Fußball

Wie berichten zum Liga-Neustart? Fokus auf Fußball, Corona im Hinterkopf

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Dichtes Journalisten-Gedrängel wird es nach Fußballspielen nun nicht mehr geben.

(Foto: imago/MIS)

Die Corona-Pandemie wirbelt auch den Sportjournalismus durcheinander. Zum Neustart der Bundesliga berichtet ntv.de wieder über Fußball - normal wird das nicht. Die Redaktion hinterfragt sich, wie ihr die Berichterstattung aktuell, kritisch und transparent in der Ausnahmesituation gelingt.

Am 31. Dezember erscheint die erste kurze Meldung bei ntv.de: "Mysteriöse Lungenkrankheit in China ausgebrochen" lautet die Überschrift. Niemand in der Redaktion erahnt darin den Beginn einer weltweiten Krise. Einige Tage später trifft auch die Sportredaktion zum ersten Mal inhaltlich auf das Coronavirus. "Ein Teil des Olympia-Qualifikationsturniers im Frauenfußball wird von Wuhan, wo das Virus ausgebrochen war, nach Nanjing verlegt", heißt es da.

Zunächst brummt das nachrichtliche Geschehen weiter wie immer in der Redaktion. Auch im Sportressort. Der FC Bayern München fertigt Schalke 04 mit 5:0 Toren ab und eilt von Sieg zu Sieg, die Kansas City Chiefs gewinnen zum ersten Mal den Super Bowl - und die Sportwelt trauert um die bei einem Hubschrauberunfall verstorbene Basketball-Legende Kobe Bryant. In den nächsten Tagen und Wochen aber werden Verschiebungen von Sportevents die Normalität. Bald darauf ihre Absagen. Vor Ort in der ntv.de-Redaktion arbeiten irgendwann nur noch wenige Mitarbeiter, der Rest wird ins Homeoffice geschickt. Meetings finden digital statt, es werden Bescheinigungen zur Systemrelevanz verschickt, damit ein Weg ins Redaktionsgebäude auch bei einer potenziellen Ausgangssperre möglich ist.

Durch die Corona-Pandemie gerät alles aus den Fugen. Auch der Sportjournalismus. Der weltweite Stopp (fast) aller Ligen bringt die aktuelle Berichterstattung (fast) komplett zum Erliegen. Alles dreht sich mehr als zwei Monate nur noch um die Corona-Gefahr, Abbrüche von Veranstaltungen und irgendwann um Wiederaufnahme-Pläne. Der Sport selbst steht hinten an. Es gibt dieser Tage - das ist klar - natürlich weitaus wichtigere Dinge als Fußball, Formel 1 und Co.

Das Sportliche hat wieder eine Relevanz

Ähnlich vieler anderer Sportredaktionen überlegt auch ntv.de, wie am besten mit der Ausnahmesituation umzugehen ist und versucht, den Sport-Stopp aktuell, transparent, kritisch und mit spannenden Geschichten von vor der Corona-Zeit zu begleiten. Aber das Thema und die Notlage komplett ohne Sport sind Neuland, nicht alles funktioniert fehlerlos. Das Sportressort hinterfragt sich immer wieder, einen "richtigen" Weg scheint es nicht zu geben. Nun beginnt die Fußball-Bundesliga wieder und erneut steht eine Diskussion im Raum: Wie umgehen mit dem Neustart, der so viel mehr als Fußball mit sich bringt?

Auch wenn die Wiederaufnahme des Spielbetriebs durchaus kritisch betrachtet wird im Team von ntv.de, ist es der Job eines Journalisten, von den sportlichen Vorgängen zu berichten. Natürlich, ohne die größeren Zusammenhänge und das allgegenwärtige Corona aus den Augen zu lassen. Trotzdem: Jetzt geht es wieder los mit dem simplen Spiel, bei dem das Runde in das Eckige soll - wenn auch mit einem komischen Gefühl. Endet das Revierderby wieder in einem dramatischen 4:4-Unentschieden, schickt die Redaktion eine Breaking News raus und analysiert die Partie en détail, weil eben das Sportliche wieder eine Relevanz hat. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Corona-Pandemie nicht immer noch wichtiger wäre, aber Sportereignisse sind wieder berichtenswert. So ist der Lauf der Dinge.

Doch die Ausübung des Journalisten-Jobs wird trotz Liga-Neustart weiter anders als vorher aussehen und ntv.de wird sich auch dabei konstant hinterfragen. Das Berichten aus dem Stadion ist nicht mehr so einfach wie vorher, nur wenige Medienvertreter werden zugelassen. Und stellt diese Unternehmung vielleicht ein zu großes Risiko dar? Wie fängt man im Stadion eine Atmosphäre ein, die es nicht mehr gibt? Funktioniert das überhaupt noch, Stimmenfang und kritisches Nachfragen im Anschluss an das Spiel? Dicht gedrängt um O-Töne in den Katakomben kämpfen, das wird nicht möglich sein. Über die aktuellen Nachrichten und die wichtigsten Hintergründe zu berichten und die bewährte Qualität aufrechtzuerhalten, ist trotzdem das erklärte Ziel.

Fokus auf Fußball, Corona im Hinterkopf

Klar, die Berichterstattung rund um die Bundesliga wird mitnichten normal. Zunächst einmal wird ohne die Fans ein erheblicher Teil dessen wegfallen, was den Fußball-Zirkus ausmacht. Keine Umarmungen beim Torjubel, keine Handshakes, kein gemeinsames Einlaufen der Mannschaften, ein striktes Hygiene-Protokoll, das sogar das Desinfizieren der Spielbälle vor und während der Partien vorsieht: Vieles ist neu und die Berichterstattung kann diese Dinge und die gesundheitlichen Risiken nicht komplett ignorieren. Zumal auch ein Abbruch der Saison immer noch durchaus möglich ist.

Dennoch soll bei ntv.de von nun an der Fokus wieder auf dem Sportlichen liegen - so gut es geht. Bayern, Dortmund oder Leipzig, wer entscheidet den spannendsten Meisterschaftskampf seit Jahren für sich? Krallt sich Robert Lewandowski mal wieder die Torjägerkrone oder kann Timo Werner noch ein Wörtchen mitreden? Welches Team erreicht die heißbegehrten internationalen Plätze und wer kann sich vor dem Abstieg retten? Im Hinterkopf wird aber immer bleiben, dass eine Ausnahmesituation herrscht. Unsicheres Fahrwasser, das auch für Journalisten unbekannt ist - in dem ntv.de aber alles tut, um die bestmögliche Berichterstattung zu liefern.

Quelle: ntv.de