Fußball

Nächster Hieb gegen Salihamidzic Flick pfeift auf Rummenigges Mahnung

Karl-Heinz Rummenigge wünscht sich Ruhe beim FC Bayern, Hansi Flick feuert aber wieder und weiter. Wieder und weiter geht es gegen Sportvorstand Hasan Salihamidzic. In diesem längst unwürdigen Schauspiel gibt es die wohl denkbar härteste Kritik.

Hansi Flick versuchte gar nicht erst, um Zustimmung zu werben. Er war überzeugt, dass es keine gegenteiligen Meinungen gibt. Und zwar zur Qualität des Kaders. Diese sei in der vergangenen Saison beim FC Bayern höher gewesen als in dieser. Mindestens zwei Menschen beim FC Bayern wird dieser krachende Satz, gesprochen bei der obligatorischen Medienrunde zum Spieltag (in der Bundesliga es geht am Samstag um 15.30 Uhr gegen Union Berlin) am Freitagmittag, fuchsteufelswild machen. Und das aus völlig unterschiedlichen Gründen. Der eine, der wut- und klubrot anlaufen wird, ist Hasan Salihamidzic. Der andere ist Karl-Heinz Rummenigge. Und aus alter Solidarität zum Klub und zu seinem Zögling Salihamidzic, wird es vermutlich auch am Tegernsee grellrot. Im Gesicht von Uli Hoeneß.

Nun ist es nämlich so: Flick hat zwar eine Wahrheit ausgesprochen - Ivan Perisic, Philippe Coutinho, Thiago und Álvaro Odriozola (Ausnahme) aus der vergangenen Spielzeit stehen Leroy Sané (Ausnahme), Eric Maxim Choupo-Moting (kleine Ausnahme) Marc Roca, Douglas Costa, Bouna Sarr und die Talente Tanguy Nianzou (bislang fast durchgehend verletzt) und Tiago Dantas (absoluter, aber kaum berücksichtigter Wunschspieler von Flick) gegenüber -, die aber wird in München nicht gerne gehört. Und das nicht, weil es eine unschöne Wahrheit ist, sondern weil sie seit Monaten Eruptionen auslöst, die den Klub zerstörerisch erschüttern.

Es ist eine Wahrheit, die nur einen Haupt-Adressaten kennt: Hasan Salihamidzic. Als Sportvorstand liegt die Planung von Transfers und Kader in seinem Hoheitsgebiet. Es ist ein Hoheitsgebiet, in dem der Trainer gerne mehr Mitsprache hätte. Ein Veto sogar. Wenn Flick also ohne weitere Erklärung (Pandemie-Folgen etwa) beklagt, dass sein Team nun weniger stark ist, dann ist das vermutlich die schmerzhafteste Watschn, die man (s)einem Vorgesetzten entgegen schmettern kann. Nun ist es nicht so, dass Salihamidzic nicht wüsste, wie sich knallharte Verbalfeigen vom Trainer anfühlen. Denn seit anderthalb Jahren kassiert er mehr harte Treffer als einst die Gegner von "Dr. Steelhammer". Doch diese Watschn dürfte besonders irritierend wirken. Wenn das in diesem sich seit anderthalb Jahren immer unwürdiger auftürmenden Schauspiel überhaupt noch geht.

Erst am Vormittag hatte Karl-Heinz Rummenigge via "Bild"-Zeitung den dringenden Wunsch platziert, dass Flick und Salihamidzic ihre filmreife Fehde endlich zu Ende bringen. Harmonie, Loyalität, Professionalität und Fokus auf das Wesentliche (also auf das Sportliche) hatte der Klubboss eingefordert. Kaum etwas davon gab ihm Flick nur wenige Stunden später. Stattdessen: wieder Feuer. Ob es als ein Löschversuch durchgehen kann, dass der Trainer auch von seiner "geilen Mannschaft" sprach, mit der es "enorm viel Spaß" mache zu arbeiten? Eher nicht. Denn er sprach fortan von der Begeisterung, von der Intensität und der Mentalität. Dinge, die dann eben in das Hoheitsgebiet des Trainers fallen. Also in das von Flick. Er habe nach dem auf bizarre Weise verlorenen Champions-League-Duell gegen Paris St. Germain (2:3) "viele Nachrichten von Kollegen bekommen, dass die Mannschaft eine absolute Inspiration ist."

Erst Kritik, dann "Teilschuld"-Geständnis

Wer so ins Schwärmen kommt, der wird ja wohl bleiben. Der wird weitermachen wollen. Könnte man ja mal meinen. Aber der Status ist nach wie vor unklar. Denn der Mitte März erklärte Frieden mit Salihamidzic ist nun aufgekündigt. Spätestens seit den Ereignissen vor und nach dem Spiel gegen PSG. Dort hatte der Sportvorstand offiziell bestätigt, dass Jérôme Boateng keinen neuen Vertrag beim FC Bayern bekommt. Gegen den ausdrücklichen Wunsch des Trainers, der nicht den nächsten Leistungsträger nach Thiago (vergangene Saison) und David Alaba (nach dieser Spielzeit) verlieren wollte. Flick kommentierte das überraschende Vorgehen des Bosniers, der auch erklärte hatte, dass der Trainer in die Entscheidung eingebunden (informiert trifft es wohl besser) war, mit der Ansage, dass er solche Fragen nicht beantworten müsse und wolle. Was er dann aber doch tat, als er hinterher setzte, dass er dann doch "schauspielern" müsse. Es war ein Satz, der alles vernichtete. Der eine Zusammenarbeit mit Salihamdizic eigentlich unmöglich macht. Der seine eigene Zukunft ans ganz dünne Bändchen hing.

Und dann nun auch noch die Kritik am Kader! Eine entsprechende Frage danach gab es übrigens nicht.

Ungeachtet der mittlerweile vorherrschenden Interpretation von Medien und Experten, dass die Zusammenarbeit tatsächlich im Sommer endet, erneuerte Flick sein Bekenntnis ab sofort zu Dingen zu schweigen, die auf außersportliche Dinge abzielen. Aber eben erst, nachdem er seine Kritik nochmal unmissverständlich platziert und sein eigenes Wirken und die herausragende Arbeit der Mannschaft hervorgehoben hatte. In einem sehr bemerkenswerten Monolog bekannte er: "Ich bin absolut fokussiert auf meine Mannschaft, ich unterstütze meine Mannschaft, weil ich auch spüre, dass meine Mannschaft auch absolut loyal mir gegenüber ist. Das sind die Dinge, die entscheidend sind. Dass das Team zusammenhält, da sind alle mit dabei, Trainerteam, Staff und jeder einzelne Spieler." Aber eben kein Sportvorstand. Und auch sonst kein Top-Funktionär. So klingt es. Die Loyalitätsfrage klar entschieden.

Mehr zum Thema

Und generell sei es ja schließlich auch so: "Ich versuche das Ganze so zu lösen oder so zusammenzuarbeiten, dass es im Sinne des Vereins ist. Was ansonsten an Störfeuern kommt, das kommt nicht von mir und ich werde mich dazu auch in Zukunft nicht mehr äußern", bekannte Flick. Und er bekannte auch, dass er sicher auch eine "Teilschuld an den Dingen habe, die da reingetragen worden sind." Nun aber ist Schweigen. "Ich weiß, Ihre Aufgabe, ihr Job ist es aus dem Flick was herauszubekommen und ich verstehe es absolut. Aber verstehen Sie auch bitte, dass ich in Zukunft wenn so eine Frage kommt, die Antwort gebe: Bitte nächste Frage!"

An diesem Freitag kam sie bereits drei Mal.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.