Fußball

Bizarres Ende von Trainer Stöger Kölner Bosse entscheiden sich fürs Chaos

Peter Stöger wollte eine Entscheidung, er hat sie bekommen: Der 1. FC Köln feuert den Trainer. Angesichts der Bundesligatabelle ist der Schritt nachvollziehbar, tatsächlich ist er ein Fehler. Die Umstände sind bizarr.

Peter Stöger bewies bis zuletzt Größe. Der Trainer, besser der Ex-Trainer des 1. FC Köln, hatte vergangene Woche vehement einen Werteverfall beim abgeschlagenen Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga beklagt und auf eine Entscheidung gedrängt. Egal wie sie ausfallen sollte, er könne damit leben. Und nun, nach einem eigentlich beachtlichen 2:2 bei den Schalker Derbyhelden, fiel sie so aus, wie sie seit Wochen erwartet und angesichts der Tabelle auch logisch war: Nach 14. Spieltagen und null Siegen trennt sich der Klub von seinem letzten Hoffnungsträger.

Das mag komisch klingen. Doch der Abschied des Österreichers vom Geißbockheim ist exemplarisch. Er war trotz sportlicher Krise der stabile Faktor im Klub, behielt immer die Ruhe, stellte sich vor die Mannschaft. Die Trennung von Stöger war bereits am Freitag beschlossene Sache. Der Trainer arbeitete dennoch professionell weiter, brachte mit seiner geflickten Rumpftruppe am Samstag einen Punkt zurück nach Köln. Doch das war längst nicht die einzige bizarre Effzeh-Personalie der vergangenen Tage. Denn die Bosse hatten sich bereits mit der Posse um Horst Heldt als neuen Sportdirektor selbst vorgeführt. Und dann auch noch das: Stögers Nachfolger, U19-Trainer Stefan Ruthenbeck, verkündete seinen Spielern schon vor dem Schalke-Spiel den Wechsel zu den Profis - trotz vereinbarten Stillschweigens. An das sich Stöger eben mit maximaler Klubloyalität hielt.

Was ist Stöger anzulasten? Dass er die Mannschaft nicht mehr erreichte? Unsinn. Ein Team, das ein ernst zunehmendes Kommunikationsproblem mit seinem Coach hat, siegt nicht gegen Arsenal London und kämpft sich auf Schalke zweimal nach Rückstand zurück (selbst wenn das 2:2 einem sehr umstrittenen Elfmeter entsprang). Auch die vielen Verletzten hat er nicht zu verantworten. Leistungsträger wie Jonas Hector, Dominic Maroh oder 17-Millionen-Mann Jhon Cordoba verletzten sich im Spiel. Andere wie Leo Bittencourt mussten angesichts der Dreifachbelastung viel spielen, bekamen nur wenig Zeit zur Erholung.

Niemand weiß, wie es besser werden soll

"Wir haben gespürt, dass unser gemeinsamer Weg zu Ende ist", lautet die offizielle Erklärung von Geschäftsführer Alexander Wehrle, warum es zur Trennung kam. Das ist kryptischer als die Realität: Während es im Pokal bislang gut läuft und auch in Europa ein Überwintern möglich ist, erfolgte die Bruchlandung ausgerechnet in der Bundesliga, die Basis für alles ist. Null Siege, drei Remis aus 14 Spielen - das ist verheerend, falsch ist die Trennung von Stöger trotzdem. Weil nämlich niemand weiß, wie es nun besser werden könnte.

In Köln war man im Sommer eingelullt von der Europaliga-Qualifikation, und alle Welt ließ sich von der Topplatzierung täuschen. Selbst die Klubspitze. Der Kader verlor im Sommer mit Torjäger Anthony Modeste nicht nur den effektivsten Spielentscheider, sondern wurde von Ex-Sportdirektor Jörg Schmadtke auch qualitativ nicht auf den erhöhten Rhythmus mit Liga, Pokal und Europacup vorbereitet. Fast nur defensive Neuzugänge, wenig Zeit zum Training, dazu Ansprüche in allen Wettbewerben. So etwas ist höchstes sportliches Risiko, egal, wer an der Seitenlinie steht. Das sehen auch die Fans so: Nicht ohne Grund sind die Zustimmungswerte für Stöger exzellent. Jeder sieht, was der Trainer taktisch und personell aus einer Mannschaft herausholt, die ihre Stützen verloren hat.

Entlassen wurde Stöger trotzdem, laut Präsident Werner Spinner sei es "unabdingbar, ein Signal zu setzen". Nur: Wem soll der Rauswurf was signalisieren? Dem Trainer, dass gute Arbeit nicht zählt? Der Mannschaft, dass es sich nicht lohnt, zum Trainer zu halten und alles zu geben? Den Fans, dass ihre Meinung egal ist?

Stöger bis zum Ende souverän

Stöger agierte auf dem Höhepunkt der Krise zurecht mit Selbstvertrauen. Als ihm Geschäftsführer Wehrle keine Jobgarantie über das Spiel auf Schalke hinaus geben wollte - womöglich rechneten er und das Präsidium mit einer Niederlage - drehte der Österreicher den Spieß mit seiner Werteverfall-Rede um. Doch der Klub wollte ihm weiterhin keine Jobgarantie unabhängig von Ergebnissen und möglichem Abstieg in die Zweite Liga geben. Mit Stögers Entlassung endet eine Ära, niemand hat je länger die Mannschaft des Effzeh geführt. Nun droht die Rückkehr ins eigentlich längst überwundene Chaos.

Der FC war in den vergangenen Jahren ein Hort der Stabilität geworden: Zunächst notgedrungen wegen finanzieller Zwänge, dann, weil es sportlich und wirtschaftlich nur bergauf ging. Schmadtke und Stöger galten als kongeniales Duo, das auch medial das Klubimage professionalisierte. Mit Ruhe, Sachverstand und legendär-selbstironischen Auftritten verpassten sie dem Effzeh über die Grenzen des Rheinlands hinaus den Ruf eines sympathischen Underdogs, der das Beste aus seinen Möglichkeiten herausholt. Genau das hat der Effzeh trotz der Liga-Krise auch in dieser Saison unter Peter Stöger geschafft. Dass er nun auf diese Weise geschasst wurde, sollte den Fans mehr Sorgen bereiten als der drohende Abstieg.

Quelle: n-tv.de

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