Fußball

Nationenliga? Wahlkampf! Grindel stellt Bierhoff in den Senkel

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"Diese Haltung unterscheidet mich von Oliver Bierhoff, dem ich auch deutlich gemacht habe, dass ich seine Auffassung nicht teile": Reinhard Grindel.

(Foto: imago/Sven Simon)

Die Haltung zur Nationenliga spaltet den DFB. Auf die Kritik von Oliver Bierhoff am neuen und mutmaßlich überflüssigen Wettbewerb reagiert Reinhard Grindel mit einem Machtwort. Der Verbandschef formuliert "deutlich" seine Meinung - und widerspricht dem Manager.

Mit seinem Machtwort hat Reinhard Grindel einen Richtungsstreit zwischen DFB-Spitze und Manager Oliver Bierhoff angeheizt. In der Debatte um den internationalen Spielkalender betonte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, er unterstütze die umstrittene Nationenliga "nachdrücklich". "Diese Haltung unterscheidet mich von Oliver Bierhoff, dem ich auch deutlich gemacht habe, dass ich seine Auffassung nicht teile", sagte Grindel. Bierhoff hatte die Einführung der Nationenliga kritisiert und deren Nutzen aus Sicht der großen Fußball-Nationen angezweifelt. "Man hat am Ende das Gefühl, die Uefa muss noch mal Geld erwirtschaften und macht deshalb den Wettbewerb", sagte er kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Vor seiner erhofften Wahl in die Uefa-Exekutive beim Kongress am Mittwoch in Helsinki entgegnete Grindel, dass die Nationenliga für kleinere und mittlere Nationen die Chance sei, "regelmäßig Spielbetrieb zu haben". Damit offenbart sich erneut ein Dissens zwischen den Top-Funktionären des DFB und dem Manager des Weltmeister-Teams von Joachim Löw. Ein öffentliches Widerwort gegen den Bundestrainer selbst wird aus dem Verband zwar voraussichtlich niemals zu hören sein. In Richtung Bierhoff hatte Generalsekretär Friedrich Curtius zuletzt allerdings die Verantwortung für die geplante Verbands-Akademie beansprucht und vor einer "Verselbstständigung der Nationalelf" gewarnt.

"Fifa und Uefa sind in der Verantwortung"

Dabei geht es hinter den Kulissen auch um die Frage, wie stark die Macher der Nationalelf mit dem restlichen DFB vernetzt sind. Mit Blick auf den Terminkalender hatte Löw gewarnt, dass die Verbände das Rad nicht überdrehen dürften. "Fifa und Uefa sind in der Verantwortung, sie brauchen Augenmaß und müssen das richtige Verhältnis finden zwischen kommerziellen Interessen und der sportlichen Sicht." Nach der WM in Russland startet die Europäische Fußball-Union im September 2018 die kompliziert anmutende Nationenliga.

Die 55 Mitglieder der Uefa spielen in vier Divisionen mit jeweils vier Untergruppen, es wird ein Sieger gekürt, es gibt Auf- und Abstieg, zudem werden vier Tickets für die EM 2020 vergeben. "Ich glaube, dass es Sinn macht, die Freundschaftsspiele durch einen neuen Wettbewerb zu ersetzen, der den Konkurrenzgedanken und das Gefühl stärkt, dass es um etwas geht", sagte der CDU-Politiker Grindel, der den Confederations Cup und die Klub-WM "skeptisch" sieht.

Sein gesperrter Vorgänger Wolfgang Niersbach hatte bei Einführung der Nationenliga vor drei Jahren öffentlich noch "Bedenken" formuliert. Dies könnte Grindel vor dem Uefa-Kongress in Helsinki besonders von den kleineren Mitgliedsverbänden allerdings negativ ausgelegt werden. Beim Treffen am Mittwoch ist er nicht nur einziger Bewerber für die Nachfolge Niersbachs im Council des Weltverbands Fifa, sondern geht auch favorisiert in die Wahl für einen von acht freien Posten im Uefa-Exekutivkomitee.

Quelle: ntv.de, Florian Lütticke und Arne Richter, dpa