Fußball

Dortmunds Favre verzockt sich FC Bayern demonstriert Macht, Kovac klagt

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"Jeder muss den Anspruch haben, was ich nicht möchte, dass man es mir antut, das tue ich auch keinem anderen an": Niko Kovac, Hobby-Philosoph.

(Foto: imago images / DeFodi)

Der FC Bayern setzt mit dem 5:0 im Gipfeltreffen mit Borussia Dortmund ein Statement im Titelkampf in der Fußball-Bundesliga. Er beweist, doch noch Gegner auf Augenhöhe bezwingen zu können. Trainer Niko Kovac ist der große Gewinner und tadelt seine Kritiker.

Als der dritte Akt der Befreiung erledigt war, vollbrachte auch der Trainer an der Seitenlinie eine Höchstleistung. Niko Kovac schraubte seinen drahtigen Körper nach oben, weit nach oben und vereinte bei seinem Sprung kurz vor der Halbzeit Eleganz und Dynamik. Ein bisschen war dieser Ausbruch nach dem Treffer von Javier Martínez zum 3:0 fünf Minuten vor der Pause mit dem Gesamtauftritt des FC Bayern, seiner Mannschaft, bei diesem Gipfeltreffen in der Münchner Arena zu vergleichen. "Man sieht", sagte er später, "dass ich noch hochspringen kann." Der deutsche Fußball-Rekordmeister auch, das 5:0 gegen den bisherigen Tabellenführer Borussia Dortmund war mehr als eine Machtdemonstration. Als "Statement" bezeichnete Thomas Müller die Entzauberung der Westfalen.

Mit dem Sieg ist sechs Spieltage vor Ende der Bundesligasaison noch nichts entschieden im Meisterkampf. Ein Pünktchen und stattliche 15 Tore sind die Münchner nun dem Herausforderer zwar voraus, aber angesichts der bayerischen Wankelmütigkeit in dieser Runde wäre es nicht überheblich, wenn der BVB noch auf einen kleinen Ausrutscher des neuen Spitzenreiters hoffen würde. Auf der anderen Seite ahnen die Dortmunder, dass die deftige Niederlage Spuren hinterlassen wird. "Das beschäftigt uns sicher die nächsten Tage", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Mindestens.

Die Westfalen traten in München nicht wie ein Tabellenführer auf, der Meister werden will, sondern zauderte wie jene Mannschaften, die in den vergangenen Wochen ordentlich Prügel bezogen hatten vom FC Bayern: Mönchengladbach, Wolfsburg, Mainz. Der Situation, fand Zorc, sei man "mental nicht gewachsen" gewesen. Die sehr junge Mannschaft funktioniert, wenn alles passt wie in der Hinrunde, aber nicht mehr so gut, wenn sie Probleme lösen muss. "Wir haben Fehler gemacht, die haben die Spieler zuletzt in der A-Jugend gemacht." Dan-Axel Zagadou zum Beispiel vor dem zweiten Bayern-Treffer, als er schlampig quer spielte, Robert Lewandowski dazwischen ging, und er den Polen auf dem Weg zum 200. Bundesligator nicht mehr aufhalten konnte.

"Wir sind diejenigen, die alles abbekommen"

Mit Routine, die dem BVB fehlt, dem Willen und womöglich einer besseren taktischen Ausrichtung als der Gegner, schafften es die Münchner der Mannschaft, die vor Weihnachten bereits neun Punkte enteilt gewesen war, die Grenzen aufzuzeigen. Das Zweikampfverhalten der Dortmunder war als solches nicht zu bezeichnen, sondern sie begleiteten ihre Gegner nur ehrfürchtig. Kovac hatte das Mittelfeld mit der Hereinnahme von Martínez verstärkt und damit die Defensive stabilisiert. Der Spanier wurde bei seiner Auswechslung vom Publikum mit Standing Ovation bedacht.

Dortmunds Trainer Lucien Favre hat sich dagegen ein wenig verzockt, als er den ballsicheren und fast zu alter Stärke zurückgekehrten Mario Götze überraschend auf der Bank ließ. Er wollte mit schnellen Offensivleuten "mit mehr Tiefe spielen", sagte der Schweizer. "Aber es hat nicht funktioniert. Am Ende ist immer der Trainer schuld."

Während Favre die Kritik an seiner Aufstellung und Taktik mit einem kleinen Lächeln begleitete, wirkte Kovac nicht erlöst, sondern ungewöhnlich dünnhäutig. Der Trainer, der bisher in München alle Probleme und die Tadel von außen weggelächelt hatte, schaltete in den Angriffsmodus und beklagte den Umgang mit den Trainern im Allgemeinen und ihm im Speziellen. "Wir sind diejenigen, die alles abbekommen. Jeder muss den Anspruch haben, was ich nicht möchte, dass man es mir antut, das tue ich auch keinem anderen an."

Ein guter Eindruck - für den Moment

Kovac hat sich wohl den besten Moment für seine Offensive ausgesucht. Er darf sich bei den Siegern des Abends als der große Gewinner fühlen. Der Kroate ist, das hat er in Frankfurt gezeigt, ein guter Trainer, aber der FC Bayern will eben einen sehr guten. Und es hat in dieser Saison immer wieder Zweifel gegeben, ob Kovac die hohen Qualitätskriterien erfüllen kann. Im Umfeld des FC Bayern war bereits zu hören gewesen, dass Kovac' Versetzung in die neue Saison gefährdet ist, wenn es mit dem Meistertitel nicht klappt.

Der Trainer hatte bis Samstag nicht unter Beweis gestellt, auch Gegner auf Augenhöhe besiegen zu können. Für das ermauerte 0:0 in Liverpool Ende Februar war Kovac zurecht gelobt worden, weil aber in der zweiten Champions-League-Partie gegen Jürgen Klopps Engländer Esprit, Mut der Mannschaft und vor allem eine klare Spielidee von Kovac fehlten, zählt der gute Auftritt an der Anfield Road nicht mehr viel. Nach dem beschwingten Sieg im Gipfeltreffen dürfte nun wieder der gute Eindruck überwiegen. Für den Moment.

Quelle: ntv.de