Fußball

DFB-Elf übt für die WM Köpke fiebert mit Neuer, Hummels flunkert

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Manuel Neuer - das Ex-Sorgenkind des DFB?

(Foto: imago/Eibner)

Was ist los in Südtirol? Während DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke voll auf Manuel Neuer fokussiert ist, hält Mats Hummels vor der Weltmeisterschaft den Teamgeist hoch. Und die ganze Mannschaft mutiert zu unfreiwilligen Frühaufstehern.

Was sagt der Bundestrainer?

Nichts: Joachim Löw war bei der Pressekonferenz in Eppan schlicht nicht dabei. Seien Sie aber ein wenig großzügig und lassen Sie den Torwarttrainer als Fußball-Bundestrainer durchgehen, denn der hat relativ viel gesagt. Andreas Köpke stellte sich mit Abwehrspieler Mats Hummels den Fragen der im Reporter im Trainingslager in Südtirol. Thema Nummer eins - es gibt ja fast kein anderes: Die Personalie Manuel Neuer. Und die Frage, ob er mit zur Weltmeisterschaft nach Russland fährt, die für die deutsche Mannschaft am 17. Juni (ab 17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Moskauer Luschniki-Stadion mit der Partie gegen Mexiko beginnt.

Was macht denn der Keeper?

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Umgeben von lauter "Alternativen": Mats Hummels.

(Foto: imago/MIS)

Spielen! Und zwar Montagabend im Tor. 30 Minuten - im Test gegen die U20-Auswahl. Einen Treffer kassierte er nicht. Die andere Hälfte durfte Marc-André ter Stegen ran. Der beim FC Barcelona die Nummer eins ist, der den Confed Cup gewonnen hat, der das ganze Jahr der Rückhalt der DFB-Elf war. Und jetzt wohl doch nur auf der Bank sitzen wird. "Selbstverständlich würde Marc gern spielen", so Köpke. Aber der ter Stegen wisse auch, dass es bei Neuer eine besondere Situation sei. "Deswegen versuchen wir bis zum Schluss alles, damit das funktioniert." Grund zur Sorge bestehe beim Kapitän quasi nicht mehr, jubiliert Köpke geradezu: "Keine Schonhaltung, es war, als wenn er nicht weggewesen wäre." Da der 32-Jährige aber noch das "Selbstverständnis wiederfinden" müsse, spielt Neuer seinem Trainer zufolge bei der U20-Test-Neuauflage am Mittwoch erneut eine Halbzeit.

Und dann darf er am Samstag (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Spiel in Klagenfurt gegen Österreich ebenfalls ran. "Das ist dann auch ein richtiger Test", so Köpke, der in der "Süddeutschen Zeitung" betont hatte, dass Neuer in dieser Partie spielen können müsse, sonst wäre der WM-Zug abgefahren. Während sich nahezu alle in das Thema Neuer verbeißen, als könne Deutschland ohne diesen Torwart nie und nimmer den Titel verteidigen - seltsamerweise inklusive des Torwarttrainers - , positioniert sich Mats Hummels deutlich gelassener. Zwar sei eine "gewisse Eingespieltheit" wichtig, beim Torwart sei das aber nicht so relevant. "Ich kenne beide lang", sagt der Innenverteidiger des FC Bayern über seinen Klubkollegen Neuer und ter Stegen. "Deswegen mache ich mir da keine Sorgen, dass es in jedem Fall funktioniert." Beruhigend.

Wie ist der Krankenstand?

