Fußball

Thomas Müller coacht die Bayern Kingsley "Showman" entzaubert die Rüpel

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Gut gemacht.

(Foto: Peter Schatz / Pool)

Beim perfekten Start in die neue Saison der Champions League trumpft der FC Bayern nach einem Corona-Schreck wie in besten Triple-Tagen auf. Finaltorschütze Coman ragt heraus. Trainer Flick freut sich über "wunderbare Tore". Für ihn ist diese Leistung der Maßstab.

Selbst Hansi Flick konnte sich nicht entscheiden. Es war aber auch wirklich schwer. Also bemühte sich der Coach des FC Bayern um den bestmöglichen Kompromiss: "Es waren vier wunderbare Tore, eines schöner als das andere", sagte er nach dem erstaunlichen 4:0 (2:0)-Erfolg gegen Atletico Madrid. Es war ein Spiel, das all jene Menschen, die zuletzt leise Zweifel an der Verfassung der Münchner geäußert hatten, daran erinnerte: Diese Mannschaft, die des FC Bayern, ist die beste in Europa - und damit mutmaßlich auch der Welt. Und sie hat offenbar nicht vor, diesen gültigen Status in absehbarer Zeit zu ändern. Leistungen wie jene nun gegen das spanische Spitzenteam sollen der Maßstab sein, befand Flick.

Ganz besonders hoch hat sie Kingsley Coman gelegt, der die Champions League einmal mehr nutzte, um der Welt zu zeigen, was für herausragende Fähigkeiten er hat. Wie der Franzose beispielsweise die scharfe Flanke von Joshua Kimmich (der Pass war "perfekt" lobt Coman) vor dem 1:0 aus der Luft holte und in einer fluffigen Bewegung zum Tor verarbeitete, das war mindestens mal prächtig. Man könnte es wohl auch Weltklasse nennen. Nicht viel schlechter, wenn auch ganz anders war sein zweiter Treffer, der zum Endstand nämlich. Aus der eigenen Hälfte heraus rannte er nach einem Pass von Thomas Müller auf das Tor der Madrilenen zu, hakelte erst Felipe zweimal aus, dann noch Koke und schloss lässig ab. Die Treffer des Franzosen rahmten die wuchtigen Abschlüsse von Leon Goretzka (aus kurzer Distanz, auf Vorlage von Coman) und Corentin Tolisso (aus sehr langer Distanz) würdig ein.

Tolisso erfüllt Hoeneß' Prophezeiung

Die Gier, die die Münchner Mannschaft ausstrahlte, die Spielfreude und die Effektivität, sie erinnerten stark an das Finalturnier der Champions League in Lissabon, wo der FC Bayern seine außergewöhnliche Klasse mit dem Henkelpott manifestiert hatte. "Wir hatten eine schwere Aufgabe vor der Brust, haben diese souverän gemeistert. Ich bin sehr zufrieden", sagte Flick. "Es ist sehr wichtig, dass man den ersten Spieltag mit einem Sieg beendet und das wollten wir mit allen Mitteln. Die körperliche Präsenz war da und das war zuvor nicht immer so der Fall." Tatsächlich hatte der FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim (ganz besonders) und gegen Arminia Bielefeld (nur ein bisschen) zuletzt einige Nachlässigkeiten erlaubt. Und so verlangte Flick nach der Gala auf der größten Bühne, auch in der Liga künftig wieder dominanter aufzutreten. "Die Mentalität und Qualität hat die Mannschaft", sagte er. Unbestritten. Ein Deja-vu mit den 70er-Jahren will er unbedingt vermeiden. Damals prägten "Kaiser" Franz Beckenbauer und Co. mit drei Triumphen im Landesmeister-Pokal in Serie eine Ära, stürzten aber in der Bundesliga ab.

Gegen Madrid, "die größten Rabauken im europäischen Fußball", wie Thomas Müller in Halbzeit eins schimpfte, taten sich drei Bayern besonders hervor. Coman natürlich, aber auch Müller, der nach dem positiven Corona-Test von Serge Gnabry auf die rechte Seite ausweichen musste. Und Corentin Tolisso, der überraschend den Platz von Müller hinter Robert Lewandowski anvertraut bekam. Der Mann, der wegen Verletzungen bislang nicht endgültig in München angekommen wirkte, spielte nun so, wie Uli Hoeneß zuletzt in der Diskussion um die Kader-Quantität (und damit auch die Qualität) prophezeit hatte. "Den kannst du blind reinwerfen", hatte der Ehrenpräsident doch etwas überraschend orakelt. Und ja, reinwerfen, spielen, überzeugen, das hat an diesem Abend sehr gut funktioniert.

Sonderlob für Thomas Müller

Müller dagegen spielte nicht so überragend auffällig (kein Tor, eine Vorlage) wie zuletzt, unterstrich aber wieder einmal seine Unverzichtbarkeit für Flick (was übrigens auch für Kimmich galt und gilt). Und so lobte der Trainer sehr ausführlich: "Thomas weiß, welche Räume er besetzen muss und wo er stehen muss. Er coacht die Mannschaft. Er ist im Mittelpunkt unseres Spiels wichtig und macht es auch sehr gut. Thomas pusht die Mitspieler und ist immer anspielbar. Wenn man es so sagen will, ist er der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld."

Mann des Spiels aber, da gab es dann auch kaum abweichende Meinungen, war aber wieder einmal der "King" aus Frankreich. Die Königsklasse, das ist sein Revier, seine Bühne, seine große Show. Dort weist er regelmäßig nach, dass das Duell auf dem linken Flügel mit Neuzugang Leroy Sané keinesfalls zu seinen Ungunsten entschieden ist. Coman, der bereits das Finale gegen Paris St. Germain am 23. August mit seinem Tor entschieden hatte, kommt in der Champions League in 29 Spielen für den FC Bayern auf die erstaunliche Bilanz von zehn Treffern und elf Assists. Zum Vergleich: Nach 110 Bundesliga-Spielen für den Rekordmeister steht er bei 19 Toren und 20 Vorlagen.

"Wir haben zu ihm gesagt: Das ist die Messlatte, daran wird er in den nächsten Spielen gemessen", sagte Flick nun in der Pressekonferenz. "Es ist wichtig, dass er nicht nur vorbereitet, sondern auch Tore schießt. Das gehört in der Bundesliga auch dazu, das muss man von einem Spieler seiner Qualität in den anderen Wettbewerben genau so erwarten", sagte Flick und ergänzte noch: "Da schauen wir jetzt in den nächsten Wochen genau hin." Es dürfte ein wohl eher gelassener Blick werden.

Quelle: ntv.de