Fußball

Infantino will keine Geisel sein Fifa schasst ihre Spitzen-Ethiker um Eckert

f7a3654a9b720f77b02f3369fa801e9e.jpg

Intern soll Gianni Infantino sich und seine Council-Kollegen als "Geiseln" der Kontrollgremien bezeichnet haben - was er öffentlich bestreitet.

(Foto: AP)

Sie sperren unter anderem Joseph Blatter und Michel Platini. Fifa-Präsident Gianni Infantino gefällt das offenbar nicht. Jetzt setzt der Fußball-Weltverband die renommierten Juristen Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely als Spitze der Ethik-Kammer ab.

Die Fifa hat sich ihrer unbequemen Spitzen-Ethiker um den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert entledigt und neue, heftige Zweifel am propagierten Reformprozess ausgelöst. Der deutsche Richter Eckert und der Schweizer Chef-Ermittler Cornel Borbely wurden vom Council des Fußball-Weltverbands in Manama nicht wieder für ihre Posten vorgeschlagen. Damit können die renommierten Ethiker, die unter anderem den ehemaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter verbannten, vom Kongress am Donnerstag in der bahrainischen Hauptstadt nicht gewählt werden.

imago28191359h.jpg

Kein Kommentar: Reinhard Grindel.

(Foto: imago/Jan Huebner)

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte sich vor seiner ersten Sitzung als Mitglied der Fifa-Regierung deutlich für einen Verbleib der renommierten Eckert und Borbely ausgesprochen. "Ich bin dafür, dass Eckert und Borbely ihre Arbeit fortsetzen, weil sie zur Wiederherstellung der Integrität der Fifa einen entscheidenden Beitrag geleistet haben." Direkt nach der mehr als fünfstündigen Mammut-Sitzung im Fünf-Sterne-Hotel Diplomat Radisson BLU äußerte sich keines der Council-Mitglieder, Infantino war nicht mehr zu sehen. Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura hatte vor anderthalb Monaten noch erklärt, sie stehe "zu 100 Prozent" zu beiden Ethikhütern.

Ethiker ermittelten gegen Infantino

Eckert saß der rechtsprechenden Kammer seit knapp fünf Jahren vor, Borbely war seit zwei Jahren Chef der Untersuchungskammer. Die beiden wollten ihre Posten für vier weitere Jahre behalten und wurden noch in der Kongresswoche in Manama erwartet. Am Mittwoch werden sie sich voraussichtlich auf einer Pressekonferenz äußern. Als neue Chefermittlern schlug das Fifa-Council die Kolumbianerin María Claudia Rojas vor, die rechtsprechende Kammer soll der frühere Präsident des Europäischen Gerichtshofs Vassilios Skouris aus Griechenland leiten.

Auch der frühere Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof, Luís Miguel Poiares Maduro aus Portugal, wurde nicht wieder als Vorsitzender der Governance Kommission vorgeschlagen. DFB-Chef Grindel ist Mitglied des Gremiums, das die politische Integrität der Fifa-Strukturen überwacht. Die Ethik-Kammer um Borbely und Eckert hatte in den vergangenen Jahren gegen über 60 Funktionäre im Fifa-Korruptionsskandal ermittelt und unter anderen den ehemaligen Verbandschef Blatter sowie den früheren Uefa-Boss Michel Platini zu mehrjährigen Sperren verurteilt. Intern soll Infantino sich und seine Council-Kollegen als "Geiseln" der Kontrollgremien bezeichnet haben, was er öffentlich bestreitet. Die Ethikkommission hatte vergangenes Jahr auch gegen den Fifa-Chef ermittelt, die Untersuchungen aber nach mehreren Wochen eingestellt, weil der Schweizer nicht gegen Verhaltensregeln verstoßen habe.

Keine sofortige Vergabe der WM 2026

Eine sofortige Vorvergabe der XXL-WM 2026 an die USA, Kanada und Mexiko lehnte die Fifa-Regierung hingegen ab - andere Kandidaten sollen weitere drei Monate Zeit für eine Kandidatur bekommen. Das Trio hat beantragt, dass der Kongress das Bewerbungsverfahren beschleunigt, sodass die drei schon in Bahrain unter Bedingungen den Zuschlag erhalten würden. Nun kann ein anderer Anwärter binnen drei Monaten sein Interesse bekunden. Verbände aus Europa und Asien sind wegen der WM 2018 in Russland und 2022 in Katar ausgeschlossen. Allerdings ist derzeit kein weiterer Kandidat für die von 32 auf 48 Teams ausgeweitete Weltmeisterschaft in Sicht.

Die Zahl der europäischen Teilnehmer bei der WM in neun Jahren wird von zuvor 13 auf 16 steigen. Wie das Fifa-Council beschloss, werden alle Konföderationen mehr Startplätze als bei den bisherigen Weltturnieren mit 32 Teams erhalten. Afrika stellt neun Mannschaften, Asien acht, Nord-/Mittelamerika sowie Südamerika schicken jeweils sechs Vertreter, zudem ist ein ozeanisches Team dabei.

Quelle: ntv.de, Florian Lütticke, dpa