Fußball

BKA warnt vor Anschlägen Fifa spielt WM-Terrorgefahr herunter

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Wladimir Putin und Gianni Infantino glauben an ein sicheres Turnier.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Friedliches Fußballfest oder dauerhaft angespannte Lage? Die Einschätzungen zur Fußball-WM in Russland gehen weit auseinander. Während das Bundeskriminalamt in einem Geheimpapier warnen soll, verbreitet der Fußball-Weltverband gute Laune.

100 Tage vor dem Anstoß zur Fußball-WM verbreiten Russlands Präsident Wladimir Putin und Fifa-Boss Gianni Infantino in einer Videobotschaft eine fröhliche Stimmung, doch hinter den Kulissen gibt es Sorgen um die Sicherheit. Laut eines Berichts der "Bild"-Zeitung geht das Bundeskriminalamt (BKA) in einem vertraulichen Papier von einer hohen Terrorgefahr bei der WM durch radikale Islamisten aus. Das BKA wollte sich dazu nicht äußern.

Der Weltverband Fifa nimmt den Bericht gelassen. "Die ohnehin schon hohen Sicherheitsstandards in Russland wurden und werden ständig auf die spezifischen Anforderungen und Herausforderungen einer solchen Sportgroßveranstaltung abgestimmt", sagte ein Fifa-Sprecher. Der Confederations Cup in Russland im vergangenen Jahr habe gezeigt, "dass diese Konzepte greifen".

Auch die russischen WM-Organisatoren wiesen Bedenken wegen möglicher Terroranschläge bei der Endrunde vom 14. Juni bis 15. Juli zurück. Das Sicherheitskonzept müsse nicht verändert werden, teilte das Organisationskomitee auf Anfrage mit. "Szenarien für alle möglichen Arten von Angriffen wurden berücksichtigt", hieß es weiter. "Russlands Sicherheitskräfte werden zusammen mit der privaten Sicherheit in den Stadien garantieren, dass das Fußballfest in den elf Austragungsorten reibungslos abläuft."

Mehrere Anschläge beweisen Gefährdung

Doch die Angst vor Anschlägen ist nicht unbegründet. Dies hatte die DFB-Auswahl im November 2015 beim Länderspiel gegen Frankreich in Paris erfahren müssen. Nur einem aufmerksamen Kontrolleur ist es zu verdanken, dass ein Attentäter des IS mit Sprengstoffweste nicht ins Stade de France hineinkam. Bei der folgenden Anschlagserie in der französischen Hauptstadt töteten die Attentäter 130 Menschen.

Das Auswärtige Amt in Berlin gibt in seinen Reisehinweisen an, dass Attentate in Russland nicht ausgeschlossen sind. Darauf haben sich auch die deutschen WM-Reiseveranstalter eingestellt. "Die Sicherheitsvorkehrungen werden einem Großevent entsprechend sehr aufwendig sein", sagte eine Sprecherin des Anbieters DER Touristik.

Auch im Gastgeberland ist das Bewusstsein für die Gefährdung groß. Der Anschlag auf die Metro in St. Petersburg im April 2017 mit 16 Toten hat der russischen Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass auch im Herzen einer pulsierenden Metropole Anschläge möglich sind. Die Terrorattacken auf den Moskauer Flughafen Domodedowo 2011 und auf die Moskauer Metro 2010 sind in den Köpfen ebenfalls präsent. Die Sicherheitskräfte warnen immer wieder vor allem vor Anschlägen sogenannter IS-Rückkehrer. Denn nach Einschätzung Moskauer Geheimdienste sollen sich Tausende Bürger aus Russland und früheren Sowjetrepubliken der Terrorgruppe Islamischer Staat in Syrien und im Irak angeschlossen haben. Seit Monaten gibt es vor allem im islamisch geprägten Unruhegebiet Nordkaukasus Anti-Terror-Einsätze gegen mutmaßliche Extremisten.

Collagen zeigen angebliche Hinrichtungen von Messi und Co.

Der IS habe seit Oktober zunehmend die WM 2018 thematisiert, zitiert die "Bild"-Zeitung aus dem geheimen Gefährdungslagebild des BKA. Im Netz kursieren Collagen, auf denen die angebliche Hinrichtung von Weltstars wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Neymar angedeutet wird oder auf denen Dschihadisten mit Bomben und Maschinengewehren vor russischen Stadien posieren.

Zur WM plant Russland daher erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Es dürfte mehr Kontrollen und Polizeipräsenz geben. Allein im Gebiet Moskau sollen sich 6500 Sicherheitskräfte um WM-Veranstaltungen kümmern. Mit einem "Festival der Gewalt" von Hooligans wie bei der EM 2016 in Frankreich, als bei blutigen Straßenschlachten in Marseille 35 zumeist englische Fans verletzt wurden, rechnen Beobachter in Moskau momentan eher nicht. Die Behörden verweisen auf die positiven Erfahrungen beim Confed Cup im vergangenen Sommer. Präventiv haben sie Hunderte bekannte Hooligans auf eine schwarze Liste gesetzt. Sie dürfen nicht zu WM-Spielen kommen und stehen unter Beobachtung.

Quelle: ntv.de, Eric Dobias und Thomas Körbel, dpa

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