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"Die Gier nach Erfolgen ist ihm anzumerken": Heiko Herrlich.
"Die Gier nach Erfolgen ist ihm anzumerken": Heiko Herrlich.(Foto: imago/Herbert Bucco)
Freitag, 12. Januar 2018

Reicht das für den FC Bayern?: Heiko Herrlich päppelt Leverkusen auf

Aller Skepsis zum Trotz führt Heiko Herrlich die Leverkusener zurück in die Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga. Dass es gar für einen Sieg gegen den FC Bayern reicht, schließt der Trainer zumindest nicht aus. Seine Spieler schwärmen ohnehin von ihm. Rudi Völler auch.

Der bei Borussia Dortmund gescheiterte Peter Bosz stand auf dem Zettel, ebenso Lucien Favre, auch Thomas Tuchel soll ein Kandidat gewesen sein. Als dann Sportchef Rudi Völler im Sommer Heiko Herrlich als neuen Trainer für Bayer 04 Leverkusen verpflichtete, war das eine Überraschung - und die Skepsis beim geneigten Beobachter groß. Nun aber, 17 Spieltage später, sieht die Sache schon anders aus. Vor dem Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga ab 20.30 Uhr (im Liveticker bei n-tv.de) gegen den unangefochtenen Tabellenführer FC Bayern stehen die Leverkusener auf Platz vier in der Tabelle und sind einer der Kandidaten, die sich am Ende der Saison für die Champions League qualifizieren können.

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Aber reicht das auch, um den Branchenprimus zu besiegen? Herrlich sagt: "Von mir wird man keine Kampfansage hören, aber wir werden auch nicht in Ehrfurcht erstarren. Im schlimmsten Fall gibt's eine Klatsche, im besten Fall können wir gewinnen." Er weiß, was er mit seiner Mannschaft geleistet hat, die seit 13 Ligapartien unbesiegt ist. Und er weiß, dass diese Entwicklung nicht nur vor dem Hintergrund, dass der TSV in der vergangenen Saison nur Platz zwölf belegte, ein Erfolg ist.

Völler jedenfalls ist mit sich, der Mannschaft und Herrlich sehr zufrieden: "Er hat großen Anteil daran, dass wir stabiler geworden sind. Die Gier nach Erfolgen ist ihm anzumerken. Deshalb haben wir ihn ja geholt." Nach einem Stotterstart und nur einem Punkt aus den ersten drei Saisonspielen blieben Herrlich und seine Chefs geduldig. "Er hat uns mental gepackt, und durch die Erfolgserlebnisse haben wir jetzt auch automatisch mehr Selbstvertrauen", schwärmte Nationalspieler Jonathan Tah im "Kicker".

"Zu Recht Hohn und Spott ertragen"

Dass Herrlich, 46 Jahre alt, heute überhaupt auf der Bank sitzen darf, hat er einem milden Urteil des DFB-Sportgerichtes zu verdanken. Nach seiner peinlichen Schwalbe beim 1:0 im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Borussia Mönchengladbach kurz vor Weihnachten kam er mit einer Strafe von 12.000 Euro davon. Herrlich hatte sich nach einem Schubser des Gladbachers Denis Zakaria in der Coaching-Zone theatralisch fallen lassen. Danach hat er mehrmals um Entschuldigung gebeten. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er nun: "Für diese Situation habe ich zu Recht Hohn und Spott ertragen müssen." Das Gute an ihm sei aber, dass er "selten einen Fehler zweimal mache. Aber es wird nicht mein letzter Fehler gewesen sein, und ich habe auch nicht den Anspruch, fehlerfrei zu sein".

Das Thema sei nun aber erledigt, ab sofort gelte seine volle Konzentration wieder dem Streben nach einem Platz im Europapokal: "Unser Anspruch ist klar. Wir wollen zurück ins internationale Geschäft. Wir haben eine ordentliche bis gute Entwicklung genommen und sind auf einem guten Weg", sagt Herrlich, betont aber auch: "Wir haben noch gar nichts erreicht." In Leverkusen, wo er von 1989 bis 1993 als Profi spielte, fühlt er sich wohl: "Ich habe eine hohe Job-Zufriedenheit, das Vertrauensverhältnis ist sehr gut. Meine Familie und ich hier sehr glücklich. Ich war immer ein Fan dieser Region, habe die Rheinländer und deren Mentalität immer gemocht und habe mir immer gewünscht, hier noch mal leben zu können."

Herrlich, der vergangene Saison den SSV Jahn Regensburg in die zweite Liga geführt hat, kann sich gut vorstellen, über 2019 hinaus bei Bayer zu bleiben: "Ich habe in Leverkusen einen Zweijahresvertrag unterschrieben und bin glücklich, dankbar und demütig, dass ich das hier machen kann. Der Verein besitzt auch eine Option für ein drittes Jahr, wenn wir ins internationale Geschäft kommen." Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte Völler: "Wie Heiko das jetzt macht, das ist genau die Art, die wir uns vorgestellt hatten im Sommer."

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Quelle: n-tv.de