino Hermann in Hamburg allergischen Ausschlag kriegen würde. Allerdings hat Bittencourt die Wahrheit auf seiner Seite: Mit 21 Zählern fehlen dem Tabellenschlusslicht weiter sechs Punkte auf Relegationsrang 16. Aber, nochmal Leon Bittencourt: "Ich kann versichern, dass wir nächste Woche wieder alles reinwerfen werden und versuchen zu gewinnen." Das Hoffnungsfünkchen stirbt zuletzt.

Quelle: n-tv.de

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