Die DFB-Elf vor der WM

seit Mittwoch, 23. Mai
Trainingslager in Südtirol (bis 7. Juni)

Samstag, 2. Juni, 18 Uhr
Österreich - Deutschland in Klagenfurt

Montag, 4. Juni
DFB meldet Fifa endgültigen WM-Kader

Freitag, 8. Juni, 19.30 Uhr
Deutschland - Saudi-Arabien in Leverkusen

Dienstag, 12. Juni: Abflug nach Moskau

WM in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli

Sonntag, 17. Juni
Deutschland - Mexiko in Moskau, 17 Uhr

Samstag, 23. Juni
Deutschland - Schweden in Sotschi, 20 Uhr

Mittwoch, 27. Juni
Deutschland - Südkorea in Kasan, 16 Uhr

Gott sei Dank gibt es Twitter. Quasi in Echtzeit wird man über alle Wehwehchen informiert. So soll Julian Draxler beim Vormittagstraining einen Eisbeutel und eine kurze Behandlung bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erhalten haben. Wie es dem Eisbeutel jetzt geht, wissen wir leider nicht. Draxler jedenfalls kehrte nach einem Intermezzo zur Mannschaft zurück. Kein Sorgenkind also. Ebenso wenig wie Mario Gomez, der am Vormittag eine Regenerationseinheit absolvierte. Das sei nichts Besonderes, betonte Pressesprecher Jens Grittner, es bestehe kein Grund zur Sorge.

In den vergangenen Wochen ein Sorgenkind war dagegen Jérôme Boateng, der auch heute sein Training abseits der Mannschaft fortsetzte. Aber: Köpke und das gesamte Team sind "weniger besorgt, weil wir sehen, wie er hier schon trainieren kann". Und Verteidiger-Kollege Hummels ist ohnehin die Gelassenheit in Person. Es gebe viele gute Alternativen, "selbst wenn uns drei ausfallen, haben wir immer noch genug Auswahl", prahlt er. Letztlich sei auch entscheidend, welche taktische Marschroute Löw wähle. Ob er persönliche Vorlieben für seinen Partner habe, wird Hummels gefragt: "Hab ich nicht", sagt er. Um gleich darauf seine eigene Flunkerei zu entlarven: "Sag ich nicht."

War sonst noch was?

Jo, frühes Aufstehen war an diesem Dienstag angesagt. Um 7 Uhr gab es ebenso unangemeldeten wie unbeliebten Besuch von den Dopingkontrolleuren des Weltverbands Fifa. Alle 26 Spieler mussten dem DFB zufolge Blut- und Urinproben abgeben. Einzig Toni Kroos entkam dem Vor-WM-Spektakel - weil er bekanntlich noch im Urlaub weilt. Und dort könnte er laut Köpke ruhig auch noch länger bleiben, schließlich solle er seinen dritten Champions-League-Titel hintereinander genießen: "Toni hätten wir auch bis zum ersten Spiel freigeben können. Er wäre dann gegen Mexiko aufgelaufen und hätte seine Leistung gebracht."

Ach, und dann gibt's ja noch ein Schmankerl für alle Klubs, die Nationalspieler entsenden: Sie bekommen von der Fifa eine ordentliche Entschädigung. Für jeden Tag, den ein Spieler bei der WM weilt, bekommt der Klub 8400 Dollar, berichtet die "Bild"-Zeitung. 2014 waren es noch 2800 Dollar pro Tag und Spieler. Der Zeitraum beginnt schon 14 Tage vor der WM und endet einen Tag nach dem jeweiligen Ausscheiden der Nation. Die Teams, deren Spieler im WM-Finale stehen, dürfen also einen warmen Geldregen von 394.800 Dollar erwarten (etwa 340.000 Euro). Das lohnt sich also durchaus - wenn sich niemand verletzt.

Wer ist der Giftzwerg des Tages?

Der stets so ausgeglichen wirkende Köpke fuhr bei der Frage einer chinesischen Reporterin zu Liverpool-Keeper Loris Karius plötzlich aus der Haut. Er finde es "grenzwertig und total unverständlich", wie Experten, "mit denen ich selbst noch zusammengespielt habe", die Leistung bewertet hätten. Er spielte damit vielleicht auf Lothar Matthäus an, der nach der Partie gesagt hatte, es sei die schlechteste Torwartleistung seit 20 Jahren gewesen. "Darüber kann ich nur den Kopf schütteln." Er wünsche Karius, "dass er von Liverpool und von Jürgen Klopp die Unterstützung bekommt, die er braucht."

Quelle: n-tv.de

